Verrat an Nutzern: Das bittere Geständnis des WhatsApp-Gründers

Stefan Bubeck 5

Der WhatsApp-Mitgründer Brian Acton rechnet im Interview mit dem Facebook-Konzern ab, dem WhatsApp seit einigen Jahren gehört. Mit dem Verkauf des Messengers an den Social-Media-Giganten im Jahr 2014 sei auch die Privatsphäre der Nutzer verkauft worden.

Verrat an Nutzern: Das bittere Geständnis des WhatsApp-Gründers
Bildquelle: GIGA.

Kurzer Rückblick: Im Jahr 2009 startete WhatsApp als werbefreier und einfacher Messenger (bzw. SMS-Ersatz), im Jahr 2014 kam Mark Zuckerbergs Facebook und übernahm das Unternehmen, im Jahr 2018 postet der einstige Mitgründer Brian Acton auf Twitter „#deletefacebook“ und ruft so zur Löschung von Konten beim sozialen Netzwerk auf. Was ist schief gelaufen?

WhatsApp-Mitgründer Acton: „Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft“

Im Interview mit dem Magazin Forbes gibt Acton nun einige Einblicke hinter die Kulissen, wie wir sie nur selten erleben. „Letztendlich ist es so, dass ich mein Unternehmen verkauft habe. Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer für einen größeren Gewinn verkauft,“ gesteht der 46-jährige im Rückblick auf die damalige Übername durch Facebook. Mit dieser schwerwiegenden Entscheidung müsse er nun „jeden Tag leben“.

Einst stand WhatsApp für ein Geschäftsmodell, das so gar nicht zu Facebook passte: In den Anfangstagen mussten Android-Nutzer eine jährliche Gebühr von rund 89 Cent bezahlen und konnten die App dann werbefrei nutzen. Die WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton waren dafür bekannt, dass sie Werbung zutiefst ablehnten. „Keine Werbung, keine Spiele, keine Tricks“ – so lautete einst der Slogan von WhatsApp.

Mit Facebook kamen jedoch schleichend Veränderungen, die eine andere Strategie verfolgen: Die App ist nun kostenlos, dafür werden in großem Stil Nutzerdaten gesammelt und zu Geld gemacht. WhatsApp-Konten und Facebook-Konten werden abgeglichen und massenhaft Daten ausgetauscht. So hatten sich die WhatsApp-Gründer das ursprünglich nicht vorgestellt. Dabei hätte man eine solche Entwicklung erahnen können – immerhin betreibt Facebook eines der größten Werbenetzwerke der Welt.

Sowohl Acton als auch Koum haben Facebook mittlerweile verlassen.

WhatsApp: Nützlicher Messenger und zugleich Gelddruckmaschine

Acton hatte Facebook-Chefin Sandberg einst vorgeschlagen, man könne mit WhatsApp Geld verdienen, indem man ab einer gewissen Anzahl versendeter Nachrichten eine Art Gebühr erhebt. Sandberg lehnte diese Idee ab, da sie „nicht skaliere“. Acton antwortete damals: „Nein, das meinen sie nicht. Sie wollen sagen, das macht nicht so viel Geld wie Werbung“.

Der WhatsApp-Mitgründer bezeichnet das Facebook-Management um Zuckerberg und Sandberg versöhnlich als „gute Geschäftsleute“. Leider stünden sie aber für Prinzipien, denen er selbst „nicht unbedingt zustimmen“ könne.

Acton unterstützt mittlerweile den verschlüsselten Open-Source-Messenger Signal mit Millionenbeträgen – dieser steht für einen Gegenentwurf zu dem, was Facebook aus WhatsApp gemacht hat und noch machen will. Ab 2019 bekommen wir dort übrigens Werbung eingeblendet – wer hätte das gedacht?

Quelle: Forbes

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