Madden NFL 20 im Test: Das Brett Favre der Spielereihe

Olaf Fries

Madden NFL 20 könnte als Brett Favre der Reihe gesehen werden. Ein Spieler, der sicherlich zu den besten Quarterbacks der Geschichte gehört, allerdings auch ein berühmter „Gunslinger“, bei dem viele Würfe nicht saßen. So geht es Madden NFL 20 ähnlich. Das Spiel macht einiges richtig, aber leider wird nicht jede Gelegenheit ausgenutzt.

Womit Madden NFL 20 dieses Mal ins Schwarze trifft, ist das Gameplay. Die neue „real player motion 2.0“ macht einen wirklichen Unterschied aus und ist besser als im Vorgänger. Die Bewegungen, auch die der Künstliche Intelligenz (KI), ergeben weitaus mehr Sinn. Vor allem macht sich hierbei auch die breite Verteilung der Ratings bemerkbar. Es ist zwar keine drastische Änderungen, aber eine, die durchaus spürbar ist. Die sehr guten Spieler der Liga, bewegen sich sehr ähnlich zu ihrem Pedanten aus dem echten Leben. Dies spiegelt sich in den „signature animations“ wieder. Beispielsweise im Spin-Move von Melvin Gordon oder im Juke von Alvin Kamara.

Die größte und bedeutendste Änderung sind jedoch die neuen X-Factor-Abilities. 50 Spieler der Liga haben spezielle Fähigkeiten. Diese musst du erst im Spiel durch bestimmte Leistungen freischalten, damit die Spieler „in the zone“ gelangen. Sobald diese Spieler in der Zone sind, können sie jedoch auch wieder herausgeholt werden. Es sind keine Wertungsschübe oder Modifikatoren, stattdessen handelt es sich bei ihnen, um ein spezielles Verhalten oder eine Charaktereigenschaft. Es sind situationsbedingte Ereignisse, die einen wahren Unterschied ausmachen können.

Beispiel: Nach mehreren Läufen von 10+ Yards, kommt Saquon Barkley in die Zone und erhält die X-Factor-Ability „First One Free“. Diese Fähigkeit verbessert seinen Spin-, Juke- und Hurdle-Move und lässt ihn nur schwer durch den ersten Defender zu Boden bringen. Sobald Saquon Barkley jedoch für einen Raumverlust gestoppt wird, geht er aus der Zone wieder raus. Es ist immer wichtig zu wissen, wo sich der jeweilige X-Factor-Spieler auf dem Feld befindet. Sowohl im eigenen, wie auch im gegnerischen Team. Manche Fähigkeiten sind zum Launch des Spiels jedoch etwas übermächtig, aber nicht so stark, dass sie das Spiel kaputt machen würden.

Das Gameplay ist nicht perfekt, macht aber viel Spaß

Außerdem bringen weitere Veränderungen auch neue Verbesserungen mit sich. Die „pocket“ des Quarterbacks bricht schneller zusammen, was mehr Realismus bringt. Der Qarterback kann nicht mehr sechs Sekunden in der Pocket stehen, sondern eher zwei bis drei Sekunden. Was dem Realismus durchaus zugutekommt. Die Flugbahn des Balles und die Sprunghöhe der Linebacker sind ebenfalls angepasst worden. Dem Middle Linebacker ist es nicht mehr möglich, gefühlte sechs Meter in die Luft zu springen, um den Ball abzufangen. Du kannst als Quarterback deinen Receiver nun auch besser „leaden“ und den Ball in engere Fenster der Coverage werfen. Zwar ist die KI nicht perfekt, aber etwas besser als früher. Natürlich kommt es noch vor, dass ein O-Liner mitten im Weg steht, weil er nichts zu blocken hat. Aber weitaus weniger häufig als Veteranen der Serie gewöhnt sind.

