MTG Arena: Das neue Format „Historic” ist eine absolute Enttäuschung

Alexander Gehlsdorf

Im Herbst 2019 steht die nächste Standard-Rotation in Magic the Gathering bevor. Davon betroffen ist in diesem Jahr erstmals auch MTG Arena. Die große Frage war dementsprechend, was mit all den Karten passiert, die das Format zu diesem Zeitpunkt verlassen werden. Wizards of the Coast versprach eine Lösung und stellt das neue Format Historic vor: Und das könnte enttäuschender nicht sein.

MTG Arena: Das neue Format „Historic” ist eine absolute Enttäuschung

Obwohl Magic the Gathering bereits auf eine mehr als 25 jährige Geschichte zurückblickt, kann natürlich von keinem Spieler erwartet werden, auch die Karten der alten Sets zu besitzen. Das muss zum Glück auch keiner, denn das Standard-Format erlaubt in der Regel lediglich die Karten der Sets, die in den letzten zwei Jahren erschienen sind. Das hat zwei Vorteile: Einerseits ist es auch für Neu- und Quereinsteiger realistisch an die benötigten Karten heranzukommen, andererseits bleibt das Metagame des Spiels so stets im Wandel.

Schließlich sorgen alle drei Monate mehrere hundert neue Karten für frischen Wind, während einmal jährlich alte Sets aus dem Format rotieren und so Platz für neue Strategien schaffen. Bisher musste sich Spieler von  MTG Arena um diese Rotation keine Gedanken machen, schließlich sind alle aktuell im Spiel enthaltenen Karten nach wie vor Standard-legal.

Trotzdem mehrte sich Monaten die berechtigte Frage: Was passiert mit meinen Karten, wenn diese das Standard-Format verlassen? Es war bereits länger bekannt, dass Wizards of the Coast ein neues Format schaffen will, in dem genau diese Karten neues Leben eingehaucht wird. In der Community wurde dieses Format inoffiziell als Standard Plus oder auch Arena Modern bezeichnet, benannt nach dem großen Vorbild Modern - eines der populärsten Formate überhaupt, in dem fast alle Karten die seit der Eighth Edition im Jahr 2003 erschienen sind legal sind.

An einem neuem Eternal-Format, also einem nicht-rotierenden Format, besteht also ohne Frage großes Interesse, dementsprechend gespannt warteten Magic-Fans auf die Ankündigung, wie genau dieses geheimnisvolle Arena Modern wohl aussehen und funktionieren soll. Die Antwort bekamen sie Ende Juni.

Das neue Format hat endlich einen Namen: Historic. Ungefähr da enden aber auch die guten Neuigkeiten, denn inhaltlich kann Historic in der angekündigten Form nicht wirklich überzeugen. Einerseits wird das Format (noch) nicht die beiden Blöcke Kaladesh und Amonkhet unterstützen, die aus insgesamt vier Sets bestehen und bereits in der Closed Beta von MTG Arena spielbar waren. Andererseits soll das Format fun und casual sein, was darauf schließen lässt, dass es keinen Ranked-Modus und keine kompetitiven Events geben wird.

Fun und casual: Wer will da spielen?

Wo genau ist das Problem? Viele Spieler hatten erwartet, dass Historic auch die Kaladesh- und Amonkhet-Blöcke zurück ins Spiel bringen wird, schließlich sind diese definitiv bereits vorhanden und müssten lediglich reaktiviert werden. Wizards of the Coast begründet die Entscheidung damit, dass das derzeitige Standard-Format gut ausbalanciert sei und deshalb einen guten Ausgangspunkt für Historic darstellt.

Ob das aktuelle Standard-Format wirklich so gut ist wie angepriesen darf durchaus diskutiert werden, allerdings erlaubt diese Einschätzung die Frage: Wenn das Format so gut ausbalanciert ist, warum soll das Format dann lediglich fun und casual sein? Schließlich ist ein gesundes Metagame doch die beste Voraussetzung für kompetitive Duelle und Turniere, die mit lukrativen Preisen und Belohnungen locken.

