Google Hangouts: Messenger ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – nicht abhörsicher

Tuan Le 9

Google gerät immer wieder in die Kritik von Datenschützern und das mitunter auch zurecht. Wie sich nun herausstellt, bietet der Hangouts Messenger des Unternehmens keine sichere Verschlüsselung, um Dritte aus Konversationen auszuschließen. Zwar werden die Daten während der Übertragung zwischen den beiden Gesprächspartnern sicher verschlüsselt, theoretisch könnte Google aber die Nachrichten einsehen, wie man nun sogar offen zugab, denn es gibt keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Google Hangouts: Messenger ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – nicht abhörsicher

Eigentlich gilt WhatsApp unter den modernen Messaging-Plattformen bei kritischen Nutzern als eine wandelnde Sicherheitslücke, doch in einer Hinsicht scheint die App dem Hangouts-Messenger von Google überlegen. Wie sich im Zuge eines Reddit-AMA, einer öffentlichen Fragerunde im Internet, mit den Sicherheitschefs Richard Salgado und David Lieber herausstellte, kommt bei Googles Dienst nämlich keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz. Bei der Android-Version von WhatsApp ist dies dagegen seit November letzten Jahres fester Bestandteil. Bislang hielt sich Google diesbezüglich sehr bedeckt; zwar sprach man stets von der Verschlüsselung der Daten bei der Übertragung an die hauseigenen Server. Eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung liegt allerdings nur dann vor, wenn auch der Dienstleister selbst keine Möglichkeiten besitzt, bei der Übertragung die eingehenden Nachrichten einzusehen.

Auf Anfrage des Vice-Magazins erläuterte ein Sprecher von Google, dass es technisch betrachtet die Möglichkeit für Google gibt, nach Aufforderung eines Gerichts Nachrichten von Nutzern zugänglich zu machen. Tatsächlich geschah dies bei Google im Jahre 2013 19 Mal, in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres gab es sieben Mal eine Anordnung zur Beschattung bestimmter Personen. Allerdings handelt es sich hierbei um die letzten öffentlich zugänglichen Informationen und es ist nicht klar, wie häufig Hangouts betroffen gewesen ist. Für die meisten Nutzer dürfte derzeit noch keine akute Gefahr vorliegen, von Google über Hangouts belauscht zu werden: Ganz sicher fährt man aber mit Messaging-Diensten, die eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung besitzen. Ob Google selbst eine solche für Hangouts einführen wird, bleibt dagegen abzuwarten. Bei der Konkurrenz von Apple wird sowohl bei iMessage als auch Facetime eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angeboten, was eigentlich ein weiterer Anreiz für Google sein sollte, nachzuziehen. Man arbeitet bei Google übrigens schon seit geraumer Zeit an Methoden, Kommunikation zu verschlüsseln – zumindest für Gmail hatte man im letzten Jahr die Möglichkeit der Verschlüsselung per Chrome-Plugin angekündigt.

Quelle: Vice, Reddit via 9to5 Google

Weitere Themen

* gesponsorter Link