Die iWatch ist noch nicht da. Apple hat noch nicht einmal zugegeben, dass es sie überhaupt geben wird. Trotzdem muss sich jede neue Smartwatch mit dem messen, was alle Welt von Cupertino erwartet. Motorolas Moto 360 Smartwatch kommt dem Ideal verdammt nahe.

 

Apple Watch

Facts 

Google präsentierte am Mittwoch das neue Android für smarte Accessoires — oder „wearables“ — Android Wear. Zeitgleich stiegen zwei weitere Smartwatches in den noch kleinen Ring: LGs G Watch (Ersturteil: Ein schulterzuckendes „Meh“) und Motorolas Moto 360.

Letztere wollen wir einmal genauer betrachten, denn sie hat das Potential, dem iWatch-Phantom einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Moto 360

Dafür gibt es mehrere Gründe.

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Schlafüberwachung mit der Apple Watch: Mein Ratgeber für die Smartwatch

Erstens: Sie ist nicht eckig.

Uhren sind nur höchst selten eckig und schön. Die Pebble Smartwatch ist ein putziges Gimmick, aber pottenhässlich. Auch Samsungs Galaxy Gear erinnert eher an eine billige Requisite aus missglückten Science-Fiction-Streifen, denn an ein begehrtes Produkt. Entsprechend schleppend läuft der Verkauf.

Der Gedanke an Smartwatches führt daher bei den meisten Konsumenten zu nur müde unterdrückten Würgereizen. Ja, sie sind technisch weit vorne. Ja, sie summen, wenn man eine Nachricht bekommt. Ja, man kann zwischen verschiedenen digitalen oder pseudo-analogen Zeitanzeigen wählen. Nein, deswegen möchte ich mir keinen klobiges Mini-Smartphone ans Handgelenk tackern.

Motorola hat mit der 360 etwas gewagt, das vielen Technologieunternehmen kalte Schauer über den sprichwörtlichen Rücken laufen lässt. Sie haben sich an bestehendes, seit Jahrhunderten bewährtes Design gehalten und eine runde Smartwatch gebaut. Was für eine abstruse Idee!

Die Wirkung ist aber enorm. Wir denken nicht an komplizierte Technik oder überflüssiges Geek-Spielzeug. Nicht an Miniatur-Smartphones am Handgelenk. Wir denken an Armbanduhren. Ganz am Rande dürfte dies auch den so genannten „WAF“ (wife acceptance factor, trotz allen Gleichstellungsbemühungen immer noch eine wichtige Größe in beinahe allen technischen Gebieten) erheblich steigern.

Moto G 360

Grund zwei:

Sie hat keine Kamera!

Ja, auch die Abwesenheit von Features kann ein Grund sein, die Moto 360 mehr zu mögen als andere Smartwatches. Die Galaxy Gear von Samsung hat eine Mini-Kamera im Armband (Die Galaxy Gear 2 Neo spart sie sich wohlweißlich). So etwas habe ich aber in „gut“ schon im Smartphone und ohne das ist die Gear ohnehin einigermaßen nutzlos.

Es scheint also, als hätte man versucht, so viel Smartphone wie möglich auf kleinstem Raum zu vereinen. Aus den Augen verlor man dabei leider, ob das für den Anwender überhaupt Vorteile birgt. Setzen, sechs.

Die Moto 360 kommt ohne Kamera und ohne USB- oder sonstige Anschlüsse aus. Ganz recht, keine Daten und kein Strom fließt über irgendein Kabel in diese Uhr. Statt dessen werden Informationen kabellos übertragen, vermutlich durch eine Mischung aus Bluetooth und Bluetooth LE, je nach Anwendungsfall. Der Akku könnte via Induktion oder einfach durch die Bewegung des Handgelenks geladen werden.

Fokus aufs Wesentliche. Eine Uhr, relevante Benachrichtigungen zu gegebener Zeit dank Google Now. Das. Reicht.

Es ist nicht alles Gold, was metallisch glänzt

Natürlich ist auch mir klar, dass die Moto 360 weder das Maß aller Dinge, noch der Wahrheit letzter Schluss und schon gar keine perfekte Smartwatch ist. Sie ist ziemlich dick und auch rund kann klobig sein. Noch ist unklar, wie lange der Akku halten wird, ohne dass man ständig zum Macarena-Tanzen genötigt wird. Auch der Preis könnte der Uhr noch das Genick brechen. Und sie ist nur mit Android-Geräten kompatibel — für mich ein schwieriges Thema...

Nach aktuellem Stand verstehen sich Armbänder von Drittherstellern zudem nicht ohne weiteres mit der Moto 360. Die Verbindung zwischen Gehäuse und Band scheint auf proprietären Anschlüssen zu basieren. Wir wissen noch nichts zu den genauen Hardware-Spezifikationen oder auch weiteren Funktionen.

Außerdem stellt sich mir auch hier die ernste Frage, ob ich mit meiner Uhr sprechen möchte. Ebenso wenig, wie ich Siri in der U-Bahn Kommandos zurufe, sträube ich mich gegen sprachsteuerte Gadgets aller Art in der Öffentlichkeit. Ebenso wie Siri ist aber so eine Funktion etwa im Auto äußerst praktisch.

All dem zum Trotz hat allein das Konzept, wie es öffentlich ist, allen Konkurrenten gegenüber einen meilenweiten Vorsprung: Es ist eine Smartwatch für Uhrenträger, nicht für Smartphone-Enthusiasten.

Apple: Jetzt seid ihr am Zug. Ich bin gespannt.

Umfrage zur Apple Watch: Wird die Smartwatch überzeugen?

Flavio Trillo
Flavio Trillo, GIGA-Experte.

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