Hidden Agenda im Test: Kein Spiel für schwache Nerven

Kamila Zych

Zwei Jahre nach dem Release von Until Dawn haben sich die Entwickler erneut an ein Spiel herangewagt, dessen Verlauf von deinen persönlichen Entscheidungen abhängt. Dieses Mal löst du, allein oder mit Freunden, einen mittlerweile fünf Jahre zurückliegenden Fall um einen Serienkiller. Hier heißt es: Schnell reagieren und einen kühlen Kopf bewahren – sonst endet die Geschichte schon bevor sie richtig angefangen hat.

Welleneffekt, Substantiv, ausbreitende Auswirkung eines Ereignisses oder einer Aktion. Jede Entscheidung, die du triffst, verändert die Zukunft. Manche haben Auswirkung auf die Beziehung von Personen. Andere schlagen Wellen, die alles verändern. Wähle weise.“

Wie oft hast du dir schon gewünscht, dich in einen Film einmischen zu können, nur um den Protagonisten vor einer leichtsinnigen Entscheidung zu bewahren? Tatsächlich macht es Hidden Agenda möglich, in das Geschehen einzugreifen, nur ob deine Entscheidung letztendlich auch die Richtige war, das zeigt sich im Laufe des Spiels – denn so gut wie jede Handlung bringt Konsequenzen mit sich.

Im Spiel begleitest du die beiden Protagonistinnen Becky Marney und Felicitas Graves, wie sie dem neu aufgerollten „Trapper“-Fall auf die Spur gehen, um den wahren Serienmörder zu fassen. Marney ist Polizistin im Morddezernat und scheint in ihrem Distrikt alles andere als beliebt zu sein. Seit einer unglücklich verlaufenen Ermittlung vor fünf Jahren wird sie beschuldigt, Beweise manipuliert zu haben und versucht nun ihren Ruf reinzuwaschen. Sie hat damals den heute zum Tode verurteilten Jonathan Finn verhaftet, welcher gestanden hat, der Trapper zu sein, nun jedoch auf seine Unschuld pocht. Graves ist Staatsanwältin und war für die Trapper-Gerichtsverhandlung zuständig.

Ziemlich knifflig – nicht nur der zu lösende Fall

Anders als beim Vorgänger Until Dawn kannst du dich, zumindest was die Steuerung angeht, zurücklehnen. Deinen Controller brauchst du bei Hidden Agenda nämlich nicht. Sobald du dir die kostenlose App gedownloadet hast, ist das einzige Instrument, was du benötigst, dein Smartphone. Dieses stellt zum einen ein sogenanntes Logbuch dar, in dem du die Biografien der einzelnen Charaktere sehen und den Verlauf der Geschichte bzw. deiner Entscheidungen verfolgen kannst. Zum anderen fungiert es als eine Art Zeiger-Medium, das ein wenig an ein kleines Grafiktablet erinnert.

Die Steuerung ist zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig: Das senkrechte Display deines Smartphones bietet dir eine relativ begrenzte Fläche, um auf dem horizontal ausgerichteten TV-Bildschirm zu agieren. Das erschwert die Suche nach Hinweisen oder das schnelle Reagieren bei Quick-Time-Events enorm.

Der Gameplay-Trailer von Hidden Agenda simmt dich auf die düstere Atmosphäre des Spiels ein:

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Hidden Agenda: Gameplay Trailer - PlayLink für PS4

Hidden Agenda lässt dich zwischen zwei Spielmodi wählen: Storymodus oder Wettkampfmodus. Der Storymodus bietet dir – wie der Name schon vermuten lässt – ein interaktives Blockbuster-Erlebnis, welches sich ausschließlich auf die Geschichte und deine persönlichen Entscheidungen konzentriert. Das Stichwort „Blockbuster“ ist in dem Fall ziemlich treffend, denn das Spiel nimmt im Durchschnitt, ähnlich wie ein TV-Film, gut zwei Stunden Zeit in Anspruch. Das stellt eine angenehm kurze Spielzeit dar, vor allem wenn du in großer Runde spielst. Dafür bietet sich der Wettkampfmodus an, in welchem bis zu sechs Spieler gegeneinander antreten können. Die Geschichte unterscheidet sich nicht von der aus dem Storymodus, was hier jedoch hinzu kommt sind sogenannte Geheimaufträge, die das Spiel tatsächlich zu einem kleinen Wettbewerb machen.

