Ein namhafter Virologe hält die Ziele der Bundesregierung in der Pandemiebekämpfung für zu hoch gesteckt. Man müsse unterscheiden zwischen dem, was wünschenswert ist, und dem, was tatsächlich erreicht werden kann. GIGA verrät, was für den Experten machbar ist.

 

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Kaum ist die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar 2021 beschlossen, wird von unterschiedlichen Seiten Kritik laut. Kontakte müssen reduziert werden, grundsätzlich seien auch die Maßnahmen richtig, meint ein namhafter Virologe. Er kritisiert hingegen die Verhältnismäßigkeit von Infektionsschutz und den Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Corona: Virologe hält Inzidenz von 50 für übertrieben

Es sei unstrittig, dass ab einer bestimmten Inzidenz die Kontakte zu anderen Menschen reduziert werden müssen, meint der Virologe Klaus Stöhr im Interview mit den Tagesthemen in der ARD. Strittig sei hingegen, „ab welcher Inzidenz man handeln muss.“ Der Forscher, der etwa frühzeitig vor der Vogelgrippe warnte und in verschiedenen Positionen für die WHO tätig war, hält die 50er-Grenze, welche die Regierung anstrebt, für „wünschenswert, aber illusorisch“ – gerade im Winter. Sie sei zu tief angesetzt. Das zeige auch der Vergleich mit anderen Ländern, die bereits vor Deutschland harte Lockdown-Maßnahmen einführten.

Das Ziel einer 50er-Inzidenz hält er aus einem weiteren Grund für überzogen: Das deutsche Gesundheitssystem sei in den vergangenen Wochen insgesamt nicht überlastet worden. Zwar gebe es einzelne Krankenhäuser, in denen die Lage sehr ernst sei. Meistens aber seien ausreichende Kapazitäten vorhanden – und das bei Inzidenzen von 100 bis 120 vor Ort.

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Kompromiss für Wirtschaft und Gesellschaft finden

„Es muss ein besserer, ausgeglichener Kompromiss gefunden werden, um die Auswirkungen der Krankheit zu reduzieren, die wirtschaftlichen Auswirkungen; aber auch die freiheitlichen Rechte nicht weiter einzuschränken“, sagte Stöhr den Tagesthemen. Als Grund für die Uneinigkeit, welcher Weg der richtige ist, führte er an, dass immer noch „keine guten, zuverlässigen Daten vorliegen.“

Zu den neuen Regeln zählen auch Bewegungseinschränkungen um den eigenen Wohnsitz herum – zumindest in Hotspots. Wie ihr den Bewegungsradius ganz simpel auf dem Handy anzeigen könnt, seht ihr hier. Andere Experten kritisieren hingegen Überlegungen, die Zweitimpfung aufzuschieben – eine mögliche Zusatzmaßnahme, um der Knappheit an verfügbarem Impfstoff zu begegnen.