Auf die Details kommt es an: So entsteht eine gute Videospiel-Story

Lisa Fleischer

Auch wenn Multiplayer-Spiele klar im Vormarsch sind, gibt es immer wieder einzelne Singleplayer-Perlen, die Dich mit ihrer packenden Story verzaubern. Wie eine solche packende Geschichte entsteht und was beim Schreibprozess besonders wichtig ist, darüber habe ich mit dem Entwickler-Team von Dishonored 2 gesprochen.

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Dishonored 2, Deus Ex: Mankind Divided und Uncharted 4: Spiele, die in diesem Jahr ihr Debüt gefeiert haben. Und die vor allem wegen ihrer packenden Geschichte besondere Erfolge verzeichnen konnten. Doch wie entstehen überhaupt diese Geschichten, auf welche die Games aufbauen? Und wie gehen die Autoren sicher, dass sie mit dem fast noch elementareren Gameplay des Spiels harmoniert?

Darüber habe ich mit Harvey Smith und Sachka Duval gesprochen. Smith, der zuvor unter anderem an Deus Ex gearbeitet hat, ist Creative Director bei Arkane Studios, während Sachka Duval als Lead Narrative Designer vor allem für das Story Writing bei Dishonored 2 zuständig war. Die beiden schilderten mir, wie eine Geschichte für Videospiele entsteht, was beim Schreiben einer guten Story nicht wegzudenken ist und wie nach dem Writing die Geschichte visuell umgesetzt wird.

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Damit der komplexe Entstehungsprozess der Geschichte von Dishonored 2 für Dich übersichtlicher sind, habe ich den folgenden Text in unterschiedliche Phasen unterteilt. Das heißt aber nicht, dass eine Geschichte strikt chronologisch entsteht. So erzählt Sachka Duval, dass die einzelnen Szenen oft mehrmals überarbeitet oder sogar neu geschrieben werden müssen.

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Phase 1: Ideen und Konzept

Bevor es aber überhaupt zum Schreiben der Story kommt, müssen sich die beteiligten Entwickler erst einmal einigen, um was sich das Spiel thematisch drehen soll. Im Fall von Dishonored 2 war diese Entscheidung verhältnismäßig einfach, handelt es sich doch um eine Fortsetzung des ersten Teils. Auch wenn sich das Setting und die Charaktere verändert haben, die Grundstimmung und die Gegebenheiten, die dem ersten Teil zu Grunde liegen, bleiben doch ähnlich. Dennoch werden natürlich auch neue Ideen benötigt.

An der Ideenfindung sind nicht nur die eigentlichen Story-Writer beteiligt, sondern auch das Art Team, die Level-Designer und Game-Designer. Gemeinsam mit diesen Teams wird besprochen, welche Voraussetzungen das Spiel hat. „Zum Beispiel müssen wir die Anzahl der einzigartigen Charaktere, die wir schaffen dürfen, oder Orte, an denen bestimmte Gameplay-Mechaniken möglich sind, genau planen“, erklärt Duval.

Anschließend werden verschiedene Recherchen zur Geschichte und dem Setting angestellt. Auch, wenn sich die meiste Inspiration in anderen Videospielen wie Thief und Deus Ex, dem Buch Limehouse Nights von dem britischen Autor Thomas Burke und Filmen wie Gangs of New York und Das Parfüm finden lassen, basiert Dishonored 2 doch teilweise auf wahren Begebenheiten. So erkundigte sich das Team von Harvey Smith unter anderem nach Todesursachen und Baustilen aus dem 18. Jahrhundert, um das Spiel trotz des fiktionalen Settings so realistisch wie möglich zu gestalten.

Phase 2: Ideen-Auswahl

Nachdem genügend Ideen für das Spiel gesammelt und die Recherchen abgeschlossen wurden, geht es an die engere Auswahl der Ideen. Die werden vor allem danach gefiltert, ob sie zum Gameplay, der allgemeinen Stimmung und den Werten im Spiel passen. „Wir haben eine sehr wichtige Regel“, beschreibt Sachka Duval. „Lasse nichts in einer Cutscene passieren, das nicht auch während einer Gameplay-Phase geschehen könnte, beziehungsweise lasse nichts geschehen, was die Spieler nicht hätten verhindern können.“ Schließlich ist es wichtig, dass der Charakter vor allem während dieser Cutscenes glaubhaft bleibt.

Im Fall von Dishonored 2, in dem Dein Spielstil die Geschichte entscheidend beeinflusst, muss darum jeder einzelne Story-Fetzen auf Dein Verhalten angepasst werden. „Wir brauchen also Variationen in den Einzeilern und Dialogen, die reflektieren, ob die Spieler nun recht freundlich und vor allem schleichend vorgehen oder ob sie brutale Mörder sind.“ Letztlich müssen Gameplay und Story ein stimmiges Gesamtkonzept ergeben – alle Ideen, die dies nicht unterstützen, werden herausgefiltert.

Da Dishonored 2 spielerisch natürlich zum ersten Teil passen muss, ist auch wichtig zu entscheiden, welche Gameplay-Mechaniken und Geschichten aus dem alten Teil in den neuen überführt werden und was komplett neu gemacht wird. Laut Harvey Smith war dies vor allen Dingen ein eher intuitiver Prozess.

Auf der nächsten Seite liest Du, wie der eigentliche Schreibprozess abläuft, wie die Story anschließend animiert wird und was bei der Nachbearbeitung zu beachten ist.

Weitere Themen: Dishonored, Bethesda Softworks

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