DVB-T2 HD: So kannst du weiterhin Antennenfernsehen nutzen

Sebastian Trepesch
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In der Nacht vom 28. auf 29. März wird das bisherige Antennenfernsehen DVB-T abgeschaltet, die bisherigen Empfänger werden Elektroschrott. Das Ablöseformat ist in Deutschland – über die Antenne – alternativlos: DVB-T2 HD. Unser aktualisierte Überblick:

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Was ist DVB-T2 HD?

Ab 29. März 2017 ersetzt der neue Fernsehstandard in den meisten Gebieten das bisherige terrestrische Fernsehen: In der Nacht und am Vormittag wird man für ein paar Stunden überhaupt kein Signal empfangen. Bis zum Mittag soll die Umstellung abgeschlossen sein – dann kann man einen Sendersuchlauf starten. Der ist erforderlich, selbst wenn man schon in den letzten Monaten, in der Testphase, DVB-T2 HD nutzte. 

Wer im Empfangsgebiet ist und die entsprechende Hardware besitzt (siehe unten), kann sich über eine wesentlich bessere Bildqualität als bisher freuen: Full HD mit 1080p50 (also 50 Bildern pro Sekunde).  Zudem kommt mit H.265 (HEVC) ein besserer Codec zum Einsatz. Übrigens: Das Signal wird in jedem Falle in HD-Qualität ausgestrahlt, selbst wenn der Sender die Inhalte nur in SD-Qualität anliefert.

Die Umstellung machte die Neuvergabe der Frequenzen sowie der Wunsch nach besserer Auflösung notwendig. Wer TV über Satellit, Kabelfernsehen oder Internetstreams nutzt, für den ändert sich nichts.

Empfangsgebiet von DVB-T2 HD

Von Vollabdeckung kann keine Rede sein: DVB-T2 HD wird zu Beginn weder das gesamte Bundesgebiet noch das bisherige DVB-T-Gebiet abdecken. In manchen Regionen wird der alte Standard vorübergehend weiterlaufen. Wer von der ersten Umstellung betroffen ist, wird in den letzten Wochen schon zahlreiche Einblendungen im Programm gesehen haben, die vorwarnten. Außerdem gibt es einen Empfangs-Check im Web.

Einige Regionen, darunter Dresden, Freiburg und Kassel, werden erst mit der Ausbaustufe von November 2017 abgedeckt. Auch dann wird es noch weiße Flecken auf der Empfangskarte von DVB-T2-HD geben, die meisten Ballungszentren werden aber versorgt werden.

Über DVB-T2 HD empfangbare Sender

Über DVB-T2 HD werden 40 Sender ausgestrahlt: 20 öffentlich-rechtliche (Das Erste, ZDF, 3sat, Kika, arte etc.) und 20 private (RTL, ProSieben, Sat.1, Vox etc.). Die vollständige Liste:

Achtung: Die Privatsender werden verschlüsselt ausgestrahlt und gemeinsam als freenet TV vermarktet. Um sie ansehen zu können, ist neben kompatibler Hardware die Buchung eines Abos notwendig (siehe unten).

Zusätzlich zu den genannten 40 Programmen können – sofern es die Hardware unterstützt – über das Internet 20 weitere Kanäle als freenet TV connect gestreamt werden.

freenet TV: Ohne Abo keine Privatsender

Hauptkritikpunkt an der Umstellung auf DVB-T2 HD: Nur die öffentlich-rechtlichen Sender sind fortan frei empfangbar, die Finanzierung erfolgt über die Rundfunkgebühr. Für die Privatsender fällt nach drei Monaten eine Abogebühr in Höhe von  an (alternativ inklusive Receiver-Miete 7,99 Euro). Technischer Dienstleister für öffentliche wie private Sender ist Media Broadcast, der die Abo-Sender unter der Marke „freenet TV“ vertreibt. Das Abo gibts als Monats- und Jahresoption.

Inakzeptabel für Haushalte mit mehreren Fernsehern: Das Abo ist gerätebezogen. Wer auf mehreren Fernsehern freenet TV nutzen möchte, benötigt aktuell mehrere Abos. Der Anbieter überlegt, zukünftig eine Haushaltslösung anzubieten.

Neue Hardware für DVB-T2 HD erforderlich

Der neue Standard ist nicht mit den bisherigen Empfängern kompatibel. Wer sich einen DVB-T2-HD-Tuner oder Fernseher kaufen möchte, sollte auf das grüne Logo DVB-T2 HD und freenet TV achten. Ersteres garantiert die Kompatibilität, freenet TV bedeutet: Dieses Gerät besitzt den Decoder, mit dem die privaten Programme mit dem Abo empfangen werden können. Besitzt der Fernseher einen CI+-Slot, reicht statt eines Receivers das 

Die Stiftung Warentest hat sich zwei Empfänger angesehen, die an ein TV-Gerät angeschlossen werden können. Ergebnis: Das HD-Bild war bei beiden Receivern gut. Einschränkung des : Hiermit lassen sich keine Bezahlprogramme empfangen, der deutlich bietet dagegen den CI-Slot für den .

Zusammen mit einem Zwei-Jahres-Abo für freenet TV gibt es als Startaktion einen guten Samsung-Receiver sehr günstig:  

Für iOS sind aktuell leider noch keine Receiver auf dem Markt, die die Verschlüsselung der Privatsender unterstützen. Auf Android soll dank eines Updates ein unverschlüsseltes TV anbieten – allerdings laut Käufern wohl nicht befriedigend. Für Mac gibt es die öffentlich-rechtlichen Sender über – der funktioniert gut, wir haben ihn ausprobiert. Alle Sender gibt es mit dem freenet TV USB-Stick, seit wenigen Tagen für Mac und Windows erhältlich:

Achtung: Nicht auf Verkäufertricks hereinfallen, die Ladenhüter loswerden möchten: DVB-T2-Geräte sind nicht kompatibel mit DVB-T2 HD

Was benötigt man für DVB-T2 HD? Hier die Zusammenfassung:

Gewünschte Sender Notwendige Hardware
ARD, ZDF und weitere öffentlich-rechtliche mit Unterstützung von DVB-T2 HD (vereinzelt gekennzeichnet als: „DVB-T2 mit HEVC“)
ARD, ZDF und weitere öffentl.-rechtl. plus
RTL, SAT.1, ProSieben und weitere private
 mit Unterstützung von DVB-T2 HD (s.o.) und freenet-TV-Unterstützung oder
 mit Unterstützung von DVB-T2 HD (s.o.) und CI+-Slot plus jeweils plus   (bis 30.06.2017 kostenlos, dann Monatsgebühr von ).

Alternativen zu DVB-T2 HD

Als Alternative zu DVB-T2 HD gibt es Satellitenfernsehen, Kabelfernsehen und Streaming über das Internet. Telefonanbieter bieten Pakete an, besonders populär sind Dienste wie Zattoo und Magine TV.

Besonders vorteilhaft sind die Internetdienste für die, die auf mehreren Geräten Fernsehen aufrufen möchten, da bei freenet TV das Abo gerätebezogen bezahlt wird. Andererseits benötigt man eine solide Internetverbindung, womit die Nutzung unterwegs aufgrund begrenzter Datenvolumen kaum möglich ist.

Ursprünglicher Artikel vom Sommer 2016, aktualisiert auf den aktuellen Stand im März 2017

Weitere Themen: freenet TV USB TV-Stick, freenet TV, freenet TV connect

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