„Wer nutzt denn noch WhatsApp?!“ - Ich. Und viele andere. (Kommentar)

Martin Malischek 38

Seitdem sich WhatsApp in Zuckerberg-Gewalt befindet, wird der beliebte Messenger häufig als mittelalterliches Folterinstrument abgetan. Doch trotz der vielen Aufrufe zum Umstieg ist der grüne Messenger WhatsApp in seinem Gebiet nach wie vor das Nonplusultra. Und das wird meiner Meinung nach auch so bleiben.

Bevor WhatsApp von Mark Zuckerberg und damit von Facebook gekauft wurde, konnte sich der grüne Messenger an Kritiklosigkeit freuen. Kaum einer suchte nach einer Alternative, zumal der Großteil der privaten Kontakte über den Messenger erreichbar war.

Der Grund für den riesigen Erfolg war und ist schlichtweg die Veröffentlichung zur richtigen Zeit: Als WhatsApp in Erscheinung trat, war der Großteil von uns noch nicht mit SMS-Flats versorgt. Ohnehin wirkte und wirkt die Kommunikation über SMS einfach veraltet. Zusätzlich konnten keine Bilder oder anderen Medien über SMS verschickt werden, hierfür musste zur nach wie vor kostenpflichtigen MMS gegriffen werden.

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WhatsApp löste SMS ab

Für das verstaubte Feeling beim Austausch von klassischen Textnachrichten waren wiederum die ziemlich stiefmütterlich entwickelten SMS-Apps auf Android- und iOS-Smartphones verantwortlich. Die spartanischen Oberflächen erinnerten immer wieder daran, dass wir doch bereits mit unseren Nokia- und Motorola-Knochen auf diese Weise kommuniziert haben.

Längst waren wir alle mit unserem Smartphone im Internet unterwegs und wollten doch auch Bilder und Musik miteinander kostenlos teilen. Und plötzlich: WhatsApp. „Kostenlose“ Textnachrichten, kostenloser Bild- und etwas später sogar Musikversand. Bei neuer Registrierung kann der Dienst ein Jahr kostenlos genutzt werden, danach wird lediglich ein Jahresbetrag von unter einem Euro fällig.

WhatsApp auch mit iMessage-Start konkurrenzlos

iOS iMessage

Zum Start von WhatsApp war nicht mal an iMessage zu denken, später konnte der grüne Messenger gegenüber dem Cupertino-Ableger mit plattformübergreifender Kommunikation glänzen. Seitdem hat sich viel getan, WhatsApp konnte viele Nutzerrekorde vorweisen und wurde dann, wie allseits bekannt, von Facebook gekauft.

Mit Facebook kam die Angst. Die Angst um die Privatsphäre, um private Daten, Bilder, Sprachnachrichten. Warum zur Hölle zahlt Facebook 19 Milliarden US-Dollar (Aktien + Bargeld) für einen „einfachen“ Messenger? Bis heute munkelt man, dass Zuckerberg an den Nutzerdaten von WhatsApp interessiert ist. Facebook und WhatsApp dementierten dies mehrfach.

Threema ist sicherer. Und ungenutzter.

Nichtsdestotrotz sorgte das Nachdenken über die Privatsphäre dafür, dass immer mehr nach einem sichereren Messenger Ausschau hielten. Threema griff diesen Drang nach Privatsphäre auf und konnte viele Nutzer mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (die WhatsApp unter Android mittlerweile auch anbietet) überzeugen. Trotzdem ist WhatsApp nach wie vor unangefochten ein Riese in Sachen mobiler Kommunikation.

Grund hierfür dürfte einerseits die eingeschränkte Funktionalität vieler zum WhatsApp-Kauf auftauchender Messenger sein. Jedoch auch, dass sich der Großteil zwar Sorgen machte und wechseln wollte, dies aber schlichtweg nicht tat. Ja, auch ich zähle zu diesen einstigen Wechselwilligen, aber nicht Tatkräftigen. Dies liegt (und lag) schlicht und einfach daran, dass viele genauso handelten, wie ich.

Zwar habe ich mir direkt Threema heruntergeladen und eingerichtet, nach wie vor nutzt jedoch nur ein Zehntel aller meiner Kontakte den verschlüsselten Messenger. Genauso sieht es bei anderen Kommunikationsplattformen aus: Ich kann zwar einen Teil meiner Kontakte bei Alternativen antreffen, fast alle haben jedoch WhatsApp nach wie vor installiert. Um mit dem Großteil weiter in Kontakt zu bleiben und auf WhatsApp verzichten zu können, müsste ich um die fünf Messenger installieren.

Fünf Apps für eine. Messenger-Fragmentierung verhindert Umstieg

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WhatsApp: Blaue Haken deaktivieren – so gehts!*

Fünf unterschiedliche Oberflächen. Fünf Apps mehr, die im Hintergrund laufen und an meinem Datenvolumen, der Performance und dem Akku ziehen. WhatsApp hatte schlichtweg das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Da helfen auch keine Kommentare wie „Wer nutzt den noch WhatsApp?!“ oder „Holt euch Threema!!!!!11111einseinself“.  Natürlich ist das kein Grund, sich nicht trotzdem Sorgen um seine Privatsphäre zu machen. Oder weiterhin mit offenen Augen mit dem Thema umzugehen und Alternativen eine Chance zu geben.

Doch der Großteil der Millionen von WhatsApp-Nutzern wird nicht einfach so wechseln, wenn der Dienst weiterhin funktioniert. Außerdem wird der Vorsatz des Wechselns beim Ablauf des Accounts und der fälligen Zahlung von einem Euro durch kostenlose Account-Verlängerungen von WhatsApp zunichte gemacht. Eine Alternative wird sich meiner Meinung nach nur durchsetzen können, wenn sie einerseits mit Privatsphäre-Argumenten gegen WhatsApp standhalten und die Art der Kommunikation revolutionieren kann. Erneut.

Nutzt ihr den WhatsApp-Status?

Bilder, Texte und Videos 24 Stunden mit seinen Freunden teilen. Das ist der WhatsApp-Status. Wir wollen von euch wissen: Nutzt ihr diese Funktion?

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