Wir schreiben das Jahr 2042: Der flächendeckende Ausbau des 8G-Netzes hat Cloud-Gaming den lang erwarteten Durchbruch beschert. Teure Hardware ist Geschichte, die PC Master Race ausgestorben. Gaming in voller Pracht ist endlich überall möglich, sogar unterwegs auf dem Smartphone. Doch der Erfolg des Cloud-Gaming zeigt auch Schattenseiten.

Warum jetzt alle in der Cloud zocken

Zwei Faktoren waren für den Durchbruch des Cloud-Gaming entscheidend: Die anhaltende Hardware-Knappheit sowie der Ausbau der Mobilfunknetze bis hin zum aktuellen 8G-Standard. Die Hardware-Knappheit plagte Gamer seit dem Jahr 2020, als das Corona-Virus die globale Wirtschaft nahezu komplett lahmlegte. Die ausgebremste Fertigung von Chips führte unter anderem zu einer dramatischen Unterproduktion von Grafikkarten und Konsolen. Jahre später ging die damalige NextGen-Konsolengeneration der PS5 und Xbox SX sogar als LostGen in die Gaming-Geschichte ein.

Da sich die Produktionsstätten nur langsam von den stetig wiederkehrenden Corona-Wellen erholten, und gleichzeitig der Abbau der Rohstoffe durch neue globale Umweltgesetze teurer wurde, stiegen die Preise solcher Luxusgüter enorm an. Das Ergebnis: Etwa alle fünf Jahre halbierten sich die Verkäufe von Gaming-PCs und Konsolen, da sich die meisten Gamer neue Hardware schlichtweg nicht mehr leisten konnten.

Themenwoche Zukunft auf GIGA

Ja, das ist ein Beitrag über das Jahr 2042. Nein, ihr habt keine Zeitreise gemacht. Dieser Beitrag gehört zur Themenwoche „Die Zukunft im Jahr 2042“ auf GIGA, in der wir unser Millennium um 21 Jahre weiterdrehen und euch zeigen, wie die Tech- und Gaming-Welt im Jahr 2042 aussehen könnte.

Sämtliche Beiträge dieser Themenwoche findet ihr in unserem Special zum Jahr 2042.

Das #SiliconGate: Warum Nvidia, AMD und Co. keine Grafikkarten mehr verkaufen

Vor wenigen Jahrzehnten hätte es wohl niemand für möglich gehalten, aber inzwischen ist Sand einer der wertvollsten Rohstoffe und fast vier Mal so teuer wie Gold. Was hat das nun mit Grafikkarten zu tun? Der Hauptbestandteil jedes Computerchips ist Silizium, das vor allem aus Quarzsand gewonnen wird. Nachdem der Abbau der endlichen Ressource zum Schutz des Klimas staatlich reguliert wurde, hatte das für zahlreiche Tech-Riesen wie Nvidia, AMD oder Intel vor allem immens gestiegene Produktionskosten zur Folge. Die Massenproduktion von Grafikkarten und Prozessoren für den Verbrauchermarkt wurde im Laufe der Zeit immer unwirtschaftlicher und Anfang der 2030er schließlich nahezu komplett eingestellt.

Diese Entscheidung der Chip-Hersteller ist heute noch als #SiliconGate bekannt. Stattdessen konzentrierten sich die Unternehmen zunehmend auf Cloud-Gaming und entwickelten die dafür notwendige Hardware ausschließlich für den Eigenbedarf, um ihre Cloud-Server mit bestmöglicher Technik auszustatten. Letztlich haben Gamer aber sogar davon profitiert, da nun deutlich mehr Menschen die neuesten Spiele in bester Grafik genießen können.

Was sich sonst noch getan haben könnte im Jahr 2042, zeigen wir euch in der Spezial-Ausgabe unserer GIGA Headlines:

Die EU zieht den Stecker, das IKEA-Phone kommt und 35 Jahre iPhone – GIGA Headlines 2042 Abonniere uns
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Cloud-Gaming im 8G-Netz: Die Features im Überblick

Nachdem Deutschland sich als letztes EU-Land auch dazu entschloss, den flächendeckenden Breitbandausbau des 8G-Netzes der Tesla-Tochter Infinum zu überlassen, dauerte es nicht lang bis man selbst in ländlichen Regionen des Landes von Geschwindigkeiten bis zu 299.792 MB/s profitieren konnte – also mehr als das 42-fache der vorherigen Netzleistung des 7G-Standards. Das eröffnete vor allem der Gaming-Branche komplett neue Möglichkeiten:

