Time Capsule

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Time Machine mag eine der interessantesten Neuerungen in Mac OS X 10.5 sein, doch ist Time Capsule auch das interessanteste Zubehör für den Mac? Der Router mit eingebauter Festplatte, den Apple auf der Macworld Expo vorgestellt hat, führt in Deutschland bereits seit einigen Wochen die Bestseller-Liste im Apple Store an. Dem MacBook Air, dem derzeitigen US-Kassenschlager, stellt es den Speicherplatz zur Verfügung, der im Gerät selbst nicht steckt – kabellos, so wie es sich für den Luftikus gehört. Doch was lässt sich mit Time Capsule noch alles anstellen und wo liegen die Einschränkungen? macnews.de beantwortet zehn häufige Fragen.

Time Capsule – noch nie gehört. Was ist das überhaupt?

Man nehme eine aktuelle Airport Extreme-Basisstation, vergrößere das Gehäuse und packe noch eine Festplatte hinein, fertig ist Time Capsule. Über den integrierten Speicherplatz hinaus kann das Gerät genau das, was auch Apples aktuelle Airport Extreme-Station fertig bringt: Anwender können ein 802.11n-Netzwerk aufbauen und über die integrierte USB-Schnittstelle sogar einen Drucker ansprechen und für alle Computer im Netzwerk freigeben. Zusätzlich lassen sich über Time Capsule allerdings auch Time Machine-Sicherungen im Netzwerk anfertigen, die Namensverwandschaft kommt nicht von ungefähr. Die Airport Extreme-Station kann das derzeit nicht: Apple hat die ursprünglich geplante Funktion in Time Machine versteckt, ohne ein Firmware-Update der Basisstation könnte es zu Datenverlusten kommen (wir berichteten). Ob Apple plant, in Zukunft auch Time Machine-Sicherungen über eine Airport Extreme-Station zu erlauben, ist nicht bekannt. Der Hersteller schweigt und Time Capsule verkauft sich.

Was brauche ich für Time Capsule?

Wer Time Machine gemeinsam mit Time Capsule einsetzen will, muss auf dem zu sichernden Mac Leopard in Version 10.5.2 installieren. Für die Konfiguration des Geräts sind die Anforderungen geringer, dafür setzt Time Capsule aber immerhin noch mindestens Mac OS X 10.4 voraus. Falls man für die Station die Netzwerkverschlüsselung WPA2 ausgewählt hat, benötigt man zum Zugriff darauf mindestens einen Mac mit Airport Extreme-Karte. Zudem ist es empfehlenswert, größere Dateisicherungen übers kabellose Netzwerk nur dann durchzuführen, wenn der Mac auch den neuen 802.11n-Standard beherrscht – es könnte sonst sein, dass er auf Grund der langsamen Datenübertragung gar nicht mehr aus dem Sichern herauskommt.

Wie lässt sich Time Capsule im Netzwerk einsetzen?

Time Capsule lässt sich als eigenständiger Router verwenden, an den man beispielsweise sein DSL Modem hängt. Ersetzt das Gerät einen bestehenden Router, so kann es bei der Einrichtung selbständig versuchen, dessen Einstellungen zu übernehmen. Wie jeder Router kann sich Time Capsule auch in ein bestehendes Netzwerk einbinden und dessen Reichweite erweitern. Ein leicht verständlicher Assistent hilft bei der Einrichtung.

Kann man eine externe Festplatte an Time Capsule anschließen?

Ja, über die USB-Schnittstelle der Station ist das kein Problem. Besonders ärgerlich stimmt Airport Etxreme-Besitzer dabei die Tatsache, dass Time Machine nicht nur problemlos auf die interne Festplatte der Time Capsule sichert, sondern auch auf extern per USB angeschlossene Platten. Time Capsule-Besitzer sollten wissen, das die Datenübertragung von der internen auf die externe Festplatte und andersherum immer über den steuernden Mac erfolgt, die Dateien also alle übers Netz geschickt werden und deshalb viel Zeit bis zum Ziel benötigen.

