Was wäre, wenn es YouTube nicht mehr gäbe? Ein Schreckensszenario

Kamila Zych 8

Inzwischen sollte jedem YouTube-Fan „Artikel 13“ ein Begriff sein, schließlich hängt davon mehr oder weniger die Zukunft des Videoportals ab. Wir haben uns vorgestellt, wie es wäre, würde YouTube plötzlich nicht mehr existieren. Außerdem haben wir YouTuber befragt, wie ihr Plan B aussähe, sollte das Worst-Case-Szenario tatsächlich eintreffen.

Wir schreiben das Jahr 2025. Seit Artikel 13 der EU-Urheberrechtsrichtlinien vor zwei Jahren in Kraft getreten ist, scheint ein grauer Schleicher über der Welt zu hängen. Google hat im Zuge der neuen Richtlinie offiziell die Schließung von YouTube angekündigt. Das letzte Video auf der Plattform ging am 29. Oktober 2023 um 23:59 Uhr online und trägt den Titel „PewDiePew: I was beaten by T-Series after 5 tearful years – my life is over“. PewDiePie alias Felix Kjellberg galt lange Zeit als der meistabonnierte YouTuber der Welt. Nach der verlorenen Wette mit seinen langjährigen Konkurrenten T-Series, ist der gebürtige Schwede nach Indien gezogen. Seitdem verteilt er auf den Straßen Flyer und versucht als Stand-up-Comedian seinen Ruhm aufrechtzuerhalten.

Doch wie sieht die Situation in Deutschland aus? Seit der Schließung von YouTube, leben viele kleine Contentschaffende am Existenzminimum. Die Arbeitslosenquote ist so hoch wie seit 1922 nicht mehr. Nur wenige große YouTuber haben es geschafft, auch außerhalb der Videoplattform Fuß zu fassen. YouTuber Gronkh tourt zurzeit beispielsweise mit seinem neuen Format „Let’s Play – Public Viewing“ durch die Bundesländer. Bianca Claßen, auch als Bibi bekannt, hat sich nach ihrer Mutterzeit einen lang gehegten Traum erfüllt: Einen Freizeitpark für Beauty-Addicts. Der erste „Beauty Palace“ wird demnächst in Borken in Nordrhein-Westfalen eröffnen. Geplant sind neben Live-Make-up-Tutorials, Greifautomaten mit Produkten aus Bibis aktueller Schmink-Kollektion und eine Achterbahn in Lippenstift-Design, die über eine wie Lippen geformte Strecke rast.

All diese YouTube-Videos kannst du dir im Jahr 2025 wohl nicht mehr anschauen.

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11 virale YouTube-Videos, die dich an die guten alten Zeiten erinnern.

Doch nicht jeder schafft den großen Durchbruch fernab vom YouTube-Universum. Mit etwas Glück kommen einige als Moderatoren oder Cutter bei TV- und Radiosendern unter. Doch diese Stellen sind rar gesät, denn aktuell herrscht ein Überangebot an „Content Creators“ auf dem Arbeitsmarkt. Die Agentur für Arbeit kommt bei der Vermittlung der Talente nicht hinterher. Viele entscheiden sich letzten Endes für eine Umschulung zum Altenpfleger oder Erzieher.

Aber nicht jeder Bereich leidet unter dem Aus von YouTube. VIVA beispielsweise hat kürzlich ihr Comeback im deutschen Fernsehen gefeiert. Mit YouTube verschwanden auch die Musikvideos großer Künstler, sodass sich der Musiksender wieder auf seine Wurzeln zurückbesinnen konnte: Musik, Musik und Musik. Auch lokale Nachhilfeangebote und Kochkurse erfreuen sich zunehmender Nachfrage, da die User nicht mehr auf YouTube-Inhalte zurückgreifen können.

„Huch!“, plötzlich öffne ich meine Augen. „War das etwa alles nur ein schlechter Traum?“ Ich schaue auf mein Smartphone – es ist der 23. November 2018. Um auf Nummer sicher zu gehen tippe ich „www.youtube.de“ in die Browserleiste und drücke den Enter-Knopf. Nach ein paar Sekunden verschwindet das Ladesymbol. Vor mir poppt in knalligem Rot das YouTube-Logo auf – so hell, dass es fast schon in den Augen schmerzt. Als würde es mir sagen wollen „Ha! Ich bin doch nicht tot!“. Ja, YouTube ist nicht tot. YouTube ist noch da. Puh.

Wie sieht denn dein Plan B aus?

