Drama um Artikel 13 – und YouTube unterstützt es auch noch

Kamila Zych 1

Was mit einem Blog-Eintrag der YouTube-Chefin begann, hat sich in den letzten Wochen zu einer regelrechten Panikwelle entwickelt. Ganz Europa scheint sich zu fragen: Wird YouTube bald gelöscht? Statt Klarheit zu schaffen, gießt YouTube auch noch Öl ins Feuer.

Hinweis: Wir bei GIGA haben schon einen umfangreichen Bericht zum Thema Artikel 13 verfasst, in dem wir den Inhalt der Richtlinie erklären und die wichtigsten Fragen klären. Dieser Text befasst sich vorrangig mit den teilweise überdramatisierten Reaktionen deutscher YouTuber zum Thema und der Rolle, die YouTube selbst darin einnimmt.

Überschriften wie diese hier oben hast du in den letzten Tagen sicherlich häufig gelesen. Sie alle handeln von dem gleichen Thema: Artikel 13. Es heißt, er sei eine Bedrohung für YouTube. 2019 werden angeblich viele Kanäle auf der Plattform nicht mehr existieren oder noch schlimmer: YouTube selbst wird es nächstes Jahr nicht mehr geben. Und wer hat diese Information verbreitet? Der Ursprung jener Panik ist ein Blog-Beitrag von Susan Wojcicki, CEO von YouTube. Darin schreibt sie unter anderem:

„Artikel 13, wie er [zu diesem Zeitpunkt] verfasst ist, droht damit Millionen von Menschen – von Creators […] bis hin zu alltäglichen Nutzern – die Befähigung zu nehmen, Inhalte auf Plattformen wie YouTube hochzuladen. Und es droht damit, Nutzer in der EU daran zu hindern, Inhalte anzuzeigen, die sich bereits überall auf den Kanälen von Erstellern befinden. Dazu gehört die unglaubliche Videobibliothek von YouTube mit Lerninhalten wie Sprachkursen, Physik-Tutorials und anderen Anleitungen.“

Wojcicki zufolge würde Artikel 13 Plattformen wie YouTube dazu zwingen, lediglich Inhalte von wenigen großen Unternehmen zuzulassen. „Es wäre zu riskant für Plattformen, Inhalte von kleineren Original-Content-Erstellern zu hosten, da die Plattformen jetzt direkt für diese Inhalte haften“, so die YouTube-Chefin. Im Anschluss ruft sie die YouTube-Community dazu auf sofort zu handeln und die Welt über den Ernst der Sache aufzuklären.

Neben dem Blog-Beitrag hat Susan Wojcicki außerdem ein YouTube-Video mit ähnlichem Inhalt veröffentlicht.

YouTube: Artikel 13.

Viele YouTuber, auch hier in Deutschland, sind dem Aufruf gefolgt, doch teilweise ohne sich vorher eingehend mit dem Thema zu beschäftigen. Und so entstanden reißerische Überschriften wie die oben gezeigten, welche bei vielen YouTube-Nutzern Unbehagen und Panik auslösten.

Panik lösen auch diese kommenden Spiele bei dir aus – aber auf eine andere Art und Weise.

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HORROR: Die besten Schocker, die 2018 & 2019 aus ihrem Grabe kriechen.

Ein gefundenes Fressen für YouTube

Wir von GIGA GAMES haben in diesem Zusammenhang mit den YouTubern RobBubble und den Space Frogs Rick und Steve gesprochen. Robin Blase, wie Rob Bubble wirklich heißt, findet Artikel 13 durchaus kritikwürdig, aber genauso auch die Art, wie einige Kollegen mit der Thematik umgehen:

„Also direkt Panik zu machen, dass sogar Kinder anfangen zu weinen, weil sie glauben, dass [all] ihre YouTuber [in den nächsten Jahren] nicht mehr existieren, das ist meiner Meinung nach nicht die beste Art und Weise, um politisch was zu bewegen.“

Immerhin haben die YouTuber mit ihrem Drama nicht nur einen Haufen Klicks generiert, sondern auch YouTube gewissermaßen in die Hände gespielt. Denn was Susan Wojcicki in ihrem Text nicht erwähnt hat ist, dass hinter dem Vorhaben, Artikel 13 zu verhindern auch die eigenen geschäftlichen Interessen von YouTube stecken. Wie Tiemo Wölken im Interview mit Rob Bubble erklärt, geht es letztendlich darum, ob YouTube als verantwortliche Plattform in Zukunft mehr Geld für Lizenzen bezahlen muss. Einfach ausgedrückt: YouTube hat seine Reichweite dazu genutzt, um indirekt Lobbyismus zu betreiben.

