Quellcode beweist: WhatsApp zensiert absichtlich Links zu Telegram

Rafael Thiel

WhatsApp kämpft mit harten Bandagen: Der derzeitige Marktführer unter den Chat-Diensten betreibt in seiner aktuellen Android-App aktiv Zensur und benachteiligt einen Mitbewerber. Die Anwendung legt Nutzern vorsätzlich Steine in den Weg, einen Link zur Webseite des konkurrierenden Messengers Telegram aufzurufen. Das belegen Abschnitte im Quellcode.

Quellcode beweist: WhatsApp zensiert absichtlich Links zu Telegram

Der Vorwurf gegen WhatsApp wiegt schwer, ist aber nachweisbar. Konkret geht es darum: Versendet der Nutzer einen Link zu einer Webseite, die das Wort „Telegram“ in irgendeiner Form enthält, verweigert die App die Umformatierung in einen antippbaren Hyperlink. Darüber hinaus ist es nicht möglich, Nachrichten mit besagtem Inhalt in die Zwischenablage zu kopieren. Dementsprechend müsste der Empfänger die komplette URL per Hand in den Browser eintippen – heutzutage wohl für die meisten Nutzer undenkbar. Damit blockiert WhatsApp jegliche direkte Verlinkung auf die Webseite von Telegram, einem aufstrebenden Widersacher in der Branche.

whatsapp-telegram-zensur-screenshot-1
whatsapp-telegram-zensur-screenshot-2
whatsapp-telegram-zensur-screenshot-3

Man achte auch auf die fehlenden Shortcuts zum Kopieren und Weiterleiten im mittleren Screenshot

WhatsApp sperrt Telegram aus: Quellcode liefert Hinweise auf Vorsatz

Nun könnte man meinen, es handle sich hierbei womöglich nur um einen unglücklichen Bug oder ein Missgeschick. Dem ist jedoch allem Anschein nach nicht so, denn im dekompilierten Quellcode der entsprechenden WhatsApp-APK (av Version 2.12.367) finden sich eine Reihe von Hinweisen und Querverweisen, die für eine vorsätzliche Blockierung sprechen. In einer Klasse namens „LinkifyWeb“ ist nämlich von sogenannten „Bad Hosts“ (schlechte Anbieter) die Rede. Darunter fällt zum aktuellen Zeitpunkt wohl jedwede URL mit dem Bestandteil „Telegram“.

BAD_HOSTS = new Pattern{Pattern.compile("(\\W|\\b)telegram(\\.\\w+){1,2}\\z", 2)};

Darüber hinaus finden sich in derselben Klasse noch eine Reihe von Methoden, wie beispielsweise „isBadHost“, „hasBadHost“ oder „isGoodUrl“. Diese kommen nach der Analyse auf Charakteristika, die für eine URL sprechen, zum Zuge. Denn wird ein Link erkannt, soll eigentlich ein Hyperlink kreiert und seit jüngstem auch eine Vorschau eingeblendet werden. Das geschieht jedoch nur, wenn es sich nicht um vermeintliche „Bad Hosts“ handelt.

public static boolean isBadHost(String urlStr) {
 if (urlStr == null) {
 return true;
 }
 try {
 String host = new URL(makeUrl(urlStr)).getHost().toLowerCase();
 for (Pattern badHost : BAD_HOSTS) {
 if (badHost.matcher(host).find()) {
 return true;
 }
 }
 return false;
 } catch (MalformedURLException e) {
 return true;
 }
 }

Die Überprüfung wird in der Klasse „ConversationRowText“ initiiert. Dort extrahiert die Anwendung zunächst – falls vorhanden – die potentielle URL und fragt daraufhin, ob der „urlCandidate“ ungewünscht ist. Trifft letzteres zu, wird der nachfolgende Prozess kompromittiert, sodass weder Hyperlink noch Vorschau entstehen können.

private void updateWebPagePreview(FMessage message) {
 String url;
 ViewGroup content = (ViewGroup) findViewById(C1039R.id.web_page_preview_holder);
 String canonicalUrl = null;
 if (TextUtils.isEmpty(message.media_name) && TextUtils.isEmpty(message.media_caption)) {
 url = null;
 } else {
 String urlCandidate = LinkifyWeb.getLink(message.getData());
 if (urlCandidate == null || LinkifyWeb.isBadHost(urlCandidate)) {
 url = null;
 } else { ...
}

Quod erat demonstrandum: Es spricht also einiges dafür, dass die Entwickler bei WhatsApp diese Funktion bewusst eingebaut haben. In Zukunft könnte das Unternehmen seine schwarze Liste sogar noch ausweiten – es müssten lediglich in der entsprechenden Liste weitere Begriffe hinzugefügt werden. Per Definition handelt es sich dabei um Zensur, da auf unerlaubte beziehungsweise ungewünschte Inhalte geprüft wird. Immerhin ist die Blockierung von Webseiten mit Telegram-Verweis nur mit der Android-App reproduzierbar, unter iOS beziehungsweise im Browser verläuft die Umformatierung in einen Hyperlink fehlerfrei. Bislang wollte sich WhatsApp nicht zu den schweren Vorwürfen äußern.

via MobiFlip

Samsung Galaxy S6 mit Vertrag bei deinHandy.de *   Samsung Galaxy S6 bei Amazon kaufen *

WhatsApp am PC nutzen – so geht’s

WhatsApp am PC nutzen – so funktioniert WhatsApp Web.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung