Das Spiel Flappy Bird ist ein Phänomen: Urplötzlich verbreitete sich der Titel „viral“ und machte seinen Entwickler reich - bis sich dieser entschied, das Spiel vom Netz zu nehmen. In einem Interview äußert er sich zu den Beweggründen.

 

Flappy Bird

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Das Magazin Rolling Stone hat Dong Nguyen, den geistigen Vater hinter Flappy Bird, in seiner Heimat in Vietnam besucht. Der 28-Jährige war vor seinem Ruhm durch Flappy Bird ein einfacher Programmierer, der sein Geld mit Software-Entwicklung für GPS-Geräte für Taxis verdiente.

Dann erschuf er ein sehr simples, aber für viele süchtig-machende Spiel, das monatelang niemanden interessierte, sich dann plötzlich viral verbreitete und Nguyen Werbeeinnahmen in Höhe von 50.000 US-Dollar bescherte - am Tag. Vom Entwickler selbst war auch während des Hypes wenig zu hören, bis er sich Anfang des Jahres plötzlich per Twitter zu Wort meldete: Er halte die Aufregung um sein Spiel einfach nicht mehr aus, weswegen er es aus dem App Store und bei Google Play entfernen werde.

Die meisten Beobachter konnten nicht nachvollziehen, warum jemand auf zusätzliche Werbeeinnahmen in dieser Größenordnung verzichten würde und spekulierten über mögliche andere Gründe. Im Rolling-Stone-Interview führt Nguyen seine Begründung nun aber weiter aus: Vor Flappy Bird sei er ein Unbekannter gewesen, dann habe er sein Gesicht plötzlich im Fernsehen und in Zeitungen gesehen. Lokale Paparazzi lauerten ihm und seinen Eltern auf; letztere hätten erst durch die Medien erfahren, dass ihr Sohn ein Bestseller-Spiel entwickelt habe.

Außerdem habe er zahlreiche Beschwerde-E-Mails über den Suchtfaktor seines Spiels bekommen: Kinder hätten aus Frustration Smartphones zerstört, spielten das Spiel aber dennoch unaufhörlich weiter, Arbeitnehmer hätten ihre Jobs verloren, eine Mutter spreche aufgrund des Wahns nicht mehr mit ihren Kindern. Zuerst habe er diese Mails für Scherze gehalten, dann aber erkannt, dass Menschen sich mit dem Spiel schadeten.

Er selbst habe einst durch Counter-Strike Probleme in der Schule bekommen, konnte sich also gut in die Situation der „Süchtigen“ hineinversetzen. Aufgrund dieser Faktoren habe er sich dann entschieden, das Spiel vom Netz zu nehmen - wobei diese Entscheidung nicht bedeutet, dass Nguyen kein Geld mehr mit Flappy Birds verdient; die Werbeeinnahmen sprudeln dank der Spieler, die den Titel weiterhin installiert haben und weiterhin spielen, immer noch.

Nguyen hat dank dieser zusätzlichen Einnahmen seinen bisherigen Job gekündigt und möchte sich nun einen Mini sowie eine neue Wohnung gönnen. Nebenbei möchte er weiterhin Spiele entwickeln. Er schließt übrigens nicht aus, dass Flappy Bird eines Tages in die App Stores zurückkehren wird - dann werde das Spiel aber eine regelmäßig eingeblendete Warnung enthalten: „Lege bitte eine Pause ein.“