Apple Music im Clinch mit Indie-Bands: Alles für alle, und umsonst?

Ansgar Warner

Misstöne kurz vorm Start von Apple Music: Während der Gratis-Testphase fließt kein Geld an die Musiker. Indie-Künstler wie Adele, Radiohead oder die Arctic Monkeys drohen deshalb mit Boykott.

Dank iTunes sollte Apple eigentlich Musik in den Ohren von Künstlern und Platten-Labels sein, hatte Steve Jobs doch damit ihr Business in das Web-Zeitalter hinübergerettet. Seit der Ankündigung des Streaming-Dienstes Apple Music auf der WWDC 2015 schwelt nun jedoch ein Streit um die Konditionen, der das gesamte Modell gefährdet – gerade Indie-Musik könnte außen vor bleiben.

Das Stimmungsbild in der Indie-Szene schwankt zwischen Schmähkritik und Formalbeleidigungen. Für Anton Newcombe, Frontmann von Brian Jonestown Massacre, ist Apple zum „Teufel“ bzw. einem „satanischen Unternehmen“ mutiert, in wütenden Tweets kritisierte der Psych-Rocker, in Cupertino habe man wohl entschieden, dass Musik gar nichts wert sei.

Bilderstrecke starten(11 Bilder)
Konkurrenz für Netflix: Diese Serien und Filme plant Apple – unsere Top 10

Ganz unrecht hat Newcombe nicht: Um den mehr als 800 Millionen iTunes-Nutzern das Spotify-ähnliche Angebot schmackhaft zu machen, lockt Apple Music nämlich mit einer dreimonatigen Gratis-Testphase. Umsonst ist diese Testphase natürlich auch für die Content-Lieferanten. Natürlich? Gerade für viele Indie-Bands ist das ein absolutes No-Go.

Als erstes zog nun XL Recordings die Notbremse: Songs von Adele werden nicht bei Apple Music gestreamt, für weitere Bands wie Radiohead, Jack White oder M.I.A behält sich das britische Indie-Label eine ähnliche Entscheidung vor, berichtet Macworld.

„Apple hat das alles nicht richtig durchdacht“, äußerte sich Musikbranchen-Lobbyist Andy Heath gegenüber der Tageszeitung The Telegraph. „So darf Apple mit uns nicht Wochen vor dem Start umspringen. Kleinere Labels würde das komplett aus der Bahn werfen.“

Fehlen beim Start von Apple Music zu viele Indie-Titel, könnte das jedoch auch den Erfolg des neuen Streaming Dienstes beeinträchtigen. Das Portal Digital Music News schätzt, bis zu 70 Prozent der unabhängigen Künstler könnten am Ende fehlen, was dann viele Abonnenten davon abhalten würde, nach Ablauf der Testphase für den Service zu bezahlen.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung