Falsche Präsentation kann zum Verhängnis werden

Einige YouTuber stellen zudem fest, dass die Art und Weise, wie sich Frauen auf Twitch oder YouTube darstellen, Einfluss darauf hat, wie sie wahrgenommen werden. So zum Beispiel fisHC0p.

„Ich glaube, es kommt immer darauf an, wie sie (die Frauen) sich präsentieren und was sie letztendlich machen. Leichter ist es – aus meiner Sicht – per se nicht, weil man oft als Frau mit Aussagen wie ‚Nur weil es eine Frau ist, gucken mehr Männer zu‘ konfrontiert wird. Es gibt aber auch oft Männer, die dann sagen: ‚Sie will das nur machen, weil sie es so einfach hat‘. Also es gibt eine große Anzahl an männlichen Zuschauern, die dann behaupten, dass es (für Frauen) leichter wäre (Reichweite aufzubauen) und es deswegen kein richtiger Content ist, weil sie es nur aufgrund ihres Aussehens oder des Ausschnitts oder sonst was machen. Ich denke, dass es unter Umständen sogar schwerer sein kann für Frauen auf Twitch.“

Lara Loft sieht es ähnlich und spricht aus eigener Erfahrung:

„Es kommt darauf an, wie man sich vor der Kamera gibt. Ich habe versucht, darauf zu achten, dass ich nicht als ‚weibliche‘ Streamerin gesehen werde – sondern einfach als ich selbst, als die, die vor der Kamera sitzt und sich nicht irgendwie mit einem großen Ausschnitt präsentiert oder irgendwas, sondern ich will einfach gemocht werden für das, was ich mache und nicht, weil ich eine Frau bin.“

Auffällig ist hier, dass in der Aussage der YouTuberin das Adjektiv „weiblich“ fast schon so wirkt, als wäre es negativ behaftet. Vermutlich spielen hier sowohl fisHC0p als auch Lara Loft auf weibliche Twitcherinnen an, die häufig als Titty-Streamer bezeichnet werden. Laut dem Urban Dictionary sind Titty-Streamer Frauen in ihren Zwanzigern, die Streaming-Dienste wie Twitch dazu nutzen, um ihre Brüste einer großen Followerschaft zu präsentieren, die hauptsächlich aus lüsternen Männern und pubertierenden 12-jährigen Jungs besteht.

Es ist zu vermuten, dass die Geschlechterverteilung auf Twitch der von YouTube ähnelt und sich Frauen dementsprechend gezwungen sehen, Spielgenres abzudecken, die als Stereotyp weiblich angesehen werden. Oder aber sie greifen auf ihre weiblichen Reize zurück – und das wird nicht immer positiv aufgenommen.

Nicht sonderlich positiv wurden auch diese Skandale von Streamern und YouTubern aufgenommen:

Letztendlich sind auch die Zuschauer schuld

Twitch-Streamerin Sweet_Anita glaubt, eine simple Erklärung für diese Art der Präsentation von Frauen auf Twitch gefunden zu haben. So würden sich Streamer meist an den Wünschen ihrer Zuschauer orientieren und entsprechende Inhalte bieten.

„Die meisten von euch schauen sich Pornos an. Die meisten von euch mögen Pornos. Ihr mögt es, wenn Frauen ihre Sexualität zum Ausdruck bringen und sich zur Schau stellen. (...) Wenn aber eine Frau tatsächlich diejenige ist, die von ihrer eigenen Schönheit profitiert, nehmen wir ihr das übel und werden verdammt wütend darüber und ich weiß nicht, warum. Wenn du der Meinung bist, dass das schön ist (...) und du die Atmosphäre genießt, dann tu das! Sie tut niemandem weh. (...) Und die Leute, (die sich das anschauen), genießen etwas, für das es eine Nachfrage gibt.“

PietSmiet macht in dem Zusammenhang eine interessante Beobachtung in Bezug auf Nachfrage:

 „Wenn Frauen an Gaming interessiert sind, dann weniger auf der Core-Ebene, sondern eher auf einer Mobile-Ebene. Man merkt zum Beispiel, dass Spiele wie Die Sims viel mehr weibliche Spieler haben als ein Call of Duty beispielsweise. Deswegen beginnt das Problem schon da, dass quasi viele Streamer, die männlich sind, eher Männer ansprechen, weil sie Spiele spielen, die primär von Männern gespielt werden.“

Tatsächlich spielen Frauen vorrangig unter anderem Match 3-Spiele, Simulationen oder interaktive Dramen, wie aus einer Studie von Quantic Foundry aus dem Jahr 2017 hervorgeht. Wenn also ohnehin weniger weibliche Streamer auf Twitch aktiv sind und dementsprechend weniger Genres abgedeckt werden, die von Frauen bevorzugt werden, werden weniger weibliche Zuschauer angezogen – und die Plattform wird zur Männerdomäne.

Und so stellt sich die Frage: Wie können Plattformen wie Twitch attraktiver für weibliche Zuschauer gestaltet werden? 

Für PietSmiet ist das eine Frage der Zeit – und eine Frage des Umdenkens bei Entwicklern: „Es müssten theoretisch mehr Entwickler darauf achten, welche Spiele vielleicht auch Frauen interessieren.“ Doch im Moment scheint es so, als würden die großen AAA-Titel vorrangig aus RPGs, Shootern und Action-Adventures bestehen. Trotzdem scheinen einige Entwickler mit Spielen wie Life is Strange, Detroit: Become Human oder dem vermehrten Fokus auf Mobile-Games das Potenzial von weiblichen Gamern und Zuschauer erkannt zu haben. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr solcher Spiele herauskommen und gestreamt werden. Damit weibliche Streamer und YouTuber endlich die Anerkennung erhalten, die sie verdienen.

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