Das Ende von Machinima: Was das für YouTube bedeutet

Daniel Hartmann

Aus und vorbei. Alles weg. Über Nacht wurden fast alle Videos auf dem YouTube Kanal von Machinima auf Privat gesetzt und sind nicht mehr zugänglich. Über ein Jahrzehnt YouTube-Videos, manch einer würde sogar sagen YouTube-Geschichte, sind weg. Ebenfalls weg sind 81 Mitarbeiter von Machinima, denn sie wurden durch die Muttergesellschaft Otter Media entlassen.

Geschichtsstunde

Machinima wurde im Jahr 2000 gegründet, damals natürlich noch nicht als YouTube-Kanal, sondern als Website für die namensgebenden Machinimas. Machinimas sind Filme, die in einer Spiel-Engine produziert werden. 2006 startete dann der YouTube-Kanal und es wurde sich mehr in Richtung tatsächlicher Gaming- und Unterhaltungsinhalte orientiert. Machinima wuchs schnell, startete zusätzliche Kanäle mit Schwerpunktthemen und begann auch kleinere Gaming-Kanäle unter Vertrag zu nehmen und zu managen. Auf den Kanälen entstanden beliebte Shows wie „Inside Gaming“, „ETC News“ oder „Machinima Respawn“. Machinima wuchs zu einem Multi-Channel-Network mit rund 7.500 Partnern an. Bis 2018 erreichte allein der Hauptkanal Machinima 12 Millionen Subscriber. Auch die Netzwerk-Mitglieder waren sehr erfolgreich auf YouTube, zu ihnen gehörten Größen wie „Braindeadly“ oder „PiewDiePie“.

2016 wurde Machinima von Warner Bros übernommen. Über die Summe des Deals gibt es nur Spekulationen und die belaufen sich auf etwa 100 Millionen Dollar. Zwei Jahre später ging Warner Bros. an das größte Telekommunikationsunternehmen der Welt, AT&T, über. Zu AT&T gehört ebenfalls Otter Media, die die Multi-Channel-Networks Fullscreen und Rooster Teeth Productions betreiben. Auch diese Netzwerke legen ihren Schwerpunkt auf Gaming-Inhalte. Offiziell gibt es Machninima noch, allerdings gab Otter Media bekannt, sowohl die verbleibenden Mitarbeiter als auch die YouTube-Partner von Machinima in Otter Media zu „reorganisieren“. Nichtsdestotrotz ist fast der gesamte Inhalt vom Machinima YouTube-Kanal selbst verschwunden.

Beim ersten Lesen klingt das alles nach einer traurigen Geschichte über eine Gruppe kreativer Medienmacher im Internet, die von einem großen Unternehmen erst geschluckt und dann zerschlagen wurden. Doch sind sie wirklich so zu bedauern?

Nicht zu bedauern, sind die Beteiligten an diesen Gaming-Skandalen:

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Ein Vertrag, sie alle zu binden…

Machinima stand in seiner Vergangenheit als Multi-Channel-Network stark in der Kritik. Grund dafür waren vor allem die Partner-Verträge mit anderen YouTube-Kanälen. Viele YouTuber sind aus dem Netzwerk ausgestiegen, da Machinima ihnen mit undurchsichtigen Verträgen die Rechte an ihrem Kanal und ihren Inhalten nahm und versuchte sogar die Rechte lebenslang zu halten.

Die sogenannten „Perpetual Contracts“ waren kompliziert verfasst und waren von den meist sehr jungen aufstrebenden YouTubern schwer zu verstehen, sodass viele am Ende nur mit rechtlichen Mitteln aus dem Vertrag aussteigen konnten. YouTuber „Rossboomsocks“ erzählte in einem Interview Ende 2015 wie es ihm mit Machinima erging. Laut seiner Aussage wäre er mehrfach betrogen und reingelegt worden. Die Aufteilung des Gewinnes von 60 Prozent für ihn und 40 Prozent für Machinima wurde ihm als guter Handel verkauft, doch in dem Zusammenhang bezeichnet er sich selbst als naiv. Als ihm auffiel, dass er reingelegt worden sei, wäre es ihm nicht möglich gewesen Machinima zu kontaktieren. Erst als er drohte seinen eigenen Kanal zu ruinieren, reagierte Machinima auf ihn und hätte die Konditionen verbessert, allerdings nicht ohne seinen Vertrag unbemerkt zu verlängern, obwohl sie ihm das Gegenteil versichert hätten. Dies ist nur ein Beispiel, aber es gibt eine Vielzahl von YouTubern, die Ähnliches erlebt haben wollen.

