„Everything in its right place“, auf deutsch „Alles an seinem richtigen Platz“ – mit diesem Radiohead-Zitat verkündet Bradly Horowitz, verantwortlich für Google+, nicht weniger als das Ende des sozialen Netzwerks in seiner bisherigen Form. 2011 gestartet, sollte Google+ das „soziale Rückgrat“ des Suchmaschinenkonzerns werden. Knapp vier Jahre später gilt diese Parole offenbar nicht mehr: In Zukunft soll es keine Zwangsmitgliedschaft bei Google+ mehr geben, sondern sich alle Google-Dienste auch auch ohne Konto bei Google+ nutzen lassen. Den Anfang macht YouTube

 

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Es ist ein Abschied auf Raten, den Google seit einiger Zeit mit seinem einst so hoffnungsvoll gestarteten sozialen Netzwerk vollzieht. Nachdem Anfang des Jahres bereits die Fotofunktion herausgetrennt wurde und als eigenständiger Service in Google Fotos aufging, folgt jetzt der bislang radikalste Schritt zur Trennung: Google beendet die Zwangsmitgliedschaft bei Google+, die seit 2012 mit der Erstellung eines Google-Kontos einherging. Zukünftig werden sich somit alle Google-Dienste wieder ohne Konto bei Google+ nutzen lassen. Insbesondere als Google ein Google+-Konto für die Nutzung von YouTube-Kommentaren obligatorisch machte, ging damit ein Sturm der Entrüstung einher.

„Die Nutzer haben uns mitgeteilt, dass ihnen der Zugang zu all unseren Angeboten mit nur einem Account das Leben deutlich vereinfacht“, so Googles VP of Streams, Photos und Sharing Bradley Horowitz im Firmenblog des Internetgiganten. „Wir hörten aber auch, dass es für viele Nutzer keinen Sinn ergebe, ihr Profil auf Google+ für alle anderen Google-Dienste zu nutzen“. Daher werde in den kommenden Monaten die Verknüpfung zwischen Google-Account und Google+ aufgehoben und User könnten ihre Google-Dienste wieder ohne zwingende Mitgliedschaft beim Social Network nutzen.

Den Anfang wird YouTube machen, wo es in Zukunft wieder ohne Google+ möglich sein wird, Videos hochzuladen und zu kommentieren. Da Google erst vor zwei Jahren die YouTube-Kommentare mit Google+ zwangsvereinigt hat, zum Leidwesen vieler Nutzer wohlgemerkt, entbehrt dieses Rückrudern nicht einer gewisse Ironie. Ferner sollen zukünftig die Kommentare auch lediglich auf YouTube zu sehen sein – aktuell ist es noch so, dass Kommentare auf YouTube per Standardeinstellung auch gleichzeitig auf Google+ gepostet werden. Die neue Einstellung funktioniert im Übrigen auch umgekehrt, sprich: Kommentare, die auf Google+ zu YouTube-Videos abgegeben werden, sind in Zukunft auch nur noch dort zu sehen.

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YouTube ohne Google+ erst in einigen Wochen

Wer mit dem jetzigen System zufrieden ist und kein Problem damit hat, dass sein Google-Account mit dem Google+Konto verbunden ist, der braucht laut YouTube keinen Finger zu rühren. Wer jedoch seinen Google+-Account löschen möchte, der sollte noch einige Wochen warten, bis die Änderungen aktiv sind. Andernfalls, so YouTube, könnte möglicherweise das YouTube-Konto versehentlich gelöscht werden. Im Gegensatz zum öffentlichen Profil auf Google+, wird das darunterliegende Google-Konto nicht von Suchmaschinen auffindbar sein. Auch möchte Google seinen Nutzern in den kommenden Monaten weitere Möglichkeiten bieten, um verschiedene Konten zu managen und öffentliche Profile bei Bedarf zu löschen.

youtube-logo

Zurück zu Google+, das laut Horowitz in Zukunft „fokussierter“ und „nützlicher“ sein soll. Dazu gehören etwa auch die neuen Google+ Collections und die Entfernung von allem, was nicht direkt mit dem Teilen von Sammeln von interessanten Inhalten zutun hat. Als Beispiel wird hier das Location Sharing genannt, das in Zukunft bei Hangouts einziehen soll. Wir hoffen in diesem Zusammenhang, dass Google diese Funktion auch wieder in Maps integriert, sodass man ein Pendant zum von uns immer noch schmerzlich vermissten Dienst Latitude erhält. Die genannten Änderungen sollen stufenweise in den nächsten Monaten ausgerollt werden und alle Nutzer gleichermaßen zufrieden stellen – jene, die täglich auf Google+ sind und auch die, die das Soziale Netzwerk überhaupt nicht nutzen.

Quelle: Google Blog, YouTube Blog

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Kaan Gürayer
Kaan Gürayer, GIGA-Experte für Smartphones, Tablets und Smartwatches.

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