Layton's Mystery Journey im Test: Wir lösen jedes Rätsel – mit Bauchgefühl

Lisa Fleischer

Level-5 hat Professor Layton hinter sich gelassen und wendet sich im neusten Teil vielmehr seiner Tochter Katrielle Layton zu. Ob der Serie damit neues Leben eingehaucht wird oder die Lücke, die der Professor hinterlassen hat, nicht geschlossen werden kann, verrate ich in unserem Test.

Zu wenig Zeit zum Lesen des ganzen Tests? Eine Zusammenfassung findest du ganz am Ende des Artikels. 

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Layton's Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre – Release Trailer
Mit dem sperrigen Titel Layton’s Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre bringt Entwickler Level-5 zum ersten Mal in der Geschichte der Serie einen vollwertigen Layton-Titel nicht nur auf den 3DS, sondern auch auf dein Smartphone. Zwar fehlen darin Professor Layton und sein treuer Assistent Luke, dafür begleitest du seine Tochter Katrielle, ihren Assistenten Ernest und den sprechenden Hund Sherl auf den ersten Schritten ihres eigenen Detektiv-Büros.

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In großen Fußstapfen

Unter dem Slogan „Wir lösen jedes Rätsel“ macht sich das ungleiche Trio drauf und dran, zwölf voneinander mehr oder weniger unabhängige Mysterien aufzuklären. Dabei geht Katrielle methodisch ganz anders vor als ihr Vater. Während dieser nämlich vor allem logische Schlüsse zog, verlässt sie sich voll und ganz auf ihr Bauchgefühl. Das merkst du nicht nur daran, dass Katrielle sich keine Gelegenheit entgehen lässt, sich den Bauch vollzuschlagen. Vor allem, wenn es an die für die Serie typischen Rätsel geht, wird ihr unorthodoxer Stil sichtbar.

Entgegen jeder Logik

Gleich mehrmals begegnen mir Rätsel, die auf den ersten Blick knifflig aussehen, deren Lösung aber so trivial ist, dass ich sie erst gar nicht in Betracht ziehe. So muss ich bei einem zum Beispiel ausrechnen, wie lange ein Mädchen, das zwei Schritte pro Sekunde schafft, mindestens braucht, um ihre Schwester einzuholen. Diese schafft nur einen Schritt pro Sekunden, hat dafür aber auch schon 100 Meter Vorsprung. Die mathematisch richtige Lösung wäre 100 Sekunden. Das ist aber falsch.

Erst in der Auflösung wird mir dann verraten, dass ihr Ziel nur 100 Meter entfernt ist, sie also 50 Sekunden braucht, um die Schwester einzuholen. Mich haben solche Rätsel regelmäßig auf die Palme gebracht und mir leider auch ein bisschen den Spaß an Layton’s Mystery Journey genommen. Darüber trösten mich auch nicht die zahlreichen gut gemachten Rätsel hinweg, die es in Layton’s Mystery Journey auch gibt.

Charmant wie immer

Allerdings passen die unlogischen Rätsel perfekt zu Katrielles Charakter und Entscheidungen. Schließlich folgt auch sie selten logischen Konsequenzen. So will sie in ihrem ersten Fall lieber eine Feinkostbäckerei besuchen, als weiter an der Lösung zu arbeiten. Ganz zufällig stolpert sie dabei natürlich über den nächsten Hinweis. Auch die anderen Hauptcharaktere haben ihre Ecken und Kanten: Ernest ist Romantiker durch und durch sowie unsterblich in Katrielle verliebt, Hund Sherl hat sein Gedächtnis verloren und ist in jeder Sekunde zynisch, aber nie auf eine böse Art.

Genau diese verschrobenen Eigenschaften und Geschichten machen Layton’s Mystery Journey zu einem vollwertigen Layton-Titel. Hershel Layton, der mir in den vergangenen Teilen so ans Herz gewachsen ist, fehlt mir schon kurz nach dem Beginn nicht mehr, habe ich in den neuen Charakteren doch einen vergleichbaren Ersatz gefunden.