Der YouTube-Kanal offen un‘ ehrlich hat hierzu ein ausführliches Video veröffentlicht, in dem er unter anderem mit dem Netzpolitik.org-Korrespondenten Alexander Fanta spricht.

Artikel 13: Was sagen deutsche YouTuber dazu?

Rob Bubble findet es wichtig, dass Plattformen wie YouTube in einer gewissen Weise dafür verantwortlich sind, was auf der Plattform passiert. Im gleichen Atemzug merkt er jedoch an, dass es nicht immer möglich sei, sofort auf Urheberrechtsverletzungen zu reagieren, angesichts der Masse an Content, der pro Sekunde hochgeladen wird. Trotzdem sollten seiner Meinung nach die Plattformen in der Pflicht stehen, in jedem Fall zu handeln, nachdem sie auf etwas aufmerksam gemacht werden. Als ein Beispiel nennt er den Fall von Montana Black, der auf Twitch Werbung für illegales Glücksspiel gemacht hat. Twitch wurde zwar darüber informiert, aber es sei relativ wenig passiert und das Unternehmen hätte sich auch nicht dazu geäußert.

„Es muss […] irgendwo ein Kompromiss gefunden werden, dass die Plattformen in der Verantwortung sind, genau so aber auch die User und dass diese Verantwortung nicht innerhalb von Sekunden umgesetzt werden muss, sondern, dass die Plattformen eine gewisse Handlungsfreiheit haben, eine gewisse Toleranz, weil es eben nicht möglich ist, alle Inhalte gleichzeitig zu kontrollieren, ohne dass man irgendwelche verrückten Uploadfilter einführt, die alles sofort filtern und […] beim kleinsten Zweifel irgendetwas blocken. Das führt dann wiederum zu […] einem Overblocking, wo Inhalte gefiltert werden, die eigentlich völlig rechtmäßig sind“, so der YouTuber.

Wenn wir schon beim Thema sind: Wie gut kennst du dich eigentlich mit deutschen YouTubern aus?

Sollte Artikel 13 tatsächlich in seiner jetzigen Form in Kraft treten, würden sich einige YouTuber in einer heiklen Lage befinden und müssten sich im schlimmsten Fall einem großen Verlag oder Unternehmen anschließen. Auch wenn Space Frogs in der Art und Weise, wie sie ihre Inhalte produzieren, keine großen Einschränkung erwarten, sehen sie trotzdem ein bestimmtes Problem:

„Die Angst ist eher, dass wir ein bisschen unsere Unabhängigkeit verlieren, dass wir halt quasi einem Netzwerk beitreten müssen, um […] abgesichert zu sein und gerade wir mögen es halt unabhängig zu sein und einfach nicht ein Teil einer großen Firma zu sein, die uns dann sagen kann ‚Macht mal lieber das oder dies, weil sonst schmeißen wir euch raus’“, so Fabian Rieck aka Rick.

Doch keine Sorge, bis jetzt ist noch nichts entschieden. Denn es gibt insgesamt drei Entwürfe; einen der EU-Komission, einen des Europarates und einen des EU-Parlaments. Bis jetzt ist lediglich letzterer Entwurf kürzlich verabschiedet worden und es folgen noch Verhandlungen am 26. November und 13. Dezember 2018. „Das sind […] alles Dinge, da ist noch nicht klar, was am Ende [in Artikel 13] drinsteht. Es ist wichtig jetzt den Artikel 13 zu kritisieren, damit es eben nicht zu Problemen kommen kann“, so Rob Bubble.

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