Geoblocking: EU-Kommission will Ländersperren im Internet abschaffen

Martin Malischek 14

Der EU-Politiker Andrus Ansip möchte das europäische Internet frei von Grenzen machen. Man solle sich im Internet in Europa ebenso frei bewegen können „wie in der Wirklichkeit“.

Geoblocking: EU-Kommission will Ländersperren im Internet abschaffen

So frei das Internet auch scheint, regional kann das Surfen durchs Netz schnell getrübt werden: Zwar sind die Einschränkungen hierzulande keinesfalls so gravierend wie beispielsweise in China – auf YouTube oder Mediatheken ausländischer Fernsehender mit Sitz in Europa stößt man jedoch schnell auf Grenzen.

EU-Kommission gegen Ländersperren: GEMA-Sperren auf YouTube – bald Vergangenheit?

„Geoblocking“ bekommen wir in Deutschland besonders auf YouTube zu spüren – die Ursache für diese Sperren ist ein seit Jahren vorherrschender Rechtsstreit zwischen dem Videonetzwerk und der Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA, da sich beide Parteien nicht auf ein Gebührenmodell einigen können. Genauer ist Googles Videoplattform nicht mit der Höhe von Abgaben für Musikvideos einverstanden – beide Parteien mauern in ihren Standpunkten. Aus diesem Grund sind deutschen Nutzern unter anderem viele Musikvideos mit einer Sperrtafel (siehe Bild oben) versehen. Zumindest für in Europa hochgeladene Videos sollen laut Andrus Ansip die YouTube-Sperrtafeln ebenso der Vergangenheit angehören, wie länderspezifische Einschränkungen anderer Internetinhalte wie beispielsweise Mediatheken von TV-Sendern, dessen Verfügbarkeit in Europa lediglich auf wenige Länder begrenzt sind.

Der zitierte Andrus Ansip, Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für den digitalen Binnenmarkt, führte weiter aus, dass die EU „all die Zäune und Mauern“ abschaffen will, er „hasse Geblocking aus tiefstem Herzen“ und stellt sich auf einen  „harten Kampf“ ein, diese Forderungen durchzusetzen. Ob auch die Mauern der GEMA-Sperrtafeln auf YouTube fallen sollen, führte er jedoch nicht aus. Auch Julia Reda, Europaabgeordnete der Piraten, pflichtete ihm bei, kritisierte jedoch, dass Andrus Ansip seine Forderungen nicht konkretisiert: „Leider ist Ansip vage geblieben, wie er die Einschränkungen für Online-Angebote im Allgemeinen abschaffen will.“ Für sie wäre eine einmalig gekaufte Lizenz einer Firma in einem EU-Land sinnvoll, die dann Länder-überschreitend in Europa eingesetzt werden könnte.

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21 Internet-Perlen, die uns ganz nostalgisch zurücklassen.

Netflix-CEO spricht sich ebenfalls gegen Geoblocking aus

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Ebenso spricht sich der Netflix-Geschäftsführer Reed Hastings gegen Geoblocking aus, möchte jedoch, dass diese Sperren nicht nur EU-weit, sondern weltweit der Vergangenheit angehören. Die Filmindustrie müsse von länderbasierten Lizenzen absehen. So spricht er Verständnis für die „VPN-Piraten“ aus und erinnert an ihre Zahlungsbereitschaft. Bei „VPN-Piraten“ handelt es sich um Internetnutzer, die beispielsweise das US-amerikanische Netflix mithilfe einer US-IP-Adresse ansteuern und so auf das größere amerikanische Angebot des Video-on-Demand-Anbieters aus Deutschland zurückgreifen. „Die VPN-Sache ist gegenüber Piraterie das kleinere Übel.“, so Reed Hastings gegenüber Gizmodo.

Anfang Mai möchte Andru Ansip detailliertere Pläne gegen das Geoblocking im europäischen Markt parat haben, bis dahin müssen wir mit den schwammigen Aussagen Vorlieb nehmen. Ausnahmen möchte der Vizepräsident jedoch zulassen, beispielsweise wenn national Online-Glücksspiele verboten sind, würden diese Grenzen durch sein Vorhaben nicht eingerissen.

Quelle: Spiegel, Gizmodo via derStandard

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