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Auch die ausladenden Dialoge, von denen du dich nicht abschrecken lassen darfst, die malerischen Cutscenes im Anime-Stil und der tolle Soundtrack aus den vergangenen Teilen, der dem Spiel eine Studio-Ghibli-ähnliche Atmosphäre verleiht, sind wieder mit von der Partie.

Die ersten Schritte als Mobile-Spiel

Wie der grobe Aufbau des Spiels hat sich auch das Gameplay seit 3DS-Zeiten nicht verändert. Auch bei der mobilen Version ist der Bildschirm in zwei Hälften aufgeteilt, die obere zeigt dir die Umgebung, Dialoge und Erklärungen an, nur auf der unteren sind Eingaben möglich. Das Suchen der gut versteckten Hinweismünzen und die Eingabe von Lösungen gestalten sich auf dem Smartphone durch das Fehlen des Touchpens etwas schwieriger als bei der 3DS-Version. Dafür sind auf der mobilen Version die Farben prächtiger und die Texturen schärfer.

Die Mobile-Version kostet etwas weniger als die 3DS-Fassung, dafür bietet sie dir aber auch weniger Rätsel und Outfits für Katrielle. Willst du den vollen Spielumfang genießen, musst du dir diese Outfits inklusive Rätsel per In-App-Kauf holen. Beim 3DS hingegen ist beides inklusive. Ein weiterer Nachteil der Smartphone-Version: Schon nach wenigen Minuten Spielzeit erhitzen die meisten Smartphones, längeres Spielen ist dadurch nur schwer möglich. Außerdem zieht das Spiel leider ganz schön viel Akku.

Inhaltlich sind die beiden Version aber deckungsgleich. Das Spiel ist in zwölf Kapitel mit jeweils abgeschlossene Geschichten aufgeteilt, die jedoch immer wieder Elemente und Personen enthalten, die auf ein anderes Kapitel referieren. Dadurch ist es gerade auf der mobilen Version zwar einfacher, den Überblick über die Geschehnisse zu behalten, eine große, komplexe Geschichte, wie du es aus den alten Layton-Teilen gewohnt bist, kommt dabei aber leider nicht zu Stande.

Zusammenfassung und Fazit: Warten lohnt sich

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Mit Katrielle hat Professor Layton einen sympathischen und fähigen Nachfolger bekommen. Die Entwickler verlassen sich zwar hauptsächlich auf Altbekanntes, haben das Konzept aber erfolgreich auf das Smartphone übertragen und mit den neuen Protagonisten an den Zeitgeist angepasst.

Auch, wenn manche Rätsel unfair sind und die Aufteilung in die zwölf Kapitel leider nicht zulassen, dass sich eine komplexere Geschichte entspannt, hat die Serie insgesamt nichts von ihrem Charme eingebüßt und überzeugt vor allem durch interessante Charaktere und wunderschöne Cutscenes und Musik. Und mit dem Ende von Katrielle und die Verschwörung der Millionäre hat sich das Team von Level-5 sogar offen gelassen, weitere Mystery Journeys mit Katrielle und ihrem ungleichen Team folgen zu lassen.

Die Mobile-Version wird dir gefallen, wenn du keinen DS / 3DS besitzt, die Layton-Serie aber schon immer austesten wolltest, dein Smarphone über einen breiteren Bildschirm verfügt als der 3DS und du mit ihm nur selten Akku-Probleme hast.

Die 3DS-Version wird dir gefallen, wenn du Mobile-Spiele von vornherein keine Chance gibst, zu ungelenke Finger hast, um händisch nach Hinweismünzen zu suchen und du dich an einer schlechten Grafik nicht störst.

Wird dir nicht gefallen, wenn dich unlogische Rätsel auf die Palme bringen, lange Dialoge abschrecken und du von Katrielle und die Verschwörung der Millionäre eine zusammenhängende Geschichte erwartest.

Wertung

7.5/10
Getestet von Lisa

Layton's Mystery Journey kommt wunderbar ohne Professor Layton aus. Katrielle und Co. sind charmant, verschroben und der Grund, warum ich trotz teils unlogischer Rätsel und der unzusammenhängenden Geschichte nie aufgegeben habe.

Na, angefixt?
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