GIGA GAMES bespricht: Spielen wir in 5 Jahren alle über Google Stadia?

Marina Hänsel 10

Spielen wir in fünf Jahren alle über Google Stadia? Google hätte sicher nichts dagegen. Allerdings gibt es da so einige kleine, größere und wirklich große Probleme, die Stadia hierzulande zusetzen könnten. Welche das sind und ob wir trotzdem alle bald Stadianer sein werden, besprechen wir in unserer heimeligen Redaktionsrunde. Mit Tee und Keksen.

Mein lieber Freund Google, warum eigentlich hast du deinen Streaming-Service Stadia genannt? „Stadia“ heißt natürlich so viel wie Stadion, weswegen ich stets an ein Fußballstadion denken muss, sobald ich den Namen lese. Wenn ich ihn aussprechen, denke ich dagegen an Pokémon Stadium, weswegen ich dann zuweilen liebevoll „Google Stadium“ flüstere. Selbst das Logo erinnert an einen Sportsender im Fernsehen! Oder? Oder?!

Google Stadia ist … ? Wenn du den Satz nicht vervollständigen kannst, solltest du kurz in diesen Artikel schauen:

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Nun, wie auch immer. Wir haben uns alle hier versammelt, um uns einer sehr viel wichtigeren Frage zu stellen: Spielen wir in fünf Jahren alle über Google Stadia? Oder anders und weniger direkt gefragt: Ist Google Stadia wirklich jener Streaming-Service, der schlussendlich die Weltmacht an sich reißen und alle anderen Gaming-Plattformen übertrumpfen wird? GIGA GAMES und spieletipps haben sich in einem Stuhlkreis zusammengesetzt, ihre Kekse in Pfefferminztee getränkt und – losdiskutiert.

Marina Hänsel (GIGA GAMES): Werden wir in fünf Jahren alle über Google Stadia spielen? Vielleicht – aber sicher nicht hier in Deutschland, solange nicht die Bedingungen für eine flächendeckende, starke Breitbandverbindung gegeben sind. Genau das ist auch das Grundproblem des Streamings: Gutes Internet, immer und überall. Was bringt es dir, auf dem Handy God of War spielen zu können, wenn die Verbindung alle 10 Sekunden in der U-Bahn abbricht?

Sollte 5G jedoch Wirklichkeit werden, und das ist sicherlich nur eine Frage Zeit, wird Videospiele-Streaming kommen. Was sollte dagegen sprechen? Wir haben es bei Netflix gesehen, und natürlich wird genau das auch der Weg der Videospieleindustrie sein. Im Moment bin ich aber erst einmal gespannt auf jene kleineren Features, die Google Stadia begleiten: State Share und ein Button, mit dem du direkt Guides und Lösungen zum Spiel aufrufen kannst. Wenn du mich fragst: Bevor Streaming die Welt übernimmt, werden diese Features erst einmal von anderen Spiele-Plattformen übernommen werden.

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Micky Auer (spieletipps): Stream in 4K und 60 FPS? In Deutschland? ICH LACH MICH TOT!!!

Alexander Gehlsdorf (GIGA GAMES): Google Stadia ist eine tolle Vision – aber in der aktuellen Form eben auch nur das. Unter Idealbedingungen hat es tatsächlich das Potential, das Gaming der Zukunft zu gestalten, von der Praxis ist dieser Plan jedoch noch weit entfernt. Eine stabile Internetverbindung von mehr als 25mbps ist selbst in den USA noch die Ausnahme, ganz zu Schweigen von Deutschland. Als Activision Blizzard im vergangenen Jahr Diablo: Immortal vorstellte, hatte ich die gleichen Bedenken: Niemand hat etwas gegen die Vorstellung, Diablo auch unterwegs und zu jeder Zeit zu spielen. Die Frage ist nur, wer auch das richtige Smartphone und die perfekte Verbindung besitzt, um diese Erfahrung tatsächlich zu ermöglichen.

Es scheint, als würde Google Stadia in einem Elfenbeinturm entwickelt, an der Realität der Spieler vorbei. Die Idee hinter Google Stadia unterstütze ich dennoch voll und ganz! Ich fürchte jedoch, dass noch Jahre vergehen werden, bis auch die Mehrheit der Spieler die Früchte dieser Idee ernten kann.

