Facebook ohne Facebook: Messenger jetzt weltweit ohne FB-Konto nutzbar

Frank Ritter 3

Warum sollte man den Facebook Messenger nutzen wollen, ohne einen Facebook-Account zu besitzen? Aus Datenschutzgründen? Um eine Alternative zu WhatsApp zu haben? Einfach, weil es geht? So absurd sich diese Gründe zunächst anhören mögen, so gibt es doch eine Zielgruppe dafür. Nach einer Testphase ist der Account-freie Facebook Messenger nun international verfügbar. Für Facebook eröffnet sich damit eine neue, gigantische Möglichkeit, Daten zu aggregieren.

Facebook ohne Facebook: Messenger jetzt weltweit ohne FB-Konto nutzbar
Bildquelle: Facebook.

Kurznachrichten tippen ohne Rücksicht auf Orthographie und Grammatik, Selfies, Emojis und Sticker versenden statt Emotionen zu verbalisieren, den Kopf nicht mehr heben und einen Handynacken bekommen – manch älteres Semester sieht im Zeitalter des mobilen Instant-Messagings bereits den Niedergang der Zivilisation gekommen. Dem lässt sich freilich entgegenhalten, dass bislang noch kein radikaler Wandel in der Geschichte – und die digitale Revolution ist zweifelsohne ein solcher – nicht vom Gemoser der Kulturpessimisten flankiert wurde.

Fakt ist: Instant-Messaging stellt eine nicht mehr wegzuargumentierende Kommunikationsrealität dar und ist in vielen Jugendzimmern dieses Planeten bereits wichtiger als Fernsehen, Videospiele, E-Mail oder klassische Telefonie. Der Markt für entsprechende Apps ist derweil immens, aber global hochunterschiedlich. Facebook hat spätestens seit der Akquise von WhatsApp allgemein einen guten Stand, in einigen Ländern, vor allem im asiatischen Raum, aber immer noch verschwindend geringe Marktanteile für seinen Messenger. Ein mutmaßliches Problem ist die Tatsache, dass der Facebook Messenger immer noch mit dem „Mutterschiff“ Facebook assoziiert wird, einem Netzwerk, dass für viele Jugendliche nicht mehr als cool gilt, seitdem die eigenen Eltern dort aktiv sind.

Vor diesem Hintergrund ist der Schritt Facebooks, seinen Messenger jetzt auch ohne Facebook-Account nutzbar zu machen, verständlicher. In einigen Ländern wie Australien, Indien, Indonesien, Venezuela und Südafrika wurde dieses Feature seit Dezember 2014 getestet – nun kann es weltweit genutzt werden. „Ohne Account“ ist freilich nicht gleichbedeutend mit „ohne Datensammelei“. Denn zum Login wird statt des Facebook-Accounts die Telefonnummer und der volle Name des Nutzers benötigt, schlicht damit der entsprechende Nutzer auch von anderen über deren Telefonbuch-Synchronisierung aufgefunden werden kann. Im Effekt bedeutet das, dass Facebook noch mehr validierte Daten auch über Nutzer erhält, die nicht am Social Network teilnehmen. Und natürlich wird die Schwelle für noch unentschlossene Nutzer herabgesenkt, sich einen Facebook-Account zu erstellen. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass Facebook seinen Messenger durch den Ausbau in eine Plattform, samt angeschlossenem App-Shop, noch attraktiver machen möchte.

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Einfacher Messenger-Einstieg = neue Daten für Facebook

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In einem Test funktionierte die Erstellung eines Facebook-losen Messenger-Accounts jedenfalls problemlos. Natürlich fordert Facebook dabei auch zum Adressbuch-Abgleich auf – das zu nutzen ist man praktisch gezwungen, da ansonsten die Kontaktliste leer bleibt.

Wie steht ihr zu Facebook im Allgemeinen? An diejenigen unter euch, die keinen Account verwenden: Seid ihr jetzt in Versuchung, den Facebook Messenger zu verwenden? Stimmungsbilder bitte in die Kommentare.

Messenger
Entwickler: Facebook
Preis: Kostenlos

Quelle: David Marcus @Facebook; via futurezone

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