Für Aufsehen sorgte vor wenigen Tagen die Meldung, dass Microsoft ohne Gerichtsbeschluss Hotmail-Mails eines Bloggers gelesen hatte, um ein Daten-Leck im eigenen Unternehmen zu finden. Theoretisch kann so etwas aber auch Kunden anderer Mail-Anbieter passieren - auch Apple behält sich das Recht vor, iCloud-Mails mitzulesen.

Letzte Woche nahm die Polizei in Seattle den früheren Microsoft-Mitarbeiter Alex Kibkalo fest. Kibkalo hatte in den Jahren 2005 bis 2012 für das Unternehmen in Redmond gearbeitet und in dieser Zeit geheimen Code einer frühen Version von Windows 8 an einen Blogger weitergegeben. Der Blog konnte daraufhin Screenshots des neuen Betriebssystems veröffentlichen; Kibkalo soll den Blogger sogar aufgefordert haben, den Code selbst zu veröffentlichen.

Das Vorgehen ist natürlich illegal, so dass die strafrechtlichen Konsequenzen für Kibkalo selbst nicht sonderlich überraschend sind. Interessant ist aber, wie Microsoft feststellen konnte, wer sich im Unternehmen nicht an seine Verschwiegenheitspflicht gehalten hatte: Microsoft griff einfach auf das Hotmail-Konto des Bloggers zu und las dessen E-Mails und Chat-Protokolle. Dafür brauchte das Unternehmen keinen Gerichtsbeschluss; das Recht, E-Mails in bestimmten Fällen zu lesen, behält sich Microsoft in der Vereinbarung mit Hotmail-Kunden einfach vor.

Dafür musste sich das Unternehmen in den letzten Tagen recht viel Kritik anhören. Allerdings müssen auch Benutzer anderer Mail-Anbieter damit rechnen, dass dieser gegebenenfalls Mails „mitliest“: The Guardian verweist darauf, dass es entsprechende Passagen auch in den Nutzungsbestimmungen von Yahoo und Google sowie von Apples iCloud gibt.

In den iCloud-Bestimmungen steht, dass Apple sich das Recht vorbehält, die E-Mails des Benutzers in folgenden Fällen auszulesen: Entweder, wenn Apple dies aus rechtlichen Gründen muss, wenn also eine Anfrage durch Behörden beziehungsweise ein Gerichtsbeschluss vorliegt. Darüber hinaus aber auch in den Fällen, in denen Apple glaubt, dass dies nötig ist, um mögliche Verstöße gegen die Nutzungsbestimmungen oder Sicherheits- oder technische Probleme sowie Betrugsfälle zu erkennen.

Und schließlich auch dann, wenn Apple glaubt, dass der Zugriff nötig ist, um die Rechte, das Eigentum oder die Sicherheit von Apple oder Dritten oder der Öffentlichkeit zu schützen. Der Schutz des (geistigen) Eigentums von Microsoft dürfte die Motivation hinter dem Auslesen der Hotmail-Daten gewesen sein - so dass Apple in einem parallelen Fall genauso handeln könnte. Dessen sollten sich iCloud-Benutzer bewusst sein.