Wird WhatsApp das neue Facebook? (Kommentar)

Martin Malischek

Facebook verärgert viele Seitenbetreiber mit seiner Vorgehensweise: Immer weniger Fans bekommen dessen Beiträge zu Gesicht. Als Alternative zum Teilen von interessanten Artikeln etabliert sich WhatsApp immer mehr. Steht ein Umschwung bevor?

Zugegebenermaßen, auf Facebook treiben auch viele Fanseiten ihr Unwesen, bei denen die Monetarisierung an erster Stelle steht. Beispielsweise entdeckten viele Clickbait-Seiten die Möglichkeit, die neue Handhabung von kommentierten und mit „Gefällt mir“ versehenen Bildern massiv für ihre Zwecke auszunutzen.

Doch neben Verfassern von „Klicke wenn du ein Mensch bist, teile wenn du Haare oder eine Glatze hast und kommentiere wenn du lesen kannst“-Beiträgen tummeln sich auch viele Seitenbetreiber auf Facebook, die die Plattform nutzen möchten, um mit ihren Fans in Verbindung zu treten. Mittlerweile ist diese Kommunikationsmöglichkeit aufgrund der sinkenden Sichtungen von Posts stark eingeschränkt. Die Sichtungen gehen scheinbar selbst dann zurück, wenn Facebooks Vorgaben erfüllt werden.

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Dies liegt natürlich einerseits an der sinkenden Anzahl von Sichtungen eines Beitrags, denn Facebook schätzt jeden Beitrag nach seiner Wichtigkeit ein und ordnet ihn so einem Platz in der Timeline des Nutzers ein: Hier spielt es eine ganz große Rolle, wie Nutzer mit dem jeweiligen Beitrag interagieren.

Ohnehin scheinen interessante Beiträge über einen anderen Verbreitungsweg geteilt zu werden: Nämlich über WhatsApp.

WhatsApp statt Facebook als Verbreitungsweg? FC Valencia als Beispiel.

Ein Test auf der offiziellen Homepage von FC Valencia brachte mit der Einbindung eines WhatsApp-Buttons zum Teilen interessante Erkenntnisse: Zwar klickten nur 33 Prozent der Nutzer auf den WhatsApp-Button und damit etwas seltener als auf den Facebook-Button mit 35 Prozent, der Messenger rangiert mit der Nutzung damit jedoch auch nichtsdestotrotz auf Platz Zwei. Und ist damit weit vor Twitter mit 19 Prozent und Google Plus mit 13 Prozent.

Außerdem spielt auch die Möglichkeit der schnellen Kommunikation mit dem von Facebook einverleibten Messenger WhatsApp eine Rolle: Links zu Beiträgen lassen sich beispielsweise einfach markieren und mit wenigen Handgriffen an weitere Personen verschicken. Dass diese Möglichkeit ausgiebig genutzt wird, zeigen die Zahlen der Seitenaufrufe durch Social-Media-Links. Für Twitter, Facebook, WhatsApp und Google Plus wurden jeweils eigene Links ausgespielt, sodass ersichtlich wurde, von welcher Plattform die meisten Besucher kamen.

WhatsApp: Weniger Klicks, mehr Besucher

48 Prozent der Aufrufe über soziale Netzwerke (Mobil und Desktop) stammen laut den Daten von WhatsApp. Der Link wurde also scheinbar deutlich öfter über den grün-blauen Messenger weitergeleitet als über Facebook. Damit stellt sich mir die Frage, ob nicht bald wieder ein Umschwung in der sozialen Kommunikation über Internetdienste bevorsteht. Denn auch ich „ertappe“ mich immer wieder selbst dabei, Links häufiger über Messenger privat zu teilen als öffentlich auf Facebook.

Dies liegt wohl auch in der Natur der Sache: Eben eine Nachricht gesichtet und an einen Freund oder Bekannten denken müssen, weil der Beitrag eine seiner „Herzenssachen“ betrifft oder beispielsweise von anderen Interessen, wie seinem Beruf, handelt. In diesem Fall macht es wenig Sinn, den Beitrag öffentlich auf Facebook zu teilen. Der Sharing-Button zu Facebook würde dies zwar anbieten, doch mit dem WhatsApp-Knopf kann ich direkt jemandem gesondert und einzeln den entsprechenden Link zukommen lassen.

Findet dieser den Beitrag interessant, schickt er den Link möglicherweise auch an seine Kontakte weiter. Und so nimmt die Nachricht ihren Lauf und erreicht die Leserschaft, an die sie auch gerichtet war. Vielleicht gehen wir also wieder bald zurück von der sozialen und öffentlichen Kommunikation über Facebook, Twitter & Co. und hin zur persönlichen Konversationen über WhatsApp, Threema, Kik und dergleichen.

WhatsApp oder Facebook? Facebook hat jedenfalls gewonnen!

facebook_whatsapp_diebstahl

Schließlich ist dank des technologischen Fortschritts die Kommunikation über das Internet einerseits deutlich einfacher geworden, andererseits besitzt mittlerweile beinahe jeder ein Smartphone mit Internetanbindung. Außerdem sind die Messenger-Dienste mittlerweile, bis auf geringste monatliche, jährliche oder gar einmalige Entgelte, kostenfrei nutzbar. So müssen wir uns nicht mehr über die Kosten einer SMS Sorgen machen.

Sollte sich WhatsApp für viele als das „bessere Facebook“ zum Teilen von Beiträgen etablieren, hat Facebook trotzdem keinen Grund zur Sorge: Immerhin hat sich der Facebook-CEO Mark Zuckerberg sich WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar einverleibt und hierbei vielleicht die noch kommende Tragweite des grünen Messengers längst erkannt.

Quelle: NiemansLab

Nutzt ihr den WhatsApp-Status?

Bilder, Texte und Videos 24 Stunden mit seinen Freunden teilen. Das ist der WhatsApp-Status. Wir wollen von euch wissen: Nutzt ihr diese Funktion?

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