Das Ding des Jahres: Deshalb kann die Raab-Show nicht mit „Die Höhle der Löwen“ mithalten

Peter Hryciuk

Die Erwartungen an „Das Ding des Jahres“, einer Show, die von Stefan Raab stammt und bei Pro 7 zur Prime Time ausgestrahlt wird, sind groß. Die Enttäuschung nach den ersten beiden Folgen war dann aber noch größer. Heute kommt der nächste Versuch. Ein Kommentar von Peter Hryciuk.

Das Ding des Jahres: Deshalb kann die Raab-Show nicht mit „Die Höhle der Löwen“ mithalten
Bildquelle: © ProSieben / Willi Weber.

Das Ding des Jahres: Was war da nur los?

Update vom 17.02.2018, 10:10 Uhr: Heute Abend um 20:15 Uhr geht Das Ding des Jahres weiter in die dritte Folge. Wer die Show bisher noch nicht gesehen hat, kann sich meinen Kommentar durchlesen. Gekürzt wurde die Sendung nicht. Auch heute sind es wieder drei Stunden, die man durchhalten muss. Ob die Show besser wird? Vermutlich nicht. Die Aufzeichnung ist ja schon gelaufen und auf die Kritik kann demnach nicht mehr reagiert werden. Werdet ihr heute einschalten?

Originalartikel vom 12.02.2018:

Es sind nur noch wenige Minuten bis zum Start der Show. Kurz vor 20:15 Uhr schalte ich Pro 7 ein und freue mich auf „Das Ding des Jahres“. Seit Wochen wird dafür bei Pro 7 die Werbetrommel gerührt. Man bekam kurze Ausschnitte der Erfindungen gezeigt, die wirklich vielversprechend aussahen. Der Sieger bekommt einen Werbedeal über 2,5 Millionen Euro. Joko Winterscheidt ist als Juror dabei. Es dürfte also lustig werden – wurde es aber nicht. Außerdem waren noch Lena Gercke und der REWE-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog mit dabei. Doch was ist „Das Ding des Jahres“ überhaupt? Ein Abklatsch der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ in jedem Fall nicht. Das wurde schnell klar. Vielmehr wollte Pro 7 mit Duellen zwischen zwei Erfindungen, die nicht einmal ansatzweise vergleichbar wären, die Spannung der dreistündigen Show langsam aufbauen.

Da trat dann ein automatischer Cocktail-Mixer gegen ein Messverfahren für Kinderschuhe an. Oder ein Honiglöffel gegen ein . Preisunterschied? 180 Euro. Von gleichen Ausgangsbedingungen also keine Spur. Die Moderation wurde nicht müde zu erwähnen, dass sich das Publikum und die Jury für das Produkt entscheiden sollen, das man jetzt besser gebrauchen kann. Doch so wirklich gebrauchen konnte man davon nichts – außer vielleicht den Eisblock, der eine Bierkiste unterwegs kühlt. . Die Abtropfhilfe drip.line hätte Ralf Dümmel aus „Die Höhle der Löwen“ vermutlich wenige Tage später in den Handel gebracht. Einige andere Produkte waren überhaupt nicht für den normalen Gebrauch gedacht – oder soll man sich eine riesige automatische Crep-Maschine in die Küche stellen, die aus Schrott hergestellt wurde? Die Idee mag zwar gut sein, die Maschine auch funktionieren, doch für den normalen Konsumenten war das nichts.

Die Jury hat sich größte Mühe gegeben, die Produkte gut aussehen zulassen – zumindest Joko und Lena. Die Erfindungen wurden gerne ausprobiert. REWE-Einkaufschef Moog hingegen musste fast schon gezwungen werden, um sich die Erfindungen überhaupt anzuschauen, geschweige denn auszuprobieren. Kritische Fragen? Gab es kaum. Höchstens nach dem Preis. Man hätte sich tatsächlich einen Carsten Maschmeyer gewünscht, der den Erfindern den Kopf wäscht. Stefan Raab kurz durchs Bild laufen zu lassen, hätte vielleicht auch geholfen. Beides wurde in den sozialen Medien gewünscht, ist aber nicht passiert.

Das Ding des Jahres: Und dann kam Amabrush

Amabrush wurde als achte und somit letzte Erfindung der ersten Show gezeigt. Eigentlich eine gute Idee. Eine automatische Zahnbürste, die die Zähne in nur 10 Sekunden reinigt. Amabrush ist aber nicht neu: Die Erfindung wurde Mitte 2017 erfolgreich bei Kickstarter mit fast 3,2 Millionen Euro finanziert. Es gibt zudem schon unzählige . Das Publikum war trotzdem begeistert und hat diese Erfindung aus vier Finalisten, die sich zuvor in jeweils vier Duellen zwischen zwei Erfindungen behaupten mussten, als Sieger erkoren. Am Ende durfte dann auch die eigentliche Jury wählen. Hätten sie sich für das gleiche Produkt entschieden, gäbe es nur einen Sieger. Doch man hat das Drift-Auto gewählt. In der ersten Sendung gab es also zwei Sieger.

GA Shaker+: Das Ding des Jahres?

Nach der ersten Show am Freitag, die sich wie ein Kaugummi bis um 23.15 Uhr gezogen hat, habe ich dann noch einmal am Samstag eingeschaltet. Es könnte ja besser werden – wurde es nicht. Im Gegenteil, es wurde teilweise noch langweiliger. Gewonnen hat die Show dann der GA Shaker+. Entwickelt von einem Ex-Fußball-Profi, der viele Features in den Shaker integriert hat. Platz für die Mitgliedskarte, die Möglichkeit, das Smartphone zu befestigen oder die Flasche an den Geräten zu platzieren. Damit kann man sich dann auch selbst filmen oder Selfies vom Training machen. Davon war nicht nur das Publikum begeistert, sondern auch die Jury. Einstimmig wurde der Sieger kurz vor Ende der Show benannt – endlich war das Drama vorbei.

Schlechte Einschaltquoten für „Das Ding des Jahres“

Das Ding des Jahres ist eigentlich mit einer Einschaltquote von 15 Prozent und 1,93 Millionen Zuschauern in der ersten Sendung gut gestartet, doch schon die zweite Sendung hat nur noch 1,28 Millionen Zuschauer im Alter von 14 bis 49 Jahren vor den Fernseher gelockt. Ich bin mit meiner Meinung also nicht allein, dass die Sendung leider nicht überzeugen konnte, obwohl die Erwartungen groß und die Idee dahinter vielleicht gut war. Schalte ich nächste Woche wieder ein? Ich glaube nicht. Ich warte lieber auf die Höhle der Löwen und freue mich dort auf spannende Ideen, die wirklich kritisch hinterfragt werden. So kann Entertainment nämlich auch funktionieren. Habt ihr „Das Ding des Jahres“ geschaut? Wie fandet ihr die Sendung?

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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