  • Cloud-Gaming in 8K-Auflösung bei konstanten 120 FPS
  • VR-Gaming jetzt kabellos über die Cloud möglich (z.B. mit dem Smartphone und Oculus Quantum Interface)
  • UDLSS 4.0 (Ultra Deep Learning Super Sampling) ermöglicht 8K-Gaming mit 360 FPS oder 16K-Gaming mit 120 FPS
  • „Raytracing Pro“ und „Raytracing Ultimate“ ohne Leistungseinbußen nutzbar

Zwar existiert mittlerweile eine enorme Bandbreite an Cloud-Gaming-Anbietern, doch aktuell profitiert nur GeForce Now so richtig vom 8G-Netzstandard. Grund dafür ist ein Vertrag zwischen Nvidia und Infinum, der dem ehemaligen Produzenten von Grafikkarten eine bevorzugte Nutzung des neuen Highspeed-Netzes für Cloud-Gaming garantiert, und zwar für die nächsten drei Jahre. Andere Dienstleister haben derzeit nur Zugriff auf eine gedrosselte Version des Netzes. Spiele können somit lediglich in 4K und mit maximal 60 FPS gestreamt werden, was im direkten Vergleich beinahe schon antiquiert wirkt.

Zocken ohne Gaming-Hardware: Cloud-Gaming gehört die Zukunft. Bild: Nvidia

Dunkle Wolken am Horizont: Die Schattenseiten des Cloud-Gaming-Boom

Neben den fragwürdigen Marktpraktiken von Infinum und Nvidia gibt es aber noch weitere Probleme, die Spielerinnen und Spieler nerven. Vor allem die offenbar durch Profitgier aufgebaute Zwei-Klassen-Gesellschaft auf den Plattformen sorgt für viel Unmut. So hat es sich bei den meisten Diensten etabliert, dass man mit dem Standard-Abo für meist 10 bis 15 Euro pro Monat nicht die volle Grafikleistung bekommt und auf 4K beschränkt bleibt. Zudem kann man damit lediglich Singleplayer-Modi spielen, und muss selbst dabei oft mit langen Wartezeiten rechnen, bis man vom Cloud-Server überhaupt bedient wird.

Nur wer deutlich mehr zahlt (in der Regel 25 Euro oder mehr pro Monat), kommt in den Genuss aller Grafikdetails, kann online mit Freunden zocken und Spiele ohne Verzögerung starten. Die schlimmsten Auswüchse dieses Modells sind die sogenannten Pay-to-Play-Modelle, bei denen man sich per Einmalzahlung in der Warteschlange an anderen Gamern vorbeidrängeln kann. Zum Glück unterstützt nicht jeder Cloud-Anbieter diese Masche, die schon unzählige ungeduldige Gamer finanziell arg gebeutelt hat.

Ohnehin befindet sich das Vertrauen in die Tech-Konzerne auf einem Rekordtief. Das liegt nicht nur an ihren fragwürdigen Geschäftsmodellen, sondern auch an schockierenden Enthüllungen darüber, wie Gamer heimlich durchleuchtet wurden. So haben einige Anbieter die sensorisch erfassten Daten von Smartwatches ausgewertet, um den Schwierigkeitsgrad der Spiele dynamisch anzupassen und damit den Stresslevel der Spieler niedrig zu halten. Dass Stress beim Zocken auch Ausdruck positiver Erregung sein kann, wurde dabei gekonnt ignoriert. Und damit erklärt sich auch, warum vor allem Hardcore-Gamer die AAA-Spiele als zunehmend langweilig und zu wenig herausfordernd empfanden.

Neuronale Interfaces: Der nächste logische Schritt?

Während sich viele Gamer freuen, trotz aller Schattenseiten einfacher und günstiger an neue Spiele zu kommen, bahnt sich schon die nächste Revolution an. Und auch hier hat Elon Musk seine Finger im Spiel. Die von seiner Firma Neuralink im Jahr 2016 entworfenen neuronalen Interfaces (einfach gesagt: ins Gehirn implantierte Mikrochips) stehen kurz vor dem Durchbruch im Massenmarkt: Sie ermöglichen die Darstellung und Steuerung von Spielen direkt im Gehirn, also ohne dass man auf ein Display schauen muss.

Insbesondere Anwendungen im Bereich der Augmented- und Virtual-Reality dürften hier bisher ungeahnte Möglichkeiten der Interaktion mit Videospielen liefern. Bleibt nur zu hoffen, dass die diesjährig aufgetauchten Prototypen sich wirklich als so revolutionär herausstellen, wie etliche Leaks suggerieren.