Konto dicht: PayPal schmeißt Nazis raus

Stefan Bubeck

Die Ausschreitungen in Charlottesville lassen auch die IT-Branche nicht kalt. Der Online-Bezahldienst PayPal hat heute ein Statement veröffentlicht, das auf den Anschlag vom Wochenende eingeht und unmissverständlich Stellung gegen Rassismus und Gewalt bezieht.

Konto dicht: PayPal schmeißt Nazis raus
Bildquelle: PayPal.

In einem ausführlichen Blogpost erläutert Franz Paasche, SVP Corporate Affairs & Communications bei PayPal, den Stand der Dinge. Dabei scheut er es nicht, konkrete Maßnahmen und vor allem auch die Gruppierungen, die getroffen werden sollen, zu nennen:

Wir arbeiten daran, dass unser Angebot nicht genutzt wird, um Zahlungen zu akzeptieren oder Spenden für Aktionen zu sammeln, die Hass, Gewalt oder rassistische Intoleranz unterstützen. Das betrifft Organisationen, die rassistische Ansichten befürworten, den Ku Klux Klan, weiße rassistische Gruppen oder Nazi-Gruppen.

Der komplette Text in englischer Sprache ist hier auf dem Unternehmens-Blog zu finden.

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Die 5 besten PayPal-Alternativen in Stichpunkten.

PayPals Kampf gegen Rassisten: Der Ton wird schärfer

Wenn wir feststellen, dass eine Webseite oder Organisation, die unsere Dienste nutzt, dabei gegen unsere Richtlinien verstoßen könnte, wird unser geschultes Expertenteam eingeschaltet. Sie werden sich jeden Fall einzeln und sorgfältig anschauen (…). Paypal wird – wie bereits in der Vergangenheit geschehen – Kundenbeziehungen mit denjenigen limitieren oder beenden, die gegen unsere Nutzungsrichtlinien verstoßen.

Neu sind die im Statement angesprochenen Regeln nicht: Die PayPal-Nutzungsrichtlinie vom Juli 2015 verbietet „Aktivitäten, die (…) mit Transaktionen bezüglich der Förderung von Hass, Gewalt oder der finanziellen Verwertung eines Verbrechens (…) zu tun haben.“

Wie zahlreiche US-Medien berichten, sollen die Organisatoren des rechten Aufmarsches in Charlottesville PayPal genutzt haben.

Das solltest du über PayPal wissen.

Eine heikle Gratwanderung mit einem politischen Pulverfass auf dem Rücken

Ein privatrechtliches Unternehmen löscht Kundenkonten nach eigenem Ermessen – aufgrund des politischen Hintergrunds der Kunden. Wenn man das Statement und die beschriebene Praxis so verkürzt und die Nazis weglässt, dann klingt die Sache plötzlich etwas komplizierter.

Dieser Umstand ist offenbar auch PayPal bewusst: Paasche spricht von der Herausforderung, die notwendige Balance zu finden. Zum einen sei da der Schutz von Prinzipien wie Toleranz und Vielfalt, zum anderen der Respekt vor „Menschen jedweden Hintergrunds“ und das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Der Kampf gegen Gewalt und Rassismus ist eine Gratwanderung, bei der entschieden werden muss, wo eine Meinung endet und wo gegen geltendes Recht verstoßen wird. In der Politik sind solche Fragestellungen allgegenwärtig, in der Tech-Welt wird man im Hinblick auf Charlottesville jetzt und in Zukunft Antworten finden müssen: PayPal ist nicht der einzige Dienst, der von fragwürdigen und gewaltbereiten Gestalten genutzt wird. Jede Webseite hat einen Hoster, jeder Geldtransfer und jede Kommunikation muss auf irgendeiner Plattform stattfinden.

Quellen: PayPal, The Hill

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