Hitman 2 im Test: Die Kunst, an der richtigen Stelle zu sparen

Alexander Gehlsdorf

Schluss mit Download-Episoden und Zusatzkapitel: Mit Hitman 2 erscheint ein vollständiges Gesamtpaket, in dem Fans voll auf ihre Kosten kommen. Und das obwohl der Vorgänger in einigen Aspekten mehr bietet.

Dass Hitman 2 überhaupt entstanden ist, ist alles andere als selbstverständlich. Square Enix, der Publisher der ersten Staffel gab die Lizenz zum Kauf frei und hatte kein Interesse an einer Fortsetzung der Reihe. Die perfekte Chance für Entwickler IO Interactive, der sich daraufhin die Rechte an der eigenen Marke sicherte und Hitman 2 ganz nach den eigenen Vorstellungen gestalten konnte – ohne einen Publisher im Genick.

Weniger ist mehr

Kurze Zwischenfrage: Wer spielt Hitman wegen der Story? Niemand? Oh doch, da hinten sehe ich ein Handzeichen! Die nächsten Absätze sind nur für dich, alle anderen dürfen gern bis zur nächsten Zwischenüberschrift springen.

Die Story von Hitman 2 ist kurz aber kryptisch. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, wird nur die wenigsten Zusammenhänge erkennen, Fans bietet der Einblick in Agents 47s Vergangenheit aber durchaus Stoff für Diskussionen.

Allerdings hat sich Entwickler IO Interactive für einen ungewöhnlichen Kniff entschieden: Statt der aus dem Vorgänger bekannten Zwischensequenzen, wird die Story von Hitman 2 in animierten und sehr schicken Standbildern erzählt. Diese sind für sich allein betrachtet natürlich ein „Rückschritt“ gegenüber den Zwischensequenzen, dem Spiel schadet das aber überhaupt nicht. Alle wichtigen Informationen, Emotionen und Dialoge werden trotzdem transportiert, darüber hinaus beweist die Entscheidung, wie bewusst das Studio mit dem zur Verfügung stehenden Budget umgeht.

Die Story von Hitman 2 ist keinesfalls überflüssig und sorgt gerade am Ende noch für einige spannende Enthüllungen, aber mehr als ein oder zweimal dürften sich wohl nur die wenigsten auf die Handlung des Spiels einlassen. Dementsprechend konsequent ist es, genau an dieser Stelle zu sparen und dafür bei den wirklich gelungenen Missionen keine Kompromisse einzugehen.

Qualität über Quantität

Mit gerade einmal fünf Schauplätzen – die Prolog-Mission einmal ausgenommen – wirkt Hitman 2 auf den ersten Blick sehr überschaubar. Tatsächlich lässt sich die Kampagne theoretisch an einem langem Abend durchspielen. Das einmalige Absolvieren der Missionen ist jedoch erst die Spitze des Eisbergs, vergleichbar mit dem ersten Arbeitstag bei einem neuen Job.

Hitman 2 - So wirds gemacht-Videoserie - der Aktenkoffer.

Dir werden alle wichtigen Räumlichkeiten gezeigt, du weißt wo dein Schreibtisch steht, wie die Kaffeemaschine funktioniert und wem du Bescheid sagen musst, wenn der Drucker mal wieder nicht funktioniert. Wirklich spannend werden aber erst die kommenden Wochen und Monate.

In kaum einem anderen Singleplayer-Spiel wird Wiederspielwert so groß geschrieben wie bei Hitman. Schließlich lassen sich die Attentate in jeder Mission auf vielfältigste Art und Weise bestreiten. Am kreativsten und unterhaltsamsten sind dabei wie immer die sogenannten Opportunities. Diese beginnen meist mit einem überhörten Gespräch, welche den ersten Hinweis auf eine mögliche Herangehensweise liefert. Bei einer Bollywood-Produktion in Mumbai kommt etwa eine riesige Windmaschine auf dem Dach eines Hochhauses zum Einsatz. Da wäre es doch möglich, dass…

Auf den unteren beiden Schwierigkeitsgraden kannst du diese Opportunities gezielt verfolgen, auf der schwersten Stufe bist du hingegen ganz auf dich und deine Neugier angewiesen. Die Erkundung der Level wird jedoch nicht nur mit günstigen Gelegenheiten für das perfekte Attentat belohnt, sondern ist auch unabhängig davon eine klare Empfehlung, denn die Umgebung strotzt voller Leben.

