Die Spielerfahrung

Der Moment der Wahrheit ist gekommen: Nach dem Aufbau könnt ihr das Headset endlich aufsetzen, in die virtuelle Realität abtauchen und euch von Wheatley aus Portal erklären lassen, wie das System und die Controller funktionieren. Eine Spielerfahrung, die euch schon in den ersten Minuten den ganzen Ärger beim Aufbau und Einrichten wieder vergessen lassen wird.

Ich habe schon einige VR-Erfahrungen mitgemacht, aber mich mit der HTC Vive in einem großen Raum bewegen zu können, das war anders. Was Besonderes. Anfangs setzte ich meine Füße noch total vorsichtig voreinander; ich hatte Respekt vor dem Fußboden - schließlich kann sich die virtuelle Version potentiell unter mir auflösen. Das Gefühl, dass das Gehirn deswegen an den Körper sendet, ist erstmal seltsam. Sich komplett mit den eigenen Armen und Beinen im virtuellen Raum zu bewegen und diese Bewegung dank 80 Sensoren eins zu eins mit den eigenen Augen sehen zu können, fühlt sich viel zu natürlich an, als es im ersten Moment Sinn ergibt.

In der VR-Demo The Lab treffe ich auf die Portal-Charaktere ATLAS, P-Body und GlaDOS.
In der VR-Demo The Lab treffe ich auf die Portal-Charaktere ATLAS, P-Body und GlaDOS.

Sehe ich ein Wesen, einen Gegner vor mir, gehe ich automatisch ein paar Schritte zurück, als würde im echten Leben eine Bedrohung auf mich warten. Alles ist... beeindruckend. Aber auch unheimlich, weil komplett neu und unbekannt. Wenn ich anfangs Portals The Lab spiele, um mich an die HTC Vive zu gewöhnen und plötzlich GlaDOS gegenüber stehe, dann ist das gleichzeitig so atemberaubend und gruselig real, dass man sogar die Realität vergisst.

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Gamer, die durch Videospiele richtig fit wurden

Diese krasse Immersion wird nur selten gebrochen. Zum Beispiel dann, wenn ich mich im Raum weiter bewegen muss als es meine abgesteckte Fläche zulässt. Dann versetze ich die Fläche - ähnlich einem Point & Click Adventure - mit Zeigen und anschließendem Klicken auf den Controller an eine andere Stelle des Spiels. So navigiere ich mich beispielsweise durch Rollenspiele, Adventures oder über den Minigolf-Platz. Während ihr euch daran wahrscheinlich recht fix gewöhnt, gibt es in manchen Anwendungen noch andere störende „Deal-Breaker“, die euch zurück in die echte Welt schmeißen: Clipping-Fehler und Grafik-Ruckeln. Das passiert zum Beispiel hin und wieder, wenn ich den Raum so platziere, dass Gegenstände im Weg sind. Kommt man innerhalb der Fläche mit dem Körper zu nah an diese Gegenstände ran, ruckelt die Grafik so böse, dass man sich das Headset am liebsten vom Kopf reißen will, mindestens aber kurz die Augen schließt, um sich zu fangen. Hier kommt's also ganz auf die Qualität der Spiele und der Entwicklung an.

Die HTC Vive ist allein nicht so leicht aufzusetzen, dafür aber vergleichsweise bequem.
Die HTC Vive ist allein nicht so leicht aufzusetzen, dafür aber vergleichsweise bequem.

Und wie sieht es mit dem Tragekomfort aus? Kleine Abstriche gibt's beim Aufsetzen und Bewegen. Die Brille wird mit drei Klettverschlüssen möglichst eng am Kopf befestigt. Das ist okay, denn so passt die Brille auf jede Kopfform und -größe. Leider ist das Aufsetzen und Einstellen ohne fremde Hilfe etwas mühsam. Die Controller findet man mit aufgesetzter Brille, weil sie in die virtuelle Welt übertragen werden. Aber die eigenen oder mitgelieferten Kopfhörer muss man sich anschließend schon erfühlen. Beim Spielen kommt außerdem gern mal das Kabel, dass die HTC Vive mit dem Rechner verbindet, in den Weg. Deswegen empfehle ich, ohne Schuhe zu spielen, um sofort zu merken, wann sich das Kabel um euren Fuß gewickelt hat.

Diese beiden Kritikpunkte fallen vor allem zu Beginn auf. Nach einigen Stunden mit der HTC Vive gewöhnt man sich an alles. Auch an das Headset selbst: Das könnt ihr locker 2-3 Stunden tragen, ohne dass es unbequem wird. Und das gilt selbst für Brillenträger. Ich habe die Vive einen Abend an Leo von gamona gegeben, der eine Brille trägt. Nach zwei Stunden musste ich im das Headset förmlich vom Kopf prügeln, so wohl hatte er sich gefühlt. Und das ging mir ähnlich: Obwohl ich unter Motion Sickness leide, hatte ich mir der Vive nicht die geringsten Probleme. Hier liegt der Unterschied zu den anderen Virtual-Reality-Brillen ganz deutlich im Room Scaling. Dadurch, dass sich mein Körper mit der Spielerfahrung mitbewegt, bekommt beim Gehirn kein Problem beim Zusammenbasteln von Gesehenem und Gefühltem.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr mehr zu den Spielen der HTC Vive.