WHO erkennt „Spielesucht“ nun offiziell als Krankheit an

Daniel Hartmann

Die Weltgesundheitsorganisation hat Spielesucht zu einem offiziellen Krankheitsbild erklärt. Doch es gibt auch Gegenstimmen, die diesen Entschluss für falsch halten.

WHO erkennt „Spielesucht“ nun offiziell als Krankheit an

Bei ihrer Jahresversammlung nahm die WHO Spielesucht in die elfte Version der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) auf. Eigentlich findet sich diese Art der Sucht schon seit letztem Jahr in dieser Liste, die Bestätigung auf der Jahresversammlung war nur eine Formalie. Die WHO definiert Spielesucht wie folgt:

„Spielesucht ist definiert […] als ein Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens mit einer […] beeinträchtigten Kontrolle von Häufigkeit, Intensität oder Dauer  […] und der Fortsetzung von Spielen trotz des Auftretens von negativen Folgen“.  

Die ICD-11 Liste tritt zwar erst 2022 in Kraft, wird aber schon jetzt als Leitfaden für die Forschung und Entwicklung von Therapien genutzt. Die Liste der WHO ist zwar kein geltendes Gesetz, bedeute aber laut Gesundheitsminister Spahn, dass Krankenkassen durch die Anerkennung von Spielesucht als Krankheit durch die WHO für Behandlungen aufkommen werden.

Einige Experten und Verbände der Videospielindustrie halten die Klassifikation von exzessivem Spielen als Sucht jedoch für verfrüht und nicht eindeutig belegt. Außerdem sind sie der Meinung, dass Spielesucht nur ein Symptom von anderen psychischen Erkrankungen sei und die Gefahr bestünde das Ende und nicht den Anfang des Problems zu behandeln.

Auch der Verband der deutschen Games-Branche hat Zweifel an der Entscheidung der WHO. Für sie gibt es zu wenig belastbare Studien zu dem Thema und sie befürchten eine Stigmatisierung von Spielern. Sie gehen ebenfalls davon aus, dass Spielesucht kein eigenes Krankheitsbild ist.

Dass sich die Spieleindustrie um eine intensive Erforschung von psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Videospielen kümmert, ist zwar löblich, sollte aber kritisch unter dem Aspekt betrachtete werden, dass es hier darum gehen könnte,  zu sagen: „Unser Produkt löst keine psychischen Erkrankungen aus.“

Klar ist, dass Videospiele in Zusammenhang mit psychischen Krankheiten in Verbindung stehen können, egal ob als Symptom oder Ursache. Genauso wie die Tatsache, dass diesen Menschen geholfen werden muss.

Bewusstes Spielen ist wichtig, auch wenn Entwickler versuchen uns an ein Spiel für lange Zeit zu binden:

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Die Diskussion um die Rolle von Videospielen im Zusammenhang mit Suchterkrankungen ist noch lange nicht vorbei. Ist Spielesucht ein Symptom oder eine eigenständige Krankheit? Schreib deine Meinung in die Kommentare.

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