Führerschein- und Abi-Prüfung: So dreist wird heutzutage mit modernen Mitteln geschummelt

Stefan Bubeck

Der früher genutzte Spickzettel aus Papier hat längst ausgedient. Wer heute den Lehrer, den Uni-Dozenten oder den Fahrprüfer austricksen will, greift zu winzigen Kameras und einem Knopf im Ohr. Die aus Agentenfilmen bekannte Technik gibts einfach so in Onlineshops zu kaufen. Welche Strafen drohen beim Erwischtwerden?

Führerschein- und Abi-Prüfung: So dreist wird heutzutage mit modernen Mitteln geschummelt
Bildquelle: Pixabay, CC0.

Spicken, mogeln, betrügen – so leicht wie heute war es noch nie, sich bei einer Prüfung durchzuschummeln. Statt die richtigen Antworten auswendig zu lernen, setzen manche Prüfungskandidaten auf versteckte Technik: Eine praktisch unsichtbare Kamera steckt am Knopfloch des Hemds, ergänzt durch einen winzigen In-Ear-Kopfhörer, den man ebenso kaum sieht. Der Prüfling muss nun nur noch die Fragen auf dem Prüfungsbogen ins Kamerabild halten. Draußen vor dem Prüfungsgebäude sitzt der Komplize am Rechner und empfängt die Aufnahmen. Er recherchiert blitzschnell und flüstert dem Prüfling die richtigen Antworten ins Ohr.

Betrug bei Fahrerlaubnis-Prüfung: Hunderte Fälle pro Jahr

„Hochgerechnet auf Deutschland schätzen wir, dass rund 1.600 solcher Fälle pro Jahr bei Fahrerlaubnis-Prüfungen aufgedeckt werden. Vor 20 Jahren, als wir noch nicht diese ausgefeilte Technik hatten, gab es vielleicht nur ein Zehntel so viele Fälle,“ so Arne Böhne vom TÜV Rheinland. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Das dafür notwendige Equipment lässt sich mit geringem Aufwand im Internet besorgen. So manches fragwürdige Spionage-Tool gibt es sogar bei großen Händlern wie Amazon. Vom Kauf und erst recht vom Einsatz solcher Technik ist grundsätzlich abzuraten – spätestens wenn man andere Menschen heimlich ausspioniert, kommt man mit § 90 Telekommunikationsgesetz (TKG) in Konflikt.

High-Tech-Spicktechnik: Wer wird das Wettrüsten gewinnen?

Doch zurück zur Führerscheinprüfung: Nach aktuellem Stand handelt es sich hier beim Spicken weder um eine Straftat noch um eine Ordnungswidrigkeit. Die High-Tech-Schummler haben also derzeit wenig zu befürchten.

„Diese Leute können maximal sechs Monate gesperrt werden vor der nächsten Prüfung,“ erklärt Böhne. Beim Bundesjustizministerium gibt es derweil noch keine Überlegungen, aus Täuschungen bei Prüfungen einen Straftatbestand zu machen.

Die Prüfer rüsten bereits auf und stellen Detektoren für Funkfrequenzen im Raum auf. Bei den wirklich wirksamen Methoden im Kampf gegen Schummler sind ihnen aber die Hände gebunden: Störsender sind laut Bundesnetzagentur verboten und Durchsuchungen am Körper darf allenfalls die Polizei durchführen.

Böhne warnt: „Wenn Führerscheinabsolventen Verkehrsregeln nicht kennen, ist es eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmes passiert.“

Quellen: Heise, Berliner Morgenpost

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