Tropico 6 und das längste Tutorial meines Diktator-Lebens

Alexander Gehlsdorf

Wer die Kampagne eines durchschnittlichen Call of Duty-Teils spielt, sieht je nach Schwierigkeitsgrad nach ungefähr fünf Stunden den Abspann. Auch in Tropico 6 konnte ich nach fünf Stunden einen vergleichbaren Erfolg feiern: Ich habe das Tutorial abgeschlossen.

Im vergangenen Jahr habe ich Portal als das beste Tutorial aller Zeiten bezeichnet – mit der Begründung, dass das gesamte Spiel ein riesiges, unsichtbares Tutorial darstellt. Wer nach zwei bis vier Stunden Abspann sieht, hat das Thinking with Portals verinnerlicht und verstanden, ohne je das Gefühl gehabt zu haben, ein klassisches Tutorial absolviert zu haben.

Vier Stunden lang ein Tutorial spielen ohne es es zu merken, das muss erstmal jemand schaffen. Tja, und dann kam Tropico 6. Nur, dass in diesem Fall das Tutorial alles andere als unsichtbar war. Aber mal ganz von vorn.

Wie war das nochmal?

Ich muss es zugeben, eigentlich bin ich ja eher mit der Anno-Reihe aufgewachsen. Dementsprechend firm bin ich mit den Grundlagen der Aufbau- und Wirtschaftsstrategie, sodass ich auch bei neuen Serienteilen ohne große Schwierigkeiten direkt einsteigen kann. Die Tropico-Reihe habe ich hingegen immer nur hin und wieder verfolgt. Damit ich mich als Diktator also nicht maßlos vor meinem Volk blamiere, hielt ich es für nachhaltig, zuvor dem Tutorial einen Besuch abzustatten.

Du hast noch nie von Tropico gehört? Dann hilft dir dieser Trailer garantiert auf die Sprünge:

Tropico 6: Release Trailer.

Gesagt getan lernte ich die Grundlagen des Diktator-Seins: Gebäude errichten, Straßen bauen, Landwirtschaft planen, Energieversorgung sicherstellen, Verträge mit unterschiedlichen Weltmächten abschließen … also als Diktator habe ich offenbar doch eine ganze Menge Verantwortung, wer hätte das gedacht. Und dennoch war das nur die Spitze des Eisbergs.

Obwohl ich so langsam in dem Glauben war, alles verstanden zu haben, ließ mein treuer Begleiter Penultimo nicht locker und riss mich immer tiefer in den Alltag meiner Diktatur: Sicherheitskontrollen einrichten, Umerziehungslager bauen, Piraten ausbilden, Weltwunder klauen, Touristen anlocken – so langsam brummte mit der Kopf. Muss ich das wirklich alles wissen?

Trotzdem absolvierte ich brav jede einzelne Lektion, schließlich will ich mir am Schluss nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen, ich hätte im entscheidenden Textfenster nicht aufgepasst. Irgendwann war ich dann tatsächlich mit allem fertig und meine Ingame-Spielzeit ging auf knappe fünf Stunden zu. Puh.

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Diese Art der Tutorial-Implementation ist natürlich fragwürdig, aber Gott sei Dank auch nicht nötig. Nach dem Tutorial startete ich die erste reguläre Kampagnen-Mission – und fand mich spontan im Kolonialzeitalter wieder und durfte mich um gemeine Anliegen wie Nahrungsmittelversorgung und Straßenbau kümmern. Na also. Wozu hab ich dann erst stundenlang die Feinheiten des Endgames erklärt bekommen?

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In diesem Sinne will ich niemanden Angst vor Tropico 6 machen. Wer die reguläre Kampagne spielt, wird auch auf diesem Weg ausreichend mit den Grundlagen des Spiels vertraut gemacht. Und immerhin verdeutlicht das überlange Tutorial, wie viel Komplexität und Tiefgang im späteren Spielverlauf steckt. Wer es einmal selbst ausprobieren will, kann das seit dem 27. September 2019 übrigens auch auf der PlayStation 4 und Xbox One tun.

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