Zu diesen YouTubern gehört auch der vermeintlich Größte von ihnen. Sein Name ist Felix Kjellberg, besser bekannt als „PewDiePie“. Auch er berichtet in einem Interview mit dem Icon Magazin, von schlechtem Management und noch schlechterer Kommunikation. Sein Vertrag wäre auch einer der rechtlich nicht durchsetzbaren Verträge auf Lebenszeit gewesen und es brauchte einen Anwalt und ein halbes Jahr Zeit, um von dem Vertrag freizukommen.

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R.I.P. Multi-Channel-Networks?

Warum also begeben sich YouTuber in Multi-Channel-Networks? Nur wegen der Aussicht auf Erfolg und Geld ist als Antwort etwas zu einfach, auch wenn es sicherlich eine Rolle spielt. Multi-Channel Networks boten eine bekannte Werbefläche, um den eigenen Inhalt zu präsentieren, Sponsoring-Verträge und kümmerten sich um rechtliche Angelegenheiten bezüglich des Bildmaterials der Videospiele – gerade mit Nintendo gab es dort zu Beginn des Booms von Gaming-Inhalten auf YouTube immer wieder Probleme. Hinzu kam das YouTube selbst nicht die Ressourcen hatte, um die Vielzahl an Gaming-Kanälen zu betreuen und zu monetarisieren. Das war allerdings die Situation damals Anfang der 2010er Jahre. Heute kann ein Kanal direkt YouTube-Partner werden und braucht den Mittelsmann Multi-Channel-Network nicht mehr zwingend, um erfolgreich zu sein.

Zwar gibt es auch heute noch erfolgreiche Multi-Channel-Networks, aber der eben erwähnte Strukturwandel und das über die Jahre immer schlechter werdende Image hat zumindest Machinima nicht überlebt. Im Januar 2019 hatte Machinima noch die Erfolgsgeschichten ihrer YouTube-Partner präsentiert, doch beim genaueren Hinsehen hält sich dieser Erfolg in Grenzen. YouTuber „batinthesun“ schafft bei seinen 2,1 Millionen Subcribern häufig nicht einmal 50.000 Views. Nur etwas bessere Viewerzahlen schafft „JeromeASF“, sein Kanal hat allerdings 5 Millionen Subscriber.

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Was übrig bleibt

Übrig bleibt zum einen die Erinnerung, an die originellen Inhalte aus der Anfangszeit von Machininma, an beliebte Shows wie „Inside Gaming“ und die YouTuber, die durch Machinima groß geworden sind. Letzteres hinterlässt jedoch den faden Beigeschmack der Vertragspolitik des Multi-Channel-Networks, denn auch das war Machinima. Übrig bleiben auch 81 Menschen, die ihren Job verloren haben.

Doch es kommt auch etwas zurück. Die Zusammenführung von Machinima und Rooster Teeth Productions sorgt dafür das Inside Gaming zurückkehrt. Die Macher dieses Formats verließen damals Machinima und gingen zu Rooster Teeth. Jetzt bekommen sie nicht nur ihre Show wieder, sondern übernehmen auch die Socialmedia-Auftritte von Machinima.

Machinima war definitv eine prägendes Element der YouTube-Szene, speziell für die Gaming-Inhalte auf YouTube, doch scheint es, sie haben irgendwann den falschen Weg eingeschlagen.

Wer neben „PewDiePie“ noch erfolgreich auf YouTube ist, erfährst du in dieser Bilderstrecke:

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Das sind die 10 bestbezahlten YouTuber 2018

In Deutschland gibt es mit 71Media und Mediakraft Networks sehr ähnliche Strukturen im Bereich der Multi-Channel-Networks. Sind Multi-Channel-Networks hilfreich für YouTuber oder nur überflüssige Nutznießer des Erfolges der Kanäle, die sie unter Vertrag haben?

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