In Miami besuchst du ein Autorennen mitsamt VIP-Bereich, Garage, rotem Teppich und Show-Floor, in Kolumbien kannst du dich im dichten Dschungel verstecken, in einem malerischen Vorort von Vermont kannst du den amerikanischen Traum Leben, auf einer Inselfestung an den Feierlichkeiten eines exklusiven Clubs teilnehmen und in den Slums vom Mumbai wirst du dich auch bei deinem zehnten Anlauf noch verirren.

Fast alle Schauplätze aus Hitman 2 bewegen sich in ihrem Umfang auf dem Niveau der besten Mission des Vorgängers: Sapienza. Bis du wirklich alle Geheimnisse in den fünf gigantischen Missionen gefunden hast, können Wochen und Monate vergehen.

Der Wiederspielwert wird jedoch nicht nur durch den Aufbau der Level begünstigt. Mit steigendem Rang und absolvierten Challenges stehen Agent 47 auch immer neue Werkzeuge zur Verfügung, die wiederum neue Herangehensweisen erlauben, etwa Gift oder ein Scharfschützengewehr.

Ein geistreiche Ergänzung

Doch auch jene, die das letzte Geheimnis der Kampagne gelüftet haben, bekommen in Hitman 2 noch Gründe zum Weiterspielen. Zum einen kehren die Elusive Targets aus Staffel 1 zurück – zeitlich begrenzte Attentate, für die du nur einen Versuch hast. Gänzlich neu ist hingegen der Ghost-Modus, in dem du online gegen ein realen Gegenspieler antrittst. Diesen gilt es jedoch nicht auszuschalten, stattdessen messen sich beide Spieler darin, zuerst fünf erfolgreiche Attentate zu absolvieren.

Der Clou daran: Jeder spielt in seiner eigenen Version des Levels, auf die der jeweilige Gegenspieler keinen Einfluss nehmen kann. Lediglich die Position des Gegners wird ihm angezeigt. Eine Handvoll spezieller Items, etwa eine Ghost-Münze, haben jedoch die Fähigkeit die Grenze in die andere Spielwelt zu überqueren und so den Plan des Gegenspieler zu sabotieren.

Jedes erfolgreiche Attentat spendiert einen Punkt, für jedes unschuldige Opfer gibt es hingegen Punktabzug. Hier profitieren vor allem die Spieler, die unter Zeitdruck improvisieren können und den Aufbau der Level gut kennen.

Hier kannst du Hitman 2 bestellen *

Mein Test-Fazit zu Hitman 2

Hitman 2 ist ein kleines Phänomen. Allein, dass das Spiel überhaupt entstehen konnte, war nicht selbstverständlich. Insgesamt bietet Hitman 2 weniger Level als die komplette erste Staffel und dennoch kommen Fans voll auf ihre Kosten. IO Interactive hat die richtigen Prioritäten gesetzt, das Spiel auf die Zielgruppe zugeschnitten und an den korrekten Stellen eingespart, etwa bei der Präsentation der Story.

Gelegenheitsspieler, die nur einmal die Kampagne erleben wollen, mögen über eine kurze Spielzeit klagen, Fans bekommen mit Hitman 2 hingegen genau das Paket, dass sie sich gewünscht haben.

Wird dir gefallen, wenn du gern deine Kreativität auslebst und nach Spielen mit einem hohen Wiederspielwert suchst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du Level ungern mehr als einmal spielen willst und auf spektakuläre Zwischensequenzen voraussetzt.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link