Android O: Alle Features der neuen Android-Version

Android O Ver. Developer Previ

Ohne großes Brimborium ist Android O zutage getreten und ab sofort in Form einer Developer Preview zugänglich. Damit können Besitzer neuerer Google-Modelle, darunter das aktuelle Pixel, die neue Software testen. Zu den signifikantesten Verbesserungen gehört ein effizienterer Energiehaushalt sowie granulare Einstellungen für Benachrichtigungen.

Offenbar macht sich Google einen Spaß daraus, die Technik-Welt mit einem Paukenschlag aus dem tristen Alltag zu reißen. Erneut kündigte das Unternehmen die neue Android-Version ohne großes Federlesen an und wartet nicht erst die alljährliche I/O-Entwicklerkonferenz ab. Auf Android N, das später zu Android Nougat wurde, folgt dieses Jahr Android O. Für welche Süßspeise derweil das „O“ steht, bleibt traditionell ein Geheimnis – die Spekulationen gehen in Richtung „Oreo“.

Es handelt sich bei Android O aktuell jedoch noch um eine Developer Preview (Entwicklervorschau), die genau dafür gemacht ist: Nämlich Entwicklern die Möglichkeit zu geben, sich frühzeitig mit dem neuen System vertraut zu machen. Das hat den Sinn, dass zum finalen Release bereits zahlreiche Apps an die neue Android-Version angepasst sind. Wann ist mit dem finalen Release zu rechnen? Der offizielle Zeitplan sieht vier Developer Previews vor, die dann im dritten Quartal, das von Juli bis September geht, in der fertigen Version münden.

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Natürlich kann sich diese Roadmap jederzeit ändern, befindet sich Android O doch noch in der aktiven Entwicklung. Dementsprechend ist auch die derzeitige Developer Preview nicht frei von Bugs. Doch immerhin einer Sache ist sich Google sicher: Es bootet! Die Frage, die nun sicherlich in vielen Köpfen herumschwirrt: Lohnt sich die Installation? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Denn Google hat zwar einige durchaus nützliche Verbesserungen in Android O eingebaut, der große Wurf bleibt aber aus – zumindest im derzeitigen Stadium.

Android O verbessert die Akkulaufzeit

Die vermutlich willkommenste Veränderung, gleichwohl für den Nutzer letztendlich unscheinbar, dürfte das sein, was Google lapidar „background limits“ nennt. Damit gemeint ist eine automatische Einschränkung von Aktivitäten, die im Hintergrund mitlaufen und den Akku des mobilen Endgeräts beanspruchen.

Dabei hat sich Google auf folgende Szenarien konzentriert: Eine in den Hintergrund verschobene App verhält sich nicht länger so, als laufe sie noch im Vordergrund, und aktualisiert in geringerem Maße Daten. Das ist zum Beispiel beim Newsfeed der Facebook-App sinnvoll. Ferner dürfen im Hintergrund aktive Dienste nur weiterlaufen, wenn sie einen triftigen Grund dazu haben. Im Falle der (abspielenden) Musik-App ist das selbsterklärend; bei der Dropbox-Synchronisation beispielsweise müssten die Entwickler jedoch auf einen periodisch lauschenden Dienst wechseln. Nach ähnlichem Prinzip verläuft unter Android O auch die Standortabfrage für Apps, die, falls im Hintergrund mitlaufend, nur in einem von Google bestimmten Intervall erlaubt sind.

Das mag kompliziert klingen, unterm Strich bleibt aber: Unter Android O dürfte der Akkuverbrauch im Hintergrund spürbar sinken. Allerdings sind nur einige Bestandteile für alle Anwendungen verpflichtend. Teilweise erfordern die eingeführten Maßnahmen die aktive Implementierung der App-Entwickler, wofür die Developer Preview natürlich da ist. Demzufolge gilt es die kommenden Monate abzuwarten, bis sich ein Bild von der Akkulaufzeit unter Android O gemacht werden kann.

Android O: Feinschliff für Benachrichtigungen

In Android Nougat hat Google die Benachrichtigungen nochmal von Grund auf überarbeitet. So ganz damit zufrieden scheinen die Entwickler in Mountain View aber noch nicht zu sein. Denn in Android O bergen die Benachrichtigungen die oberflächlich wohl auffälligsten Änderungen: An vorderster Front sind da die sogenannten Benachrichtigungskanäle. Diese sind als Kategorien zu verstehen, die von App-Entwicklern definiert sein müssen. Auf diese Weise kann der Nutzer granulare Einstellungen vornehmen, beispielsweise gewisse Kanäle einer Anwendung komplett stummschalten oder einer bestimmten LED-Farbe zuordnen.

