WhatsApp verkauft eure Fotos! Oder? Panikmache enttarnt

Julien Bremer 20

Der Teufel steckt im Detail. Diese Redewendung passt hervorragend zu den Geschäftsbedingungen des (immer noch) beliebten Messengers WhatsApp. Dieser darf alle Inhalte der Nutzer an Dritte weitergeben – und alle Nutzer haben dem zugestimmt…

WhatsApp verkauft eure Fotos! Oder? Panikmache enttarnt

Na, wann habt ihr zuletzt eher peinliche Fotos von der letzten Party an eure Freunde verschickt? Wäre schon ziemlich blöd, wenn dies irgendwo wieder im Internet auftaucht, oder?

Es scheint, als habe sich WhatsApp genau dieses Recht vorbehalten. Der Rechtsanwalt Rolf Becker hat sich im Auftrag des Handelsblatts die Bedingungen genauer angeschaut:

„Die Kunden stimmen zu, dass WhatsApp alle Inhalte, Bilder und ähnliches ohne Einschränkung und in allen Medienformaten und über alle Kanäle weiterverbreiten kann.“

Das bedeutet, die Anwender können nichts dagegen tun, wenn der Messenger Inhalte aus den Chats weitergibt. Das Unternehmen darf dieses Recht sogar übertragen. Was das genau heißt, scheint aber nicht allen klar zu sein.

Verbraucherschützer hierzulande wollen gerichtlich gegen die Geschäftsbedingungen vorgehen. Sie beanstanden die englischsprachigen AGB des Unternehmens. Der Messenger funktioniere auf Grundlage unzulässiger Geschäftsbedingungen, argumentiert Carola Elbrecht, Koordinatorin des Projekts „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vbzv). Da die Vertragsverhandlungssprache deutsch ist, müssen auch die AGB in dieser verfasst werden.

Doch die Verbraucherschützer beanstanden eher die Unverständlichkeit für die Anwender aufgrund möglicher Sprachbarrieren, nicht die tatsächlichen Vertragsinhalte.

Eine ähnliche Klage gegen Facebook hatte bereits Erfolg, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, da das soziale Netzwerk Beschwerde eingelegt hat.

Weiterhin hat Rechtsanwalt Becker in den Bedingungen von WhatsApp entdeckt, dass der Dienst erst für Nutzer ab 16 Jahre geeignet ist. Denn dort steht übersetzt:

 „Wenn Sie unter 16 Jahre alt sind, dann benutzen Sie bitte nicht den WhatsApp-Service oder greifen auf die WhatsApp-Website zu, nicht zu irgendeiner Zeit oder in irgendeiner Art und Weise.“

Um die große Aufregung um die Bildrechte etwas einzuordnen: Dieser Passus, der in den Whatsapp-Bedingungen unter 5b festgehalten wird,  findet sich nahezu identisch bei vielen solcher Dienste. Facebook, Tumblr und Co. haben keine anderen Formulierungen. Dies ist auch einfach notwendig, um die Daten über die jeweiligen Server an den Empfänger weiterzugeben.

In den AGB behält man sich zudem auch das Recht vor, die Inhalte zu verändern. Doch dabei geht es in der Regel eher darum, Vorschauansichten oder ähnliches zu erstellen, bei denen Fotos auch anders dargestellt und nicht im Original angezeigt werden.

Doch natürlich bleibt auch immer ein gewisses Restrisiko für die Nutzer. Denn vor allem Unternehmen, die mit der Datenkrake Facebook verknüpft sind, will man als User in der Regel so wenig preisgeben, wie nur möglich. Doch die aktuelle Panikmache ist dann doch ein wenig überzogen.

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