Aber mal angenommen, das von mir beschriebene Szenario würde tatsächlich eintreten, was passiert dann mit den YouTubern? Wir von GIGA GAMES haben dazu mit dem YouTuber Rob Bubble und Rick und Steve von den SpaceFrogs gesprochen (siehe Bild oben) und sie nach ihrem persönlichen Plan B gefragt. Auf die Frage, ob bei ihm „die Hütte brennen“ würde, wenn YouTube plötzlich nicht mehr existieren würde, antwortet uns Rob:

„Die Hütte würde, ich würde mal sagen, so ein Drittel brennen. Ich hab von Anfang an immer schon die Mentalität gehabt [nicht alles auf eine Karte zu setzen]. […] nicht nur weil YouTube von heute auf morgen weg sein könnte oder weil es ein einzelnes Unternehmen aus Amerika ist, auf das ich mich hier [in Deutschland] verlasse, sondern auch weil diese 15 Minuten Berühmtheit ja auch jederzeit vorbei sein können und Leute sich vielleicht einfach nicht mehr interessieren oder der Algorithmus sich irgendwie ändert und meine Inhalte nicht mehr angezeigt werden oder jemand anders kommt, der viel besser, lustiger und schöner als ich ist und den die Leute dann viel lieber gucken.“

Aus diesem Grund habe er von Tag eins versucht, sich auch in anderen Bereichen zu positionieren. Er ist unter anderem als Moderator und Schauspieler aktiv, betreibt einen Podcast und ist darüber hinaus auch als Produzent in seiner eigenen Firma tätig, die hauptsächlich Inhalte fürs Fernsehen und YouTube produziert. „Ich glaube, wenn Webvideo-Inhalte oder Videoinhalte oder Unterhaltung generell tot wäre, dann hätte ich ein Problem. Aber wenn YouTube als einzelne Plattform verschwindet, wäre es [zwar] sehr schade, aber ich würde da nicht am Hungertuch nagen,“ so die Einschätzung des YouTubers.

SpaceFrogs und Robin Bubble waren übrigens in diesem Jahr beim Charity-Stream „Loot für die Welt“ mit dabei. Und wir konnten hinter die Kulissen blicken.

Loot für die Welt 5 – Hinter den Kulissen.

„Oh, wir haben viele Notfallpläne. Rick hat so eine Geheimprojekt, worüber er nicht reden will und voll krasse Ideen[…]“, witzelt Steve zunächst herum und wir wissen nicht so ganz, ob sich dahinter nicht doch ein wenig Wahrheit verbirgt. Dann aber werden sie ernster: „Naja wenn es von heute auf morgen wäre [dass YouTube verschwindet], wäre es natürlich ein Abfuck, weil wir leben gerade davon, gibt Rick schließlich offen zu. Weiter sagt er:

„Aber wir müssen uns generell bewusst sein, dass wenn wir [fragwürdige Inhalte produzieren] und uns plötzlich die Community wegbricht, dann verdienen wir auch kein Geld mehr. Man sollte […], wenn man selbstständig ist, immer einen Notfallplan haben, aber wir hoffen halt nicht, dass wir ihn von heute auf morgen nutzen müssen. Und ich denke, das wird auch nicht passieren. Das wäre ja etwas weltfremd.

Steve merkt daraufhin an, dass die beiden ansonsten statt auf einen Plan B auf Vitamin B zurückgreifen müssten: „Man kennt ja, wenn man […] schon paar Jahre in der Branche ist ein paar Leute und ich wette, da gibt es bestimmt welche, die einen auch auffangen würden“

SpaceFrogs sind auch der Meinung, dass YouTube heute nicht mehr wegzudenken ist: „Es hat bei der Jugend doch das Fernsehen komplett abgelöst“, so Steve. Rick stellt darüber hinaus fest: „Es ist ja nicht nur Fernsehen, YouTube ist ja alles Mögliche. Du kannst ja auch Fernsehen gucken und trotzdem ein Kochtutorial auf YouTube ansehen. Also wenn YouTube irgendwann nicht mehr da sein sollte, wird es irgendwas anderes geben, was einfach YouTube mit einem anderen Namen ist.“

Wie stellst du dir die Zukunft von YouTube vor? Glaub du wirklich, dass Youtuber irgendwann um ihren Job bangen müssen, wenn sie keinen Plan B haben oder siehst du es ähnlich wie die SpaceFrogs, dass im schlimmsten Fall eine andere Plattform YouTube ersetzen wird? Wir sind gespannt auf deine Meinung in den Kommentaren.

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