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Die Schlummertaste im Einsatz (Quelle: Android Police)

Ebenfalls hinzugekommen ist eine Schlummertaste für Benachrichtigungen. Diese verbirgt sich neben dem Einstellungsbutton, der beim leichten zur Seite wischen erscheint. Standardmäßig verschwindet eine Benachrichtigung dann für 15 Minuten, auf Wunsch lassen sich aber auch 30 Minuten oder 1 Stunde auswählen. Die Implementierung erscheint noch etwas umständlich, die Idee an sich ist aber sinnig – eine ähnliche Funktion bietet bereits Inbox unter Android an.

Ein Feature der Kategorie „längst überfällig“ sind die Benachrichtigunsbadges, die Android O von Werk unterstützt. Damit erhalten Icons, sofern von der App unterstützt, kleine Zähler, die Auskunft über eingegangene Benachrichtigungen geben. Der Nova Launcher und zahlreiche andere Homescreen-Alternativen bieten das schon seit Jahren; erfreulich also, dass Google sich endlich auch dazu entschließt, diese Funktion nativ zu implementieren.

Android O: Bild-in-Bild-Overlay für Videowiedergabe

Okay, das klingt zunächst verwirrend, ist im Grunde aber simpel: Ein Video kann unter Android O, sofern von der abspielenden App implementiert natürlich, in einem Fenster geöffnet werden, das sich über das reguläre Interface legt. Somit kann der Nutzer beispielsweise im Browser weitersurfen, während er etwas auf YouTube anschaut. Mit Android TV war das bereits möglich. Manche Apps, etwa Twitch, bieten ebenso schon eine vergleichbare Funktion, obgleich das in Sachen Performance und Stabilität noch nicht mit einer nativen OS-Unterstützung zu vergleichen ist.

Android O bekommt Autofill-API

Ganz ehrlich, die Autofill-Funktion gängiger Browser ist doch ein Segen, oder? Anstatt Namen, E-Mail, Passwort und Co. per Hand in Formulare oder Login-Felder einzutippen, übernimmt der Browser diese lästige Arbeit. Zwar bot beispielsweise Chrome unter Android bereits ein solches Feature, eine systemweite Integration ist jedoch nochmal ein anderes Kaliber. Die Entwicklerschnittstelle ist offen, der Nutzer kann somit wie bei der Tastatur frei wählen, welche Autofill-App er nutzen möchte. Für Passwort-Manager kommt diese API sicherlich wie gerufen.

Android O: Viel Kleinarbeit

Davon abgesehen hat Google noch zahlreiche Neuerungen unscheinbarer Natur eingebaut, die es nachfolgend abzuarbeiten gilt. Nochmal der Hinweis: Es handelt sich um eine Developer Preview, demnach kann sich bis zum finalen Release noch alles ändern.

  • Optisch überarbeitete Einstellungen
  • Hinweise auf Theme-Unterstützung
  • SystemUI-Tuner erlaubt Anpassung der Navigationstasten
  • Adaptive Icons
  • Unterstützung für mehrere Displays
  • Apps können individuelle Farbprofile nutzen
  • Neue Sound-API für professionelle Audio-Apps
  • Besserer Klang über Bluetooth dank von Sony beigesteuerten Audio-Codecs (aptX)
  • Verbesserte Navigation per angeschlossener Tastatur
  • Android Runtime (führt Apps aus) doppelt so schnell

Für Nutzer erkennbare Neuerungen halten sich bis dato in Grenzen. Das hängt aber vornehmlich damit zusammen, dass Google mittlerweile diverse Funktionen in Apps ausgelagert hat – alleine die Play Dienste sind für enorm viele Features verantwortlich. Diese Veränderungen sind für Entwickler aber weniger relevant, weswegen die Developer Preview per se hauptsächlich Plattform-Neuerungen enthält. Die „Google-Features“ rund um den Assistant und dergleichen dürften aber spätestens zur Google I/O 2017 im Mai kommuniziert werden. Dann soll dem Vernehmen nach auch die zweite Entwicklervorschau erscheinen.

Android O zum Download verfügbar – nur für Entwickler geeignet

Wie gewohnt bietet Google die neuen Images auf Basis von Android O auf der eigenen Webseite zum Download an. Zu den unterstützten Geräten zählen das Nexus 5X, Nexus 6P, Nexus Player, Pixel und Pixel XL sowie das Pixel C. Die Images müssen händisch geflasht werden, alle Daten gehen hierbei verloren. Es handelt sich wohlgemerkt um eine Entwicklervorschau, die keinen Anspruch auf Stabilität hat. Dementsprechend raten wir und auch Google nur erfahrenen Nutzern beziehungsweise (Hobby-) Entwicklern zum Download. Die Version ist nicht zur Nutzung im Alltag geeignet.

 

Für Entwickler noch der abschließende Hinweis: Die Android-Dokumentation ist entsprechend aktualisiert und enthält technische Details zu allen Neuerungen von Android O.

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