Die Geheimaufträge fordern dich auf, das Geschehen in eine gewisse Richtung zu lenken, indem du z. B. deine Mitspieler (direkt oder indirekt) davon überzeugst eine bestimmte, hin und wieder moralisch fragwürdige Entscheidung zu treffen. Zugegeben, wenn du gewinnen möchtest, musst während des Wettkampfmodus deinen Sinn für Moral und Gerechtigkeit ein Stück weit ausblenden. Außerdem spielt der „richtige“ Ausgang der Story hier eine weniger ausschlaggebende Rolle – wobei in Hidden Agenda ohnehin eine Vielzahl von Enden möglich sind. Wenn du also mit dem Ende im Wettkampfmodus nicht zufrieden bist, bleibt dir noch immer der Storymodus, in dem du nach deinem ganz persönlichen Bauchgefühl entscheiden kannst.

Im folgenden Video erklären die Entwickler von Super Massiv Games u. a. wie der Wettkampfmodus funktioniert:

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Hidden Agenda: Gameplay Walkthrough mit den Entwicklern

Wenn du Spiele wie Heavy Rain oder Until Dawn mochtest, wirst du auch die Atmosphäre in Hidden Agenda lieben. Das Spiel nimmt dich sofort in seinen Bann und du fühlst dich tatsächlich wie ein echter Detektiv, der auf der Suche nach der Wahrheit ist. Einzig die Quizmaster-artige Off-Stimme, die sich zwischendurch zu Wort meldet, schafft es, diese Atmosphäre für einen kurzen Moment zu zerstören. Und ja, auch die Sychronisation und Animation lassen stellenweise zu wünschen übrig.

Ähnlich wie in Life is Strange bewirken einige der getroffenen Entscheidungen sogenannte „Schicksalsmomente“, die ausschlaggebend für den Verlauf der Geschichte sein sollen. Dabei kann es teilweise so sein, dass selbst ein einzelnes verpasstes Quick-Time-Event, den bisher mühevoll aufgebauten Handlungsstrang über Bord schmeißt und damit auch jegliche Chance, den wahren Trapper zu finden flöten geht. Das kann ziemlich frustrierend sein, zumal dir das Spiel nicht die Möglichkeit gibt, eine bestimmte Szene zu wiederholen.

Nicht nur die Entscheidungen in Hidden Agenda machen uns zu schaffen:

15 Entscheidungen, die uns wirklich ALLES abverlangt haben

Im schlimmsten Fall musst du das Spiel komplett neu starten und hoffen, es dieses Mal nicht zu versauen. Trotzdem lohnt es sich, das Spiel öfter durchzuspielen, weil jede noch so belanglose Entscheidung zu einem ganz anderen Ende führen kann.

Zusammenfassung und Fazit

Obwohl Hidden Agenda zu Sonys Playlink-Reihe gehört und sich damit neben Spielen wie That’s You und Wissen ist Macht einreiht, ist es doch ganz anders. Es wirkt nicht wie ein klassisches Party-Spiel, sondern vermittelt dir eher das Gefühl eines DVD-Abends mit ein paar Freunden. Wenn auch eines ziemlich nervenaufreibenden DVD-Abends, um ehrlich zu sein. Hier kannst du dir aber zumindest sicher sein, dass niemand zwischendurch einschläft – dafür ist die Story viel zu packend.

GIGA-Games_TEST-Hidden-Agenda

Die Story und Atmosphäre von Hidden Agenda werden leider von zahlreichen technischen Mängeln überschattet, angefangen bei fehlenden Speicherplätzen, zeitweisen Verbindungsproblemen bis hin zu der Tatsache, das jedes Mal, wenn ein neuer Spieler dem Wettkampfmodus beitreten will, ein neues Spiel gestartet werden muss. Schade auch, dass du dich aufgrund der kurzen Spielzeit schwer mit den einzelnen Charakteren identifizieren kannst, was ihnen schlussendlich auch viel an Tiefe nimmt.

Lässt du dich von diesen Makeln jedoch nicht allzu sehr irritieren, stellt sich Hidden Agenda mit seinem innovativen Ansatz und der packenden Story als durchaus gutes Casual Game heraus. Ob für einen abwechslungsreichen Spielabend mit Freunden oder als Alternative zum TV-Blockbuster – das Spiel wird in diesem Fall die wenigsten enttäuschen.

Wird dir gefallen, wenn du Spiele wie Until Dawn, Heavy Rain oder Life is Strange mochtest und eine Alternative zu herkömmlichen Party-Spielen suchst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du kein Fan von kurzen Spielen bist und Games mit tiefgründigen Charakteren magst.

Wertung

7/10
Getestet von Kamila

Hidden Agenda ist ein Party-Spiel der etwas anderen Art. Trotz vieler kleiner Makel überzeugt es dennoch mit seiner düsteren Atmosphäre, der packenden Story und einer guten Portion Nervenkitzel.

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