Amazon Echo Spot: Droht die totale Überwachung im Schlafzimmer?

Sven Kaulfuss 3

Aluhutträger und deren Gegenentwurf, blindgläubige Facebook-Trottel, können sich an einen neuen Zankapfel ergötzen: Amazon Echo Spot – harmlose Alexa-Kugel oder Todesstern der Privatsphäre? Das aktuelle Thema meiner Kolumne „Gedanken zum Wochenende“.

Amazon Echo Spot: Droht die totale Überwachung im Schlafzimmer?
Bildquelle: Amazon und Vasyl Dolmatov gettyimages.

Lautsprecher mit intelligenten Sprachassistenten erobern spätestens seit letztem Jahr die Wohnzimmer der technikbegeisterten Klientel – Amazon Echo, Google Home und demnächst Apple mit seinem HomePod. Kritik an der potentiellen Überwachungsmöglichkeit der Gerätschaften verstummt nicht, immerhin könnten böse Geister über die Mikrofone die Heimstätten der ahnungslosen Nutzer belauschen? Können sie? Die Hersteller beruhigen, verweisen auf ausgeklügelte verschlüsselte Hardware und geben dem Nutzer ebenso noch die Option, Mikrofone auch ganz abzuschalten. Dennoch: Der kleine Aluhutträger in uns mag sich mit den Erklärungen der Produzenten nicht immer zufrieden geben.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Kleine Webcam-Kugel mit Alexa schaut dich immer an!

Da erfolgt schon der nächste „Angriff“ auf die Privatsphäre, jetzt im wahrsten Sinne des Wortes im Visier: die Schlafzimmer der Deutschen, denn der neue Amazon Echo Spot ist wie gemacht fürs Nachtschränkchen und besitzt für Videotelefonie auch gleich noch einen eingebauten Bildschirm und eine Kamera. Eine Kamera? Geht Amazon jetzt zu weit, droht die absolute Überwachung? Schon 1949 beschrieb George Orwell im dystopischen Romanklassiker „1984“ einen totalitären Überwachungsstaat der seine Bürger mittels „Televisoren“ im Blick hat. Niemand wusste, ob er just im Moment von der Partei mit diesen bidirektionalen Fernsehgeräten überwacht wird, jeder Mensch war potentiell zu jeder Zeit der „Gedankenpolizei“ ausgeliefert. Ist auch der Echo Spot so ein „Televisor“? Im folgenden Video verkauft uns der Hersteller das Gerät natürlich nur mit seinen Vorteilen.

Amazon Echo Spot – Mini-Alexa mit Bildschirm vorgestellt.

Nun ist Amazon kein Staat, sondern „nur“ der weltweit größte Onlinehändler. Die Gedanken der Kunden interessieren nur insofern diese Aufschluss über etwaige Kaufwünsche zulassen. Kontrolle möchte der Händler also vor allem über unsere Kaufgewohnheiten bekommen. Schon Kindle, Fire Tablets und Fire TV waren und sind nur ein Vehikel für ein langfristiges Wachstum in Hinblick auf Marge und Umsatz. Doch kann der Anbieter auch garantieren, dass nur er Zugriff auf die Geräte erhält?

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Schon wieder meldet sich der kleine Aluhutträger in uns: Was, wenn mich jetzt nicht nur jemand hört, sondern auch noch sieht und all dies bei potentiellen Aktivitäten im Schlafzimmer? Keine schöne Vorstellung, wenngleich es Zeitgenossen gibt, die daran vielleicht auch Freude haben. Die dürfen allerdings weiterhin gerne freiwillig ihre „Erlebnisse“ auf YouPorn teilen.

Entscheidend: Allein das Gefühl der Sicherheit

Selbst wenn die Hersteller glaubhaft ihre guten Absichten versichern und Garantien aussprechen, ein mulmiges Gefühl bleibt. Diese kleine Kugel mit der Kamera schaut uns an, wir können dem Objektiv nicht entfliehen und nicht wenige fühlen sich unterschwellig beobachtet. Selbst wenn da niemand ist der zuschaut, die noch so unwahrscheinliche Chance aufs Gegenteil erschreckt uns. Doch was ist denn eigentlich mit unseren bisherigen Geräten: Smartphones, Tablets und Notebooks mit eingebauten Kameras? Die meisten Nutzer verschwenden daran keinen Gedanken, wenngleich die Zweckentfremdung der Webcam mittels Schadsoftware hier und da schon nachgewiesen wurde. Nur die wenigsten Anwender werden sich wohl die Webcam tatsächlich abgeklebt haben, oder? Der Unterschied zum Echo Spot: Die Kameras schauen uns nicht ständig an, denn ein Notebook können wir zuklappen, das Handy rücklings auf den Tisch legen, der allsehenden Kamera entkommen wir so scheinbar.

Es spielt also gar keine Rolle ob wir tatsächlich überwacht werden (können), am Ende entscheidet das eigene Sicherheitsgefühl? Dem möchte ich zustimmen. Demzufolge hat der Amazon Echo Spot einen gravierenden Designfehler, es fehlt ihm die Option das „allsehende Auge“ auszublenden. Die Kugel müsste einen Sichtschutz bekommen oder komplett ähnlich einem klappbaren Notebook gestaltet werden. Die Hardcore-Aluhutträger erreicht man damit wahrscheinlich nicht, aber zumindest den „normal beunruhigten“ Anwender. Der gibt sich gerne mit dem Gefühl der Sicherheit zufrieden, echter Schutz ist dagegen eher hinderlich und zu unbequem. Ein Fakt der nicht nur der Technikbranche schon lange bekannt ist.

Doch es gibt noch „Hoffnung“ für die Privatsphäre in Deutschland, denn nicht jeder will heutzutage unbedingt einen solchen Assistenten im Haus, wie unsere Umfrage-Auswertung (folgende Bilderstrecke) von Oktober 2017 bereits offenbarte.

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5 Bilder
F**k you Siri, Alexa und Co! GIGA-Leser erteilen Sprachassistenten eine Abfuhr.


Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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