Lässt sich das Gerät denn auch als Netzwerk-Festplatte verwenden oder nur zum Sichern?

Die Festplatte in Time Capsule wird in Mac OS X als Netzwerkspeicher angezeigt und lässt sich auch so verwenden. Die Möglichkeit, per Time Machine Backups darauf zu sichern, kommt hinzu.

Was passiert, wenn während eines Backups auf Time Capsule die Verbindung verloren geht?

Dann macht die Sicherungssoftware genau da weiter, wo sie unterbrochen wurde – sobald die Verbindung wieder steht. Dabei spielt keine Rolle, ob der Anwender seinen Mac ausgeschaltet hat oder das Netzwerk temporär ausgefallen ist.

Lässt sich Time Capsule auch per Kabel an einen Mac anschließen?

Über den Netzwerk-Port kann man das tun, über die USB-Schnittstelle aber nicht. Allerdings reicht die Übertragungsgeschwindigkeit über Gigabit-Ethernet an die USB-Schnittstelle nahezu heran. Wer unbedingt direkt auf die Festplatte zugreifen muss, der kann auch das Gehäuse aufschrauben und die Platte per SATA an seinen Mac anschließen. Nur so lässt sich die Festplatte partitionieren: Time Capsule kann mit mehreren Partitionen umgehen, auch wenn die Konfigurationssoftware diese Möglichkeit nicht vorsieht.

Da die erste Time Machine-Sicherung oft mehrere hundert Gigabyte groß ist, kann dabei ein Kabel Wunder wirken: Schließen Sie Time Capsule beim ersten Mal doch per Gigabit-Netz an ihren Mac an, falls er diesen Standard beherrscht – Sie werden viel Zeit sparen.

Nicht alle Anwender im Netzwerk sollen Time Capsule benutzen dürfen. Wie kann ich den Zugriff verhindern?

Teilweise lässt sich der Zugriff auf Time Capsule einschränken, besonders fein einstellen lässt er sich aber nicht. Zwar kann man ein Passwort für den Zugriff auf die Festplatte definieren und auch eine Liste von Anwendern, die entweder Lese- oder auch Schreibrechte erhält. Damit hat es sich dann aber auch schon: Weder lassen sich für einzelne Ordner oder Dateien Rechte festlegen, noch kann man Drop-Boxen anlegen, in die ein Netzanwender nur schreiben kann, ohne den Inhalt zu sehen.

Lässt sich der Speicherplatz beschränken, den Time Machine für Datensicherungen zur Verfügung hat?

Nein – und das ist sicher einer der am häufigsten geäußerten Kritikpunkte. Time Machine legt immer so lange Backups an, bis eine Festplatte voll ist. Dann kann die Backup-Software im Bedarfsfall vor jeder Sicherung das jeweils letzte Backup löschen, um Platz zu schaffen. Auch Time Capsule ändert daran nichts und bietet keine Optionen, die den Speicherhunger der Sicherungslösung beschränken könnten. Es bleibt die Lösung, die interne Festplatte nach dem Ausbauen mit Hilfe eines Macs zu partitionieren. Apple empfiehlt hingegen, für Time Machine freigegebene Festplatten stets ausschließlich für Backups zu verwenden. Das Sichern von mehreren Macs aus ist hingegen kein Problem – sofern der Platz reicht.

Lässt sich nur im lokalen Netzwerk auf ein Time Capsule-Laufwerk zugreifen oder auch weltweit übers Internet?

Der Zugriff übers Internet klappt, zumindest theoretisch und wenn der Anwender ein kostenpflichtiges .Mac-Abonnement abgeschlossen hat: Die Grundlage dafür ist „Wide Area Bonjour“, Time Capsule beherrscht diese Technik, auf der auch „Back to My Mac“ beruht. Allerdings dokumentiert Apple die Funktion im Moment noch nicht und so gibt es bis auf einen Eintrag in den Einstellungen der Time Capsule-Station bislang noch keine Anhaltspunkte, wie man dieses Feature einschaltet.

Bild aus dem Film: The Time Machine, 1960

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