Andersherum betrachtet: Wenn das Format ausschließlich fun und casual sein soll, was hält die Entwickler dann davon ab, auch die Kaladesh- und Amonkhet-Sets verfügbar zu machen? Schließlich spielt ein ausgewogenes Metagame nicht unbedingt die größte Rolle, wenn in erster Linie Spaß und Zugänglichkeit im Mittelpunkt stehen sollen.

Zu viele Sets können zu Problemen führen

Allerdings liegt gerade hier der Hund begraben, denn natürlich gibt es durchaus gute Gründe dafür, die vier Sets Kaladesh, Aether Revolt, Amonhet und Hour of Devastation nicht einfach über Nacht im Zuge des Herbst-Updates zu veröffentlichen.

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Insbesondere Free-to-play-Spieler können davon ein Lied singen, dass es bereits echte Arbeit ist allein alle drei Monate beim Release eines neuen Standard-Sets am Ball zu bleiben. Klar, dass nicht jeder Spieler eine restlos gefüllte Sammlung benötigt, aber ein bis zwei kompetitive Decks pro Saison sollen es schließlich schon sein. Eine ganze Reihe Spieler, die kein Geld in MTG Arena investieren wollen, haben in den drei Monate bis zum nächsten Set-Release also damit zu tun, ihre Sammlung einigermaßen auf den neusten Stand zu bringen.

Was aber, wenn auf einen Schlag nicht nur ein neues, sondern auch vier alte Sets auf MTG Arena einschlagen? Free-to-play-Spieler wären auf diese Weise automatisch außen vor, aber selbst zahlende Spieler müssten tief in die Tasche greifen, um bei derart vielen Karten nicht den Anschluss zu verpassen.

In dieser Hinsicht ist die Entscheidung, vorerst auf die Freischaltung der alten Sets zu verzichten, durchaus nachvollziehbar – nur wird dieser Aspekt in der offiziellen Ankündigung komplett außen vor gelassen und stattdessen lediglich auf das „gesunde Metagame“ verwiesen.

Der hohe Preis einer gut gefüllten Kartensammlung ist allerdings auch ein treffendes Argument für einen kompetitiven Spielmodus des Historic-Formats. Spieler, die hunderte Euro beziehungsweise hunderte Spielstunden in Karten investiert haben, die in einigen Monaten nicht mehr Standard-legal sein werden, wollen schließlich nicht, dass ihre Sammlung über Nacht ihren Wert verliert. Zu sagen „Kein Problem, du kannst mit deiner Sammlung immer noch zwischendurch Casual-Matches bestreiten“, scheint hier nicht die richtige Lösung zu sein.

Ist Historic noch zu retten?

Ob und in welcher Form auch ältere Sets ihren Weg in das Historic-Format finden ist ein Problem, für dass auch keine simple Antwort habe. Dennoch hoffe ich, dass Wizards of the Coast einen Weg finden wird – denn dass die alten Sets eines Tages wieder reaktiviert werden sollen, steht bereits fest. Nur scheint die Herbst-Rotation aus interner Sicht noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür zu sein.

Gerade deshalb sollte die Frage aber lauten, warum die Leute überhaupt Historic spielen sollen.  Schließlich sieht es auf dem Papier derzeit so aus, dass Historic lediglich auf dem altbekannten Standard-Format aufbauen wird – mit dem Unterschied, dass es voraussichtlich keine Aussicht auf lukrative Gewinne, geschweige denn eine Qualifikation einer Mythic Championship besteht.

Magic the Gathering - Trailer.

Warum aber soll es daran scheitern? Ein Ranked-Modus für Historic kann doch nicht zu viel verlangt sein? Bitte Wizards of the Coast: Ich möchte unbedingt Historic spielen. Alles worum ich bitte ist ein Grund, das auch zu tun.

Meinen Optimismus möchte ich dennoch nicht aufgeben. Schließlich hat vor allem die jüngste Anerkennung von Pauper als offizielles Turnier-Format bewiesen, dass Wizards of the Coat durchaus auf das Feedback und die Wünsche der Spieler hört. Warum sollte das nicht auch im Fall des Historic-Formats möglich sein?

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