Steve Bülow (Video-Dschinni): Google Stadia ist meiner Meinung nach tatsächlich die Zukunft des Gamings: In der Theorie müssen die Entwickler ihre Spiele dadurch nicht mehr auf x-verschiedene Plattformen optimieren, sondern auf eine. Das sorgt für technische und grafische Chancen. Das Problem wird nach wie vor die Internetverbindung und Latenz bleiben – hat man nicht die notwendige Geschwindigkeit, werden viele Spiele quasi unmöglich zu genießen; insbesondere kompetitive Spiele gegen andere. Sobald 5G eines Jahres mal in Deutschland vorhanden ist, halte ich das aber für eine wirklich großartige Sache. Andere Länder werden uns da sicher recht schnell weit voraus sein.

Matthias Kreienbrink (spieletipps): Für mich ist Stadia so lange überhaupt nicht interessant, bis Spiele für die Plattform angekündigt werden, die nicht für jede andere Plattform auch erscheinen.

Steve Bülow (Video-Genie) an Matthias: Das wäre dann genau meine Hoffnung: Es braucht keine Plattformen wie den PC, die PS4 oder die Xbox mehr. Sondern nur ein Empfangs- & ein Eingabegerät. Dann fallen endlich die Exklusiv-Spiele weg und man kann überall mit allen (!) Titeln Spaß haben. God of War am PC? Cool. StarCraft am TV? Auch cool!

Matthias Kreienbrink (spieletipps): Sach‘ mal Nintendo, dass sie Mario zukünftig für Stadia herausbringen sollen.

Micky Auer (spieletipps): Ist nicht ganz so abwegig. Frühjahr 2010 gab es ein klares Nein zur Veröffentlichung von Nintendo-Marken auf Smartphones. Mittlerweile ist Mario Kart Tour angekündigt; Pokémon GO ist jetzt auch nicht so der kleinste Schritt gewesen. Mittlerweile ist Nintendo der Idee, Spiele für andere Plattformen zu veröffentlichen, nicht mehr gänzlich abgeneigt. Solange die eigene Hardware natürlich zugkräftig ist, wird das nicht in großem Rahmen geschehen.

Welche Nintendo-Spiele du gerne via Google Stadia spielen würdest, kannst du dir in diesem Artikel aussuchen.

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Marco Tito Aronica (spieletipps): Ich fände das Projekt interessant, wenn ich ein Spiel wirklich auf allen Geräten in guter Qualität spielen könnte. Beispiel: Ich fange zuhause auf der Couch mit einem Spiel an, nehme ein Handy für die lange Busfahrt mit und spiele genau da weiter, wo ich aufgehört habe. Anschließend im Flugzeug klappe ich den Laptop auf und lade den Spielstand erneut. Klar, ich könnte auch einfach eine Switch mitnehmen, so wäre ich aber nicht an ein einzelnes Gerät gebunden. Und ja, was Micky sagt. In meinem Heimatdorf gibt es max. DSL 2000. Sollten Googles Lösungen dafür funktionieren, bin ich dabei.

Kamila Zych (GIGA GAMES): Ich sehe die Herausforderung von Google Stadia unter anderem auch in der Bequemlichkeit der Spieler. Es gibt einige Spieler, die es lieben, sich nach Feierabend zum Zocken an ihren PC zu setzen, andere wiederum bevorzugen es gemütlich auf der Couch mit dem Controller oder auf dem Handheld zu spielen. Ich bin mir nicht sicher, ob es genügend Gamer gibt, die die vielfältigen Spielmöglichkeiten, die Stadia eröffnet, wirklich zu schätzen wissen werden. Wir sind schließlich alle Gewohnheitstiere und mögen es, wenn alles beim Alten bleibt – wahrscheinlich auch in Bezug auf unser Gaming-Setup.

Das war’s:  Und ja, wir mögen es viel zu sehr, wenn alles beim Alten bleibt, Kamila. Nach diesem schönen Schlusswort möchte ich gern auch dich, lieber Leser, auf einen Keks und einen Tee einladen – mit der Frage: Wo wird es mit Google Stadia deiner Meinung nach hingehen? Auf der Friedhof der Kuschel-Streaming-Dienste, die es versucht haben, aber gescheitert sind? Oder in eine neue Zukunft, in der wir alle nur noch Google Stadia benutzen?

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