Twitch-Community hilft Streamer dabei, seine Alkoholsucht zu überwinden

Alexander Gehlsdorf

Twitch ist schon lange keine reine Gaming-Webseite mehr, sondern inzwischen auch eine Plattform für den sozialen Kontakt zur eigenen Community, etwa durch das Twitch-Programm IRL. Ein Streamer arbeitet gerade daran, mit der Hilfe seiner Zuschauer seine Alkoholsucht zu überwinden.

Twitch IRL - Trailer.
Pegz ist 25 Jahre alt und hat bereits seit Jahren ein Problem mit Alkohol. Ernst genommen hat er seine Sucht lange Zeit nicht, bis sein Verhalten in den letzten Monaten zunehmend eskalierte. Unter anderem verlor er während eines Streams das Bewusstsein und schlief anschließend ganze 13 Stunden vor laufender Kamera. An einem anderen Tag schlug er bei einem Streit mit seiner Ehefrau in Rage ein Loch in die Decke. Pegz erkannte, dass er sein Leben ändern muss, wie er gegenüber Kotaku erklärte
.

Für eine Weile unterbrach er seine Streams, um sein Leben und seinen Alltag wieder unter Kontrolle zu bekommen. Als er schließlich seine Twitch-Übertragungen fortsetzte, entschloss er sich allerdings dafür, seine Community in seinen Kampf gegen die Sucht mit einzubeziehen. Zwar streamt er in erster Linie nach wie vor Spiele, etwa Path of Exile, Overwatch oder Destiny 2, allerdings redet er in den Streams offen über seine Sucht, statt das Thema zu tabuisieren. Außerdem enthält jeder Stream-Titel die Information, wie viele Tage Pegz bereits trocken ist. Als er nach seiner Auszeit etwa zum erstem Mal Escape from Tarkov spielte, nannte er seinen Stream Never played before! any tips would be awesome. 6 days sober, also „Noch nie zuvor gespielt! Jede Hilfe wäre super. Seit sechs Tagen nüchtern.

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Die Zuschauer sind für ihn ein hilfreicher Weg der Selbstbeherrschung. Durch seine regelmäßigen Streams muss er sich praktisch täglich vor seinen Zuschauern verantworten. Als er an einem Tag einen Stream verpasste, erreichten ihn zahlreiche Nachrichten von besorgten Zuschauern. Tatsächlich hilft ihm das dabei, der Versuchung zu widerstehen. „Vor vier oder fünf Tagen hatte ich einen Drink in der Hand und wollte ihn unbedingt trinken. Ich hatte einen schlechten Tag auf der Arbeit und habe mich echt schlimm gefühlt. Ich saß da und mir wurde klar, dass ich das nicht kann, weil ich sonst nicht mehr streamen könnte. Ich könnte nicht mehr mit diesen Menschen sprechen, mir würde ihre Ermutigung fehlen und wenn ich jetzt trinke, dann würde ich alles zerstören. Also habe ich das nicht gemacht.

Andersherum ist es Pegz mit seinen Streams aber auch möglich, mit anderen alkoholkranken Zuschauern zu sprechen und Erfahrungen und Hilfestellungen auszutauschen. „Das war ein verdammt gutes Gespräch. Dabei habe ich mich wirklich gut gefühlt, ungelogen.“ Auch seine Frau Kayci ist der Meinung, dass die Streams für Pegz eine bessere Form der Therapie sind, als die Anonymen Alkoholiker. „Diese Art vom Selbsthilfegruppe würde ihm nicht helfen, glaube ich. Aber sich online mit einer ganze bestimmten Gruppe Menschen auszutauschen und dabei eine Beschäftigung zu haben, etwas das ihm vom Trinken ablenkt, wenn ihm das hilft dann habe ich nichts dagegen. Ich freue mich für ihn.

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