Ultimative Spickzettel: Lehrer klagen über Smartwatches

Tuan Le 4

Die moderne Technik: Segen und Fluch zugleich. Lehrer und Dozenten dürften sich mittlerweile daran gewöhnt haben, ständig gegen Smartphones um die Aufmerksamkeit der Schüler zu kämpfen. Jetzt liefert die Technik-Industrie aber die nächste große Herausforderung für das Bildungswesen: Smartwatches.

Ultimative Spickzettel: Lehrer klagen über Smartwatches

Smartwatches stellen einen Trend dar, der bislang eigentlich keiner ist. Die großen Tech-Konzerne haben sich mittlerweile einhellig darauf verständigt, dass die smarten Armbanduhren den Alltag der Nutzer verbessern werden. Das Problem: So wirklich teilen die Kunden diese Meinung noch nicht – zumindest, wenn man den ausbleibenden Verkaufserfolgen nach urteilt. Vielleicht lag das Problem bislang auch einfach am Marketing: Wer will schon eine Uhr am Handgelenk tragen, die einem dank Pulsmesser und Schrittzähler ständig darauf aufmerksam macht, dass man viel mehr Sport treiben sollte?

Einige findige Unternehmen haben daher anstelle von fitnessbewussten Sportlern (beziehungsweise die, die es gerne wären) eine ganz neue Zielgruppe für Smartwatches auserkoren: Gestresste Schüler und Studenten, die ungerne Vokabeln und historische Daten auswendig lernen. In Großbritannien wird derzeit an Schulen und Universitäten Kritik laut, da einige Hersteller von Smartwatches ihre Geräte explizit als moderne Spickzettel bewerben. So verspricht man den Kunden, dass die Software sich durch die Möglichkeit des Abspeicherns von Texten, Bildern und Videos bestens dazu eigne, um bei Prüfungen zu schummeln. Andere Hersteller beschreiben Smartwatches subtiler als „Lernhilfen“ – und bieten sogleich kleine drahtlose Kopfhörer an, die man für das unauffällige Wiederholen von Lernstoff während Klausuren nutzen kann.

Smartwatches sind leicht zu erkennen – zumindest noch

Die Verärgerung der Lehrer und Dozenten ist nachvollziehbar: Während Klausuren und Prüfungen gibt es nun eine weitere potenzielle Spickgefahr, auf die sie vermehrt achten müssen. So wie es aussieht, könnten Armbanduhren in Zukunft komplett aus dem Hörsaal verbannt werden, sobald eine Klausur ansteht: Schon jetzt achten Dozenten und Lehrer vermehrt darauf, ob es sich bei den Zeitanzeigern am Handgelenk der Schüler wirklich um eine analoge Uhr oder eine Smartwatch handelt.

Glücklicherweise ist der Unterschied derzeit noch selbst für Laien ohne Probleme erkennbar. Eine Moto 360 oder eine Gear S2 werden die meisten vermutlich sofort als Smartwatch identifizieren können. Je weiter sich die Uhren allerdings entwickeln, desto schwieriger könnte es in Zukunft werden, normale Uhren von Smartwatches zu unterscheiden. Ein sehr „analog“ aussehendes Modell stellte etwa jüngst der Uhrenspezialist TAG Heuer vor. Mit einem transparenten Display, unter dem ein echtes Zifferblatt liegt, wäre die Illusion vermutlich perfekt.

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Liegt der Fehler vielmehr im Bildungssystem?

Im Zuge der Diskussion um die Smartwatches wird auch immer mehr die Meinung laut, die das Bildungssystem selbst kritisiert. Im Jahr 2016, wo Informationen über Smartphones (oder eben Smartwatches) geradezu allgegenwärtig abgerufen werden können, sei das einfache Auswendiglernen von Informationen ohnehin kein geeigneter Weg, um Schüler und Studenten zu prüfen.

Vielmehr sollte der Unterricht beziehungsweise die Vorlesung dazu antreiben, das Thema eigenständig zu bearbeiten, Zusammenhänge zu erkennen und das erlernte Wissen sinnvoll anwenden zu können. Wenn eine Smartwatch am Handgelenk also ausreicht, um eine gute Note in der Klausur zu erhalten, dann liegt der Fehler im System und nicht bei den Studenten. Dass diese beim Lernen stets den Weg des geringsten Widerstands gehen, sollte schließlich schon seit der Erfindung herkömmlicher Papier-Spicker bekannt sein.

Quelle: BBC News via SPIEGEL Online

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