MADA-Bestimmungen: Neue Android-Geräte mit 20 Google-Apps, Sprachassistenten wie S Voice eingeschränkt

Frank Ritter 17

Hinter verschlossenen Türen diktiert Google den Geräteherstellern einige Rahmenvorgaben, wie das Android auf Tablets und Smartphones auszusehen und zu funktionieren hat – nur wenn die Hersteller zustimmen, dürfen sie ein Android-Gerät bauen, das mit den für viele Nutzer wichtigen Google-Apps ausgestattet ist. Nun sind ein paar neue, interessante Details zu Googles Anforderungen in dieser Rahmenvereinbarung namens MADA durchgesickert.

MADA-Bestimmungen: Neue Android-Geräte mit 20 Google-Apps, Sprachassistenten wie S Voice eingeschränkt

Vorweg zur Erklärung: Android ist ein quelloffenes Betriebssystem, das von jedermann für eigene Geräte nach Belieben verwendet und modifiziert werden kann. Will ein OEM, also ein Gerätehersteller wie Samsung, LG, Sony oder HTC, jedoch Android mit den Google-Diensten – vom Play Store über Gmail und Google Maps bis hin zu den Google Play Services – bündeln, muss er den umfangreichen Regularien seitens Google zustimmen, dem so genannten MADA (Mobile Application Distribution Agreement). Was genau in der Vereinbarung zwischen den OEMs und Google steht, ist nicht öffentlich, allerdings dringen gelegentlich Details nach außen. So wie in diesem Fall.

Laut neuester Information soll Google in der neuesten Version des MADA für 2014 die Schrauben gehörig angezogen haben. Zweck: ein konsistenteres Benutzererlebnis für Android-Geräte zu ermöglichen. Oder aus Sicht der Hersteller und damit negativ formuliert: um den Wildwuchs an Software-Anpassungen weiter einzudämmen und die Google-Apps gegenüber den Hersteller-Pendants in den Vordergrund zu rücken.

Eine der neuen Anforderungen ist auf vielen aktuellen Geräten bereits zum Teil umgesetzt: So sollen insgesamt 20 Google-App vorinstalliert werden (zuvor waren es lediglich sieben) und über einen Ordner mit dem Label „Google“ auf dem primären Homescreen erreichbar sein, auf dem auch die Google-Suchleiste platziert wird. Zumindest diesen Ordner haben wir schon auf einigen Geräten gesehen.

Des Weiteren muss die Sprachsuche zwingend über das Hotword „OK Google“ sowie über den Home-Buttons (Langdruck bzw. Wischbewegung nach oben) aktiviert werden können. Außerdem soll die Google-App als Standard-Anwendung für die Sprachsteuerung und Sprachsuche zum Einsatz kommen – ein empfindlicher Schlag für Anbieter, die mit konkurrierenden Apps wie S Voice (Samsung), Voice Mate (LG) ebenfalls Sprachassistenten auf ihren Geräten etablieren wollten – die uns in zahlreichen Testberichten aber nie überzeugen konnten.

Des Weiteren sind Hersteller nun angewiesen, die Standard WebView-Komponente zu verwenden, die mittlerweile auf Chromium fußt. Das bedeutet, dass App-Entwickler, die in ihren Apps Webinhalte einbinden, sich auf bestimmte Browsermerkmale und -Fähigkeiten stärker verlassen können. Überdies wird noch einmal der „powered by Android“-Schriftzug genannt, den neuere Geräte beim Booten mittlerweile anzeigen müssen.

Powered-by-Android

Bild: Bereits im März waren Dokumente geleakt, die die Anforderungen von Google hinsichtlich des „powered by Android“-Schriftzuges auf dem Bootscreen belegten

Wie The Information außerdem verlauten lässt, gibt es mit den einzelnen Herstellern, aber auch mit den (in den USA traditionell mächtigen) Mobilfunkanbietern separate Vereinbarungen im Rahmen des MADA, was die installierte Software, die Umsatzbeteiligung an den Erlösen aus Play Store-Verkäufen und der Google-Suche angeht.

Auch wenn bei den Herstellern ein wenig gemurrt werden dürfte – allzu drakonisch sind die Anforderungen Googles nicht. Insbesondere wenn man sie mit den Daumenschrauben vergleicht, die Apple seinem Ökosystem anlegt. Es geht Google sichtbar um Konsistenz und die Stärkung der Marke Android, nicht darum, seine Hardware-Partner zu vergraulen. Dass erst die starke Position von Google auf dem Smartphone-Markt – an Android führt für die OEMs kaum ein Weg vorbei, solange iOS nicht lizenzierbar ist und Windows Phones wie Blei in den Regalen liegen – und die damit einhergehende Machtposition diese strengeren Richtlinien ermöglicht, darf allerdings nicht verschwiegen werden.

Wie beurteilt ihr die Maßnahmen von Google? Sind sie notwendig oder Allüren eines Quasi-Monopolisten? Wird Google mit 20 vorinstallierten Apps auch langsam zum Bloatware-Lieferanten? Was haltet ihr davon, wie S Voice und andere Assistenten

Quelle: The Information (Paywall) [via Android Police, droid-life]

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* gesponsorter Link