Schön wäre es nur endlich zu sehen, dass die KI auch endlich spezifisch dem realen Team nacheifert. Leider ist es auch in Madden NFL 20 noch nicht so weit. So blitzen die Baltimore Ravens und die Pittsburgh Steelers nicht annähernd so häufig wie in echt. Die Giants kehren Saquon Barkley den Rücken zu und geben ihm manchmal fast keine Läufe, ebenfalls benutzen die New Orleans Saints Alvin Kamara nicht wie üblich. Sowas ist sicherlich ein Wunsch für die Zukunft. Dafür sind die Playbooks weitaus umfangreicher. Neben neuen Run Pass Options (RPOs) wurden die Playbooks gründlich überarbeitet und verleihen dem Play-Calling mehr Tiefe. Das Gameplay ist sicherlich nicht perfekt, aber es macht weitaus mehr Spaß als im Vorgänger.

„Face of the Franchise: QB1“ startet stark, verliert aber schnell an Luft

Eine weitere Neuerungen ist der „Face of the Franchise: QB1“-Modus. Hierbei kreierst du deinen eigenen Quarterback. Die Möglichkeiten seinen Charakter zu gestalten, haben mich positiv überrascht. Du bist ein „5-Star-Recruit“ und wählst aus 10 lizenzierten College-Teams deine Schule. Der beste Quarterback deines Jahrgangs wollte eigentlich auf eine andere Schule, entscheidet sich jedoch um. So geht er nun doch an dieselbe Schule wie du. Daraus folgt, dass du vier Jahre auf der Bank sitzt, dein Team es in die College-Playoffs schafft, aber der „Starting-Quarterback“ sich verletzt. Im Halbfinale, ohne je ein Spiel gespielt zu haben, musst du für dein Team einspringen. Wie gut du spielst, entscheidet darüber, wie hoch du gedraftet werden könntest. Während einiger Videosequenzen bestimmst du hierbei, welche Art von Spieler du sein willst.

„Face of the Franchise: QB1“ startet stark. Doch sobald du in der NFL angelangt bist, nimmt die Qualität des Modus ab. Das Combine, das du bestreitest, ist im Grunde genommen kein Combine, sondern einfach nur ein Tutorial namens Skill-Trainer. Einmal in der Liga angekommen, ist es eigentlich nur noch ein Franchise-Modus als Spieler. Zwar kommt auch hier der neue Szenario-Generator zum Einsatz, in dem dir verschiedene Situationen per Textnachricht präsentiert werden, aber es ist weit vom beispielsweise NBA2K-Karrieremodus entfernt.

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Es gibt nach deinem Draft weder Videosequenzen, noch Entscheidungen zu treffen. Zwar kommen Charaktere aus dem Prolog per Textnachricht wieder vor, aber es hat keinen Einfluss auf deine Karriere oder Spielerart. Leider begeht der neue Szenario-Generator auch einige Fehltritte. Einmal die Woche erhältst du in Madden NFL 20 vom gegnerischen X-Factor-Spieler eine Nachricht, die meistens nicht sehr nett ist. Das Problem? Es wirkt unrealistisch und gezwungen. So schreibt Andrew Luck von den Colts eine so respektlose Nachricht an mich, dass sie unecht wirkt. Vor allem, weil es sich um Andrew Luck handelt, einem der nettesten Spieler der Liga. Es fühlt sich so an, als ob „Face of the Franchise: QB1“ dich in den normalen Franchise-Modus hineinziehen will, anstelle einer wirklichen Geschichte zu erzählen. Leider muss ich erwähnen, dass es in Partien mit Verlängerung immer zu Bugs gekommen ist, wodurch das Spiel nicht beendet wurde. Es bleibt zu hoffen, dass dies so schnell wie möglich behoben wird.

