Erfahrungsbericht: Warum Musikhören auf dem iPhone mit Spotify mehr Spaß macht als mit Apple Music

Johann Philipp 8

Der Ort schien perfekt: In der Brooklyn Academy of Music stellte Apple am Dienstag ein beeindruckendes iPad Pro und ein neues MacBook Air vor. Wir hatten allerdings so sehr gehofft, dass es auf dem Special-Event auch etwas Neues zum Streaming-Dienst Apple Music gibt. Ein Update für den Musikdienst wäre dringend nötig, wie unser Erfahrungsbericht zeigt.

Erfahrungsbericht: Warum Musikhören auf dem iPhone mit Spotify mehr Spaß macht als mit Apple Music
Bildquelle: GIGA.

Hey, Apple Music: Warum willst du mich nicht kennenlernen?

Immer nur dieselben Songs hören ist langweilig. Neue Musik entdecken geht mit Spotify oder Apple Music kinderleicht. So klingt es jedenfalls in der Theorie: Die Umsetzung und die Auswahl unterscheiden sich bei den Streaminganbietern meist extrem. Bei Spotify funktionieren die Vorschläge erstaunlich gut, bei Apple Music dauert das Kennenlernen viel länger.

Als Spotify 2012 in Deutschland gestartet ist, gehörte ich von Anfang an dazu. Nostalgie zu alten CDs und Covern kannte ich nicht. Der Zugang zu Millionen von Songs war mir wichtiger als Plastikhüllen im CD-Regal. Nun gehöre ich als Millennial aber auch zur Zielgruppe von Spotify. Der Streamingdienst führte nach kurzer Zeit eine Funktion ein, die ich seitdem liebe: „Release Radar“. Jede Woche werden neue Songs vorgeschlagen, die ich mögen könnte. Basierend auf meinen gehörten Songs und den Künstlern, die mir gefallen.

Viele neue Lieblingssongs habe ich dort gefunden. Jedes Mal freute ich mich über die neue Liste. Dann legte ich mir eine Apple Watch zu und wechselte daher zu Apple Music. Die Freude war dahin. Beim Konkurrenten fühlt es sich an wie bei Tinder: Am Anfang ist alles ganz nett und aufregend aber irgendwann nur noch nervig. Das ist mittlerweile über ein halbes Jahr her. Seitdem benutze ich beide Dienste parallel. Was mir bei Apple Music bis heute auffällt:

Es dauerte Monate, bis Apple meinen Musikgeschmack einigermaßen analysiert hatte. Auch heute noch bekomme ich Songs in den Vorschlägen, die so weit weg von meinem Musikgeschmack sind, dass es mich jedes Mal schüttelt. Letzte Woche landete ein Helene Fischer Song in der Liste, was mich endgültig an der Apple-Auswahl zweifeln ließ. It’s a match? Wohl kaum. Warum willst du mich nicht kennenlernen, Apple?

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Auch Spotify ist nicht perfekt. Welche Künstler und Songs fehlen, zeigen wir in der Bilderstrecke:

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12 Bilder
Die 11 größten Spotify-Lücken: Diese Alben und Künstler fehlen im Angebot.

Apple Music braucht viel Training

Was bei Spotify automatisch passiert, muss man bei Apple selbst übernehmen: Der Algorithmus im Hintergrund muss erst lernen, was mir gefällt. Bei Apple Music gibt es dafür eine Like-Funktion. Gefällt mir ein Song, kann ich ihn mit einem Herz markieren. Beim allerersten Start gibt man zudem seine Lieblingskünstler und Genres ein und füttert damit die Datenbank.

Trotzdem funkt es zwischen uns beiden nicht wirklich. Die Auswahl an Songs ist mittlerweile ganz okay, aber auch immer noch nicht auf dem Niveau des Konkurrenten. Ja, der Vergleich ist auch etwas ungerecht. Spotify habe ich seit Jahren benutzt, täglich musikgehört. Apple Music muss erst aufholen. Aber so geht es jedem neuen Kunden, der wechselt und die drei Monate kostenlose Testphase ausnutzt. Apple Music muss nach wenigen Tagen überzeugen, nicht erst nach dem 12. Date.

Das Video erklärt Apples Musikstreamingdienst:

Apple Watch Series 3 + Apple Music.

Sind es die selbst gesteckten hohen Datenschutz-Ziele, die es Apple verbieten, passende Songs zu finden? Die Privatsphäre steht für den iPhone-Konzern seit jeher weit oben. Die Erkennung des eigenen Musikgeschmacks könnte dadurch länger dauern. Dabei bin ich auch nicht der Einzige, der unzufrieden mit den Vorschlägen ist: Auf Reddit sind seitenweise Einträge von enttäuschten Nutzern zu lesen.

Gibt es eine Lösung? Es bleibt nur die konsequente Herzchenvergabe und darauf zu hoffen, dass der Algorithmus dadurch endlich checkt, was einem gefällt. Mehr kann man aktuell nicht tun. Oder eben doch wieder zu Spotify zurückkehren, die vielleicht auch bald auf der Apple Watch verfügbar sind. Die Chance den Streaming-Dienst zu verbessern, hat Apple ein weiteres Mal vertan. Welchen Dienst nutzt ihr und seid ihr zufrieden mit den Vorschlägen? Schreibt uns in die Kommentare.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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