Neues Kommentar-System auf YouTube: Das Ende der Anonym-Kultur?

Peer Göbel

YouTube bekommt ein neues Kommentar-System. Darin enthalten: Mehr Möglichkeiten für Videoproduzenten, die Kommentare zu moderieren und zu strukturieren; eine Sortierung nach Relevanz; die Verknüpfung mit Google+. Das neue System wird ab sofort ausgerollt und könnte die YouTube-Kultur verändern – zum besseren oder zum schlechteren.

Neues Kommentar-System auf YouTube: Das Ende der Anonym-Kultur?

Das offizielle YouTube-Blog stellte gestern die Änderungen vor und eröffnete mit einer rhetorischen Frage: Welche Kommentare interessieren dich mehr, wenn du z.B. ein Musikvideo von Justin Timberlake anguckst – die vom Künstler selbst, die von deinen Freunden, die meistdiskutierten – oder der Kommentar von dem Typen, der zufällig als letzter vorbei kam?

Bislang liefen YouTube-Kommentare ganz demokratisch einfach chronologisch durch, lediglich erweitert um wenige „beste Kommentare“. Einen Überblick über die Diskussionen bekam man jedenfalls nicht. Google will nun sowohl die Kommentar-Funktion aufwerten, als auch Google+ pushen – denn anders als YouTube ist das soziale Netzwerk des Suchmaschinenkonzerns ja noch keine klare Erfolgsgeschichte. Die vorgestellten Änderungen bei YouTube im einzelnen:

  • Kommentare werden nach Relevanz geordnet. Ganz oben stehen z.B. die Kommentare des Videoproduzenten, von relevanten Personen (nach Google+-Ranking), die wichtigsten Diskussionen und der Leute aus deinen Google+-Kreisen.
  • Verzahnung mit Google+: User können auswählen, ob ihre Kommentare für jeden auf YouTube (und Google+) sichtbar sein sollen, oder nur für bestimmte Kreise. Wie bei Gmail werden diese Konversationen in Threads zusammengefasst. Posts von Google+, die das Video enthalten, werden auch als Kommentar veröffentlicht.
  • Bessere Moderations-Möglichkeiten: Google verspricht neue Tools für Videoproduzenten, z.B. um Kommentare noch vor Veröffentlichung zu prüfen, mit Blacklists bestimmte Wörter auszuschließen, mit Whitelists bestimmte Fans automatisch durchzuwinken. Uploader bekommen also echte Moderations-Funktionen an die Hand, ähnlich wie in einem eigenen Blog.

youtube: neue kommentare screenshot
Die Verknüpfung mit Google+ sorgt außerdem dafür, dass die Kommentare nicht mehr für jeden User gleich aussehen – ähnlich wie inzwischen bei der Google-Suche. Je nach den Freunden und Kreisen im Google-plus-Profil werden die Posts dynamisch verändert, private Konversationen werden angezeigt, etc.

Gleichzeitig bekommen Uploader mit mehr als 5000 Abonnenten ab sofort die Möglichkeit, ihre „Community“ genauer zu sichten und sich mit den Top-Fans via Google+ zu verbinden. Einen Ersatz für die Video-Antworten, die vor zwei Wochen eingestellt wurden, bleibt YouTube allerdings noch schuldig – hier wird noch etwas passieren.

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Neues Kommentar-System, neue YouTube-Kultur?

Die automatisch gewichteten Kommentare und die größeren Moderationsmöglichkeiten könnten für eine neue Debatten-Kultur auf YouTube sorgen. Unbedarfte User bekommen zukünftig erstmal einen besseren Überblick über die laufenden Diskussionen zu einem Video, und man muss sich nicht mehr seitenlang durch ältere Äußerungen klicken. An der Verknüpfung von YouTube mit einem Google-Account ändert sich zunächst nichts, die Möglichkeiten, unter Pseudonym oder anonym zu agieren, bleiben dieselben. Die schnellen, gleichberechtigten Kommentare, und ihre Sichtbarkeit für alle gehören nach diesem Update allerdings der Vergangenheit an.

Die Moderationsmöglichkeiten für Channels sollen laut Ankündigung schon diese Woche eingeführt werden, die Kommentar-Umstellung unter den Videos folgt „später in diesem Jahr“.

via turi2, googlewatchblog, cnet.com

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