Franchise-Spieler werden mal wieder vernachlässigt

Für alle Franchise-Spieler habe ich leider schlechte Nachrichten. Auch dieses Jahr ist der Modus vernachlässigt worden. Im Grund genommen, ist es fast derselbe Modus wie im letzten Jahr. Bis auf den Szenario-Generator, der wenig Auswirkung hat, bleibt es fast eins zu eins bei der alten Version. Zwar erhältst du auch hier positions- wie auch situationsbedingt Textnachrichten, aber zum Launch des Spiels sind die verschiedenen Szenarien noch recht schlicht. Je nach Antwort erhältst du unterschiedliche XP-Boosts oder Belohnungen, nichts Weiteres. Die „5th year options“ bei Rookie-Verträgen sind zum Launch ebenfalls noch nicht enthalten. Laut EA sollen sie jedoch hinzugefügt werden. Schön bei den Rookies ist jedoch das neue Feature vom „development trait“. Hier musst du nun mit dem Rookie 500 Snaps spielen, um diesen aufzudecken. Leider kommen die simulierten Statistiken der Liga den echten Stats nicht gleich. So haben mobile Quarterbacks wie Lamar Jackson oder Patrick Mahomes am Ende der Saison weiterhin kaum Rushing-Yards – laut EA wird hieran jedoch auch gearbeitet. Schön ist es aber, dass keine „devevlopment trait regression“ am Ende der Saison mehr vorhanden ist, auch wenn die Regression der Stats manchmal etwas zu stark erscheint. Als „neuer Inhalt“ kehrt übrigens der Pro Bowl zurück. Ein Feature, wonach eigentlich nur ein kleiner Teil der Community gefragt hat.

 

Leichter Einstieg in Madden Ultimate Team

Im Madden Ultimate Team kommt es zum Glück zu positiven Veränderungen. Die neuen „Missions“ machen die Aufgaben sichtbarer und führen auch neue Spieler des Modus intuitiv ein. Ultimate Challenges ersetzen die ehemaligen Solo Challenges und können nun sogar Koop gespielt werden. Die „red chems“ werden in diesem Jahr durch die neuen X-Factor-Abilities ersetzt. Jeder der mit MUT vorher seinen Spaß hatte, wird auch dieses Mal nicht enttäuscht sein.

Bei kleineren Änderungen, die vor allem die Immersionen betreffen, muss jeder für sich selbst entscheiden, ob es positiv oder negativ auszulegen ist. Die Kommentatoren, Brandon Gaudin und Charles Davis, machen mit ihrer Übertragungsweise einen guten Job, leider wiederholen sich die Sätze viel zu häufig und sind oft dieselben wie im Vorgänger. Ebenfalls wurden die Schiedsrichter vom Feld genommen, dies stört mich persönlich nicht, aber es ist dennoch erwähnenswert. Das Huddle wird ebenfalls nicht mehr gebrochen und nach der Spielzug-Auswahl stehst du direkt an der Line-of-Scrimmage.

Mein Fazit zu Madden NFL 20

Das Gameplay, die neuen Animationen und vor allem die neuen X-Factor-Abilities bereichern das Spiel ungemein. Mehr Realismus durch einen schnelleren Pass-Rush und die Möglichkeit, bereits zum Launch des Spiels auch Laufspielzüge erfolgreich zu absolvieren, sind willkommene Änderungen.

Aber leider verliere ich nie das Gefühl, dass EA einige Ressourcen in die falschen Aspekte des Spiels gesteckt hat. Der Entwickler scheint viel Wert auf den Pro Bowl gelegt zu haben – nach meiner Meinung zu viel. Ja, es ist schön für ein paar Spiele den Pro Bowl zu spielen, aber die Ressourcen wären in anderen Modi, vor allem im Franchise-Modus, weitaus sinnvoller gewesen. Eigentlich ist es ein Unding, dass der Pro Bowl als großes „neues“ Feature vorgehalten wird, da er früher bereits im Spiel war. Franchise-Spieler gucken auch dieses Mal leider in die Röhre.

Insgesamt ist Madden NFL 20 ein gutes Football-Spiel. Leider, wie auch Brett Favre, sitzt nicht jeder Wurf. Bei manchen Würfen fragt sich der Spieler sogar, warum habt ihr dies getan, EA? Nichtsdestotrotz kommen die meisten Würfe an. Es ist ein gutes, aber vor allem spaßiges Spiel in diesem Jahr. Leider keine Neuerfindung, aber eine Verfeinerung!

Wird die gefallen wenn, Gameplay über alles steht.

Wird dir nicht gefallen wenn, du hoffst, dass der Franchise-Modus und „Face of the Franchise: QB1“ viel zum Spiel beisteuern können.

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