Gmail: Bilder in E-Mails werden künftig standardmäßig angezeigt

Frank Ritter

Gmail zeigte bislang standardmäßig keine eingebetteten Bilder in E-Mails an, außer wenn man den entsprechenden Absender explizit zulässt. Google hat nun angekündigt, das zu ändern: Künftig werden Bilder in Gmail-E-Mails grundsätzlich angezeigt – sowohl in Apps als auch im Browser. Und das angeblich, ohne dass darunter der Datenschutz leidet.

Gmail: Bilder in E-Mails werden künftig standardmäßig angezeigt

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Gmail zeigt Bilder jetzt immer an (Animation: Google)

Endlich nicht mehr auf „Bilder anzeigen“ klicken! Möglich macht diese Änderung eine Technik namens Image Proxying, wie Google aktuell im Gmail Blog erläutert. Das bedeutet, dass eingebettete Bilder nicht mehr über den Server abgerufen werden, der im E-Mail-Quelltext angegeben ist, sondern auf Google-Servern zwischengespeichert und von diesen abgerufen werden. Das hat gleich mehrere Vorteile:

  • Sicherheit. Speziell präparierte Bilddateien waren in der Vergangenheit immer wieder Einfallstor für Exploits von Sicherheitslücken. Google überprüft die Bilddateien nun auf Malware und liefert im Zweifel „bereinigte“ Bilder aus. Auch werden Bilddateien nun konsequent über verschlüsselte Verbindungen übertragen.
  • Geschwindigkeit: Dateien, die nur von einem Server statt von unterschiedlichen Hosts heruntergeladen werden, laden schneller. Außerdem wird Google früher oder später seine WebP-Kompression aktivieren, um Bilddateien bei gleichbleibender Qualität massiv zu schrumpfen – so, wie es jetzt schon bei Google+ und dem Play Store der Fall ist.

Kritisch kann man an dem Sachverhalt gewiss sehen, dass Google nun tatsächlich nicht mehr nur Lesezugriff auf private E-Mails hat, sondern die E-Mails tatsächlich modifiziert. Ob dies stets reibungslos funktioniert - insbesondere bei einem aufgrund der Existenz dutzender verbreiteter Clients so von abstrusem HTML-Code abhängigen Medium wie Rich-E-Mails – ist ungewiss, wir rechnen mit gelegentlichen Anzeigefehlern. Auch bleibt noch unklar, ob und in welchem Maß der Datenverbrauch in der Gmail-App steigt, wenn Bilder nicht mehr, wie zuvor „on Demand“, sondern grundsätzlich abgerufen werden.

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In der Gmail-Weboberfläche waren Bilder im Test bereits durchgehend sichtbar und wurden von Google-Proxies ausgeliefert (Bild), in der Android-App war das noch nicht der Fall

Wer den alten Modus lieber mochte, kann ihn aber immerhin in den Gmail-Einstellungen im Browser wiederherstellen. Dort in den Einstellungen ⇒ Allgemein unter Bilder den Punkt Vor dem Anzeigen externer Bilder fragen aktivieren.

Newsletter-Versender und E-Mail-Marketer waren nach dieser Ankündigung Googles zunächst nervös, da E-Mail-Kampagnen s kaum noch messbar schienen, wenn Bilder über Proxies ausgeliefert werden – denn diese setzen zum Tracking auf so genannte Zählpixel, also in die Mail eingebettete Grafiken, die beim Abruf vom Server eine Öffnung der E-Mail melden. Eine anonyme Google-Sprecherin gab gegenüber TechCrunch jedoch an, dass das nicht korrekt sei. Zwar sei es künftig nicht mehr möglich, erweiterte Informationen des Nutzers wie etwa dessen IP-Adresse zu tracken, die Öffnung der E-Mail an sich werde aber trotzdem gezählt. Die Zählung sei nun im Gegenteil sogar akkurater – da künftig Fälle nahezu wegfielen, in denen Nutzer eine Mail zwar gelesen habe, was aber aufgrund eines blockierten Zählpixel-Bildes nicht gezählt wurde.

Wie gefällt euch die Tatsache, das Gmail eure E-Mails „umbiegt“, um Bilder zuverlässiger und sicherer auszuliefern? Sinnvoll, frech oder notwendiges Übel? Meinungen in die Kommentare.

Quellen: Gmail Blog, TechCrunch

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