AmazonTube: Jetzt wird es gefährlich für YouTube – und Google

Stefan Bubeck

Seit Jahren gibt es Streit zwischen Amazon und Google um die Videoplattform YouTube. Jetzt will Amazon einen eigenen Dienst aufbauen und Google links liegen lassen. Kommt bald AmazonTube auf den Fire TV und ins Internet?

AmazonTube: Jetzt wird es gefährlich für YouTube – und Google
Bildquelle: Getty Images / Spencer Platt.
Update vom 21.12.2017, 09:40 Uhr:
Amazon plant offenbar einen eigenen Videodienst nach YouTube-Vorbild aufzubauen. Hinweise dazu finden sich in einer Markenanmeldung in den USA. AmazonTube und OpenTube sind die beiden Marken, die sich Amazon sichern möchte. In der Beschreibung heißt es, dass Nutzer Videos, Musik und Fotos über das Netzwerk teilen können. Die Inhalte sollen aber nicht zum Download gedacht sein, sondern rein auf ein Streaming-Modell setzen. Noch ist es zu früh zu spekulieren, aber langfristig könnte sich Amazon mit einem eigenen Videodienst unabhängig von Google als Zulieferer machen.

Originalartikel vom 06.12.2017:

Knallharter Wettbewerb ist eigentlich eine gute Sache für uns Kunden: Die Anbieter von Hard- und Software überbieten sich gegenseitig mit Leistungen, von denen wir profitieren. Im Fall Google versus Amazon scheint aber etwas schief zu laufen.

YouTube ab 2018 bei Amazon blockiert

Ab dem 1. Januar 2018 soll der Zugriff auf den Dienst YouTube auf Amazons Fire TV unterbunden werden. Google streicht so eines der wichtigsten Features der kostengünstigen und beliebten Box, die Fernsehgeräten in Sachen Streaming technisch auf die Sprünge hilft:

Was ist Amazon Fire TV?

Auch der smarte Lautsprecher/Bildschirm Amazon Echo Show ist von dieser Entscheidung betroffen. Wer eines dieser Geräte nutzt, wird zukünftig nicht ohne Weiteres auf Inhalte bei YouTube zugreifen können.

Anleitung: YouTube-Blockade bei Fire TV umgehen
YouTube auf Fire TV installieren: So klappts

YouTube-Blockade bei Amazon-Geräten: Hoffentlich nur vorübergehend

Für die Besitzer der betroffenen Geräte ist diese Entscheidung einfach nur ärgerlich und schwer nachvollziehbar. Hinter dem Streit steht die Tatsache, dass Amazon keine Google-Geräte (z.B. Google Home) anbietet – diese stehen in direkter Konkurrenz zur erfolgreichen Familie der smarten Lautsprecherserie „Amazon Echo“. Ein Streit, der sich bis 2015 zurückverfolgen lässt, damals ging es um Googles Chromecast, der bei Amazon aus dem Programm geflogen ist.

Ein Sprecher von Google wird im Magazin Variety mit folgenden Worten zitiert:

Wir haben versucht, eine Einigung mit Amazon zu erzielen, um den Verbrauchern den Zugang zu den Produkten und Dienstleistungen des jeweils anderen zu ermöglichen. Aber Amazon führt keine Google-Produkte wie Chromecast und Google Home, stellt Prime Video nicht für Nutzer von Google Cast zur Verfügung und hat letzten Monat aufgehört, einige der neuesten Produkte von Nest zu verkaufen. Angesichts dieser mangelnden Gegenseitigkeit unterstützen wir YouTube nicht mehr bei Echo Show und FireTV. Wir hoffen, dass wir eine Einigung erzielen können, um diese Probleme bald zu lösen.

 

Amazons Antwort folgte unmittelbar danach:

Echo Show und Fire TV zeigen jetzt eine Standard-Webansicht von YouTube.com und verweisen Kunden direkt auf die bestehende YouTube-Website. Google setzt einen enttäuschenden Präzedenzfall, indem es selektiv den Kundenzugang zu einer offenen Website blockiert. Wir hoffen, dies mit Google so schnell wie möglich zu lösen.

Fazit: Beide Seiten hoffen offenbar, diese Streiterei zeitnah beilegen zu können. Wir Kunden können so lange nur kopfschüttelnd zuschauen, wie sich zwei Megakonzerne gegenseitig sticheln und wir dabei die Leidtragenden sind.

Quelle: Variety

* gesponsorter Link