Angriff auf Android Wear und watchOS: Swatch plant eigenes Betriebssystem

Stefan Bubeck 2

Eine Smartwatch mit mehr Ausdauer und besserem Datenschutz dank neuem Betriebssystem: Eine dringend notwendige Konkurrenz für Apples watchOS, Googles Android Wear und Samsungs Tizen OS – oder doch nur eine Schnapsidee? Die Swatch Group hat verkündet, ein eigenes Smartwatch-OS zu entwickeln. Markt-Analysten sind von dem Vorhaben nicht allzu begeistert.

Angriff auf Android Wear und watchOS: Swatch plant eigenes Betriebssystem
Bildquelle: Tissot / Swatch Group.

Swatch ist vielen Menschen als Lifestylemarke bekannt, die vor allem in den 80er- und 90er-Jahren mit frischen und farbenfrohen Designs die Herzen der Kunden eroberte. Aber hinter den Schweizern steht deutlich mehr: Die Rede ist von der Swatch Group SA, einem weltweit tätigen Hersteller für Uhren und Uhrkomponenten, zu dessen Portfolio neben der Marke Swatch auch Labels wie Tissot, Breguet, Glashütte Original, Rado, Omega und viele andere zu finden sind.

Zukünftige Swatch Smartwatch: Ausdauer und Datenschutz im Fokus

Der Konzern hat in letzter Zeit mit Absatzeinbußen zu kämpfen, gerade das Segment im Preisbereich von 200 bis 500 Euro hat stark nachgegeben – ausgerechnet hier sind die meisten Smartwatches, allen voran die Apple Watch platziert. Bisher waren die Schweizer in Sachen Smartwatches und Wearables noch recht zögerlich, eine Uhr mit Android Wear ist beispielsweise nicht im Programm.

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Swatchs CEO Nick Hayek hat nun verkündet, man sei dabei eine Alternative zu watchOS und Android Wear zu entwickeln. Bis 2018 soll es so weit sein, das Swatch-Betriebssystem habe zum Ziel, Uhren, Wearables und andere Geräte miteinander zu vernetzen. Die erste Uhr mit dem Swatch-Smartwatch-OS dürfte unter der Marke Tissot erscheinen, genauere Informationen liegen derzeit noch nicht vor.

Hayek verspricht einen geringeren Energieverbrauch und einen besseren Schutz der Privatsphäre im Vergleich zu den Marktbegleitern. Für beide Punkte gibt es gute Gründe, denn zum einen sind Smartwatches noch Lichtjahre von den Laufzeiten herkömmlicher Armbanduhren entfernt, zum anderen sind sie Beispiele für einen katastrophalen Umgang mit den datenschutzrechtlichen Anforderungen, wie einem Bericht der Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen zu entnehmen ist.

Luca Solca, Luxusgüter-Analyst für Exane BNP Paribas ist nicht begeistert: „Ich bin nicht überzeugt – Die Leute erwarten, dass sie die gleichen Apps, die sie mit ihren Mobiltelefonen benutzen, auch auf Smartwatches verwenden können. Ein proprietäres Betriebssystem steht dem im Wege.“

Teaser – Tissot Smart Touch 2016.

Ob die Swatch Group hier eine kluge Entscheidung getroffen hat oder sich in einen aussichtslosen Kampf gegen Tech-Giganten begibt, wird der Käufer entscheiden. Aktuell warten Kunden noch immer auf die „Tissot Smart Touch“, eine Armbanduhr mit Smart-Funktionen, die 2016 angekündigt wurde, aber bisher nicht erschienen ist.

Für die Ambitionen der Schweizer spricht der neulich präsentierte „kleinste Bluetooth-5.0-Chip der Welt“ aus der Swatch-Entwicklung. Dank seines niedrigen Energieverbrauchs soll es „zunehmend Applikationen geben, die ohne Batterie auskommen werden, weil sie sich ihre Energie aus ihrer Umwelt gewinnen werden“.

Anmerkung: Das Titelbild dieses Artikels zeigt einen Screenshot aus dem Teaservideo zur Tissot Smart Touch. Vom jetzt angekündigten Swatch-Smartwatch-OS sind noch keine Bilder veröffentlicht worden.

Quellen: Reuters, Handelszeitung (2), Wirtschaftswoche

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