Die Smartwatch: Noch Trend, schon etabliert oder ein Flop?

Sven Kaulfuss 5

Vor vier Jahren geiferte die Tech-Branche nach dem nächsten großen Ding. Man glaubte es in der Smartwatch gefunden zu haben und erwartete ungeduldig nicht zuletzt Apples Interpretation des Trendthemas. Und nun? Wie tickt die Smartwatch im Jahr 2018?

Die Smartwatch: Noch Trend, schon etabliert oder ein Flop?
Bildquelle: Apple.

Haben sich die smarten „Handgelenkgeräte“ tatsächlich im Massenmarkt durchsetzen können, gehören sie zum unverzichtbarem Accessoire des technophilen Durchschnitts-Geeks, konnte die Apple Watch letztendlich den Markt revolutionieren wie einst ihr Vetter, das iPhone? Um diese Fragen beantworten zu können, lohnt vorab der Blick aufs Zahlenwerk.

Insbesondere die Uhrenindustrie in den Schweizer Bergen blickte mit Argwohn auf die neuerliche Konkurrenz. Man tat gut daran, denn mittlerweile haben sich die Smartwatches und Wearables an die Absatzzahlen Schweizer Uhren herangepirscht. Im letzten Quartal 2017 konnte allein Apple die Eidgenossen in Stückzahlen erstmals sogar hinter sich lassen.

Apropos: Der kalifornische Hersteller ist mittlerweile sowohl bei Wearables (inklusive Fitness-Tracker) als auch bei Smartwatches Marktführer. Und zwar nicht nur nach Verkaufserlösen, sondern auch nach Stückzahlen. Das ist sehr beeindruckend, zumal die relativ teure Apple Watch bei den Wearables mit sehr viel günstigeren Fitness-Trackern von Fitbit, Xiaomi und Konsorten konkurriert.

Demzufolge präsentiert sich die Apple Watch auch überlegen im Systemvergleich: Android Wear hat das Nachsehen und gewinnt keinen sprichwörtlichen Blumentopf. Interessant hingegen der Umstand der aktuellen Umbenennung. Im März 2018 wurde nämlich aus Android Wear „Wear OS by Google“. Der Grund: Laut Google werden Android-Wear-Smartwatches schon von einem Drittel der iPhone-Anwender genutzt. Mit der folgerichtigen Umbenennung möchte man dem Rechnung tragen und weiterhin wachsen. Angesichts der Vergleichszahlen zur Apple Watch ist Wachstum für Google in diesem Bereich auch eine absolute Überlebensnotwendigkeit.

Was folgt daraus: „Swiss Made“ ist tot, die Revolution geglückt?

Kann man den Zahlen zufolge also den baldigen Tod der Schweizer Uhrenindustrie und den erfolgreichen Eintritt der Smartwatches in den Massenmarkt postulieren? Skepsis ist hier angebracht, denn hörte man sich auf der diesjährigen Baselworld (weltgrößte Uhrenschau) im März um, dann verdrängen Smartwatches wohl vor allem die billigen Einstiegsuhren bis 200 Euro, immerhin gab es für diese Preisklasse 2017 den niedrigsten Wert seit 33 Jahren. Die Edelmarken hingegen können sich nicht beschweren, verkaufen noch immer gut und scheuen mittlerweile sogar den Brückenschlag nicht mehr – haben eigene Smartwatches im Angebot (beispielsweise Tag Heuer) oder zeigen entsprechende Hybrid-Uhren (Frédérique Constant).

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Top 10: Smartwatch-Bestseller in Deutschland.

Übrigens: Die Swatch-Gruppe wächst nach wie vor im preiswerten Segment, so Firmenchef Nick Hayek. Er geht sogar soweit und spricht davon, dass der Trend hin zu Smartwatches der traditionellen Uhrenindustrie geholfen habe. Die Logik: Fitness-Tracker und Smartwatches haben die Kunden wieder an „Handgelenkgeräte“ gewöhnt. Der charismatische Schweizer verkündet jedoch auch eine düstere Prognose für einige Vertreter des Smartwatch-Marktes: Apples Eintritt hätte die Konkurrenz nämlich geradezu ausgelöscht, einige (beispielsweise Pebble) mussten schon aufgeben. Es werden wohl noch weitere Folgen, denn um im Markt noch Gewinn machen zu können, müssten entsprechend hohe Stückzahlen verkauft werden. Die Luft dafür wird aber knapper.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Andererseits, vergleicht man beispielsweise den Absatz von iPhones (216,76 Millionen) direkt zur Apple Watch (17,7 Millionen) im letzten Jahr, dann erkennt man eine gehörige Diskrepanz. Ergo: Es beseht noch immer auf dem Papier ein großes und bisher ungenutztes Wachstumspotential. So stark wie Smartphones sind Wearables und insbesondere Smartwatches noch lange nicht im Volumenmarkt etabliert.

Blick ins traute Heim: Wo ist die Smartwatch?

Selbst ich kann dies im privaten Umfeld bestätigen. Eine Apple Watch nutzte ich bisher nicht, allein einen Fitness-Tracker im Analog-Design (Withings Activité, mittlerweile ) nenne ich mein Eigen. Damit bin ich in der Familie aber auch allein. Apple Watches sieht man wohl vor allem beim prominenten Volk im TV, weniger auf der Straße – so meine subjektive Beobachtung. Unterm Strich: Wearables und Smartwatches erzielten in den letzten Jahren Achtungserfolge, insbesondere konnte Apple punkten und das Revier abstecken. Die Revolution im Volumenmarkt bleibt meiner Meinung nach aber noch immer aus. Oder irre ich, was denkt ihr denn darüber?

Wie tickt die Smartwatch 2018 bei dir?

Na, wie hältst du es denn mit smarten „Handgelenkgeräten“? Mach mit bei der aktuellen GIGA-Umfrage.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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