Leben am Dreifach-Limit: Warum Google nicht will, dass ich Play Musik nutze

Frank Ritter 25

Google will nicht, dass ich den hauseigenen Musikstreaming-Dienst Play Musik nutze. Grund: Ich bin ein Poweruser. Eine Leidensgeschichte.

Ich würde Google Play Musik wirklich gerne nutzen – aber Google lässt mich nicht.

Ich liebe Google Play Musik, aber ehrlich gesagt hasse ich es auch. Warum? Lasst mich kurz ausholen. Eigentlich bin ich ein Play-Musik-Nutzer der ersten Stunde. Ich habe den Dienst mit Begeisterung verwendet, als er noch Google Music hieß, das Beta-Logo trug und in Deutschland offiziell nicht nutzbar war.

Denn das Angebot war von Anfang an überzeugend: Neben dem später lancierten gigantischen Musikarchiv per Streaming kann ich sämtliche Musik, die der Dienst nicht im Portfolio hat, einfach selbst hochladen und nach eigenem Gusto genießen.

Seit vielen Jahren pflege ich meine Musik in iTunes ein. Auch wenn die Synchronisierung mit Google Play Musik nicht ohne Fallstricke ist, habe ich mittlerweile das Musik-Archiv meiner Träume in die Cloud hochgeladen und könnte theoretisch alle Musik und Hörbücher, die ich jemals hören wollte, immer dabei haben und auf Wunsch abrufen.

Limit 1: Geräteanzahl

Wie gesagt: theoretisch. In der Praxis kann ich Google Play Musik auf dem Smartphone schlicht nicht mehr nutzen – weder in der alten, noch in der runderneuerten Version 7.0. Das Problem besteht schon seit rund zwei Jahren: Da ich von Berufs wegen mit mehreren PCs arbeite und ständig neue Smartphones teste, komme ich regelmäßig an das für Google Play Musik festgesetzte Limit von 10 Geräten, die gleichzeitig mit einem Google-Account aktiviert werden können. Davon dürfen nur 5 Smartphones sein. Google zählt für dieses Limit wohlgemerkt nicht tatsächliche Geräte. Auch jede Betriebssystem-Neuinstallation, -Neueinrichtung und jedes geflashte Custom-ROM gilt als eigenes Gerät.

An sich ist dieses erste Limit einigermaßen nachvollziehbar. Google möchte vermeiden, dass zu viele Leute gleichzeitig die Musikbibliothek eines Google-Play-Accounts nutzen. Nur stößt auch ein einzelner Poweruser wie ich mal an dieses 10-Geräte-Limit.

Limit 2: Deaktivierungen

Aus diesem Grund existiert die Möglichkeit, alte Geräte aus der Liste zu löschen. Aber, und hier liegt der Hase im Pfeffer, auch diese Deaktivierungen sind begrenzt – auf läppische drei Geräte im Jahr. Da ich aber weit mehr als drei neue Geräte im Jahr aktiviere und/oder einrichte, ist auch dieses zweite Limit bei mir regelmäßig erreicht. Das mag ein spezielles Problem meiner Berufsgruppe sein, aber ich vermute, dass es auch anderen Technik-Enthusiasten so geht.

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Aktuell kann ich Google Play Musik nur noch im Desktop-Browser verwenden. Auf meinen aktuell verwendeten Smartphones wird mir die lapidare Meldung angezeigt, dass ich zu viele Geräte aktiviert habe; beim Versuch alte Geräte zu deaktivieren, erhalte ich die Meldung, dass ich zu viele Geräte deaktiviert habe. Und ja – das macht mich wahnsinnig.

Limit 3: Kontozurücksetzungen

Vor rund anderthalb Jahren, als ich schon einmal in dieser Situation war, war ich einem im Netz kursierenden „Hack“ gefolgt und hatte bei der Hotline von Google Play angerufen. Nach einigem Hin und Her bekam ich einen „Gnaden-Reset“: Der Kundenservice, der meine Anfrage aufnahm, veranlasste, dass meine komplette Geräteliste zurückgesetzt wird. Etwas mehr als ein Jahr kam ich mit diesen 10 plus 3 Geräten aus. Als ich unlängst ein neues Smartphone-Testgerät aktivierte, waren die aber voll. Ich meldete mich per Chat beim Kundendienst um einen neuerlichen Reset zu veranlassen – mit dem Ergebnis, dass das nur einmal möglich war und nicht erneut durchgeführt werden könnte.

Eine Anfrage bei der Pressestelle bei Google blieb unbeantwortet. Und so sitze ich jetzt auf dem Trockenen. Na klar könnte ich abwarten und regelmäßig versuchen, in meinem Google-Play-Musik-Account alte Geräte zu deaktivieren. Nur bin ich es auch langsam leid.

Was mich daran ärgert, sind im Wesentlichen zwei Dinge: Google Play Musik ist ein genialer Dienst, aber die Einschränkung von 10 gleichzeitig aktiven und 3 pro Jahr deaktivierbaren Geräten sind am Nutzer vorbeigedacht. Gerade Poweruser als mögliche „Multiplikatoren“ leiden unter diesen Einschränkungen und das kann eigentlich nicht im Sinne von Google sein. Dabei wäre es ganz einfach, wenn Google schlicht das Restriktionsmodell von Spotify übernehmen würde: Aktiviert werden können so viele Geräte, wie man will, aber abgespielt werden darf die Musik nur auf einem zur selben Zeit. Oder wenn Google automatisch Geräte aus der Liste schmeißen würde, die länger als 6 Monate nicht mehr verwendet wurden. Möglichkeiten, dieser Frustration zu begegnen, gibt es genug. Wie schon gesagt: Ich will Google Play Musik nutzen – aber es geht nicht, weil ich es genutzt habe.

Das andere ist die Intransparenz dieser drei Limits. Aktiviert wird jedes Android-Gerät automatisch, das ich mit meinem Google Account einrichte, selbst wenn ich Play Musik darauf gar nicht nutzen möchte. Dass ich bereits drei Geräte in 12 Monaten deaktiviert habe, wird mir erst mitgeteilt, wenn es soweit ist. Und: Ich erfahre nicht einmal, wann ich das nächste Gerät deaktivieren darf.

Ich bleibe jetzt erst einmal bei Spotify. Da fehlen mir zwar ein paar Alben, aber wenigstens kann ich hier überhaupt Musik hören. Und wer weiß – vielleicht ist ja Amazons neues Musikangebot ein bisschen besser durchdacht als das von Google.

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