Der feuchte Traum eines jeden Fans der „alten“ BioWare-Rollenspiele wird wahr: Die „Mass Effect“-Trilogie bekommt ein Remaster. Doch was steckt drin in der Frischzellenkur für den Commander?

 

Mass Effect Legendary Edition

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Mass Effect Legendary Edition

Vergangene Woche durfte das Fachpublikum schon mal einen genaueren Blick auf die Mass Effect: Legendary Edition werfen und erfuhr bei einem Preview-Event, was denn nun tatsächlich alles drin steckt. Und wie immer wichtig, wenn ältere Spiele aufpoliert werden, wie es aussieht.

Mass Effect™ Legendary Edition Official Reveal Trailer (4K)

 

Optisch ein Remaster – nicht mehr und nicht weniger

Falls ihr jemals in die Situation kommt, den Unterschied zwischen einem Remaster und einem Remake zu erklären, euer Beispiel für ein Remaster könnte die Mass Effect: Legendary Edition sein. Natürlich sind die optischen Verbesserungen klar zu sehen, hier wurde aber nur das vorhandene Spiel verschönert und nichts von Grund auf neu gemacht. Dass euch die strahlende Schönheit dieser Spiele das Augenlicht nimmt, wie es beispielsweise auf der PS5 mit dem Remake von Demon‘s Souls zu erleben ist, wird also nicht passieren. Das ist aber auch per Definition nicht der Anspruch eines Remaster.

Während einer Präsentation wurden allerlei Vorher-Nachher-Bilder gezeigt und, auch wenn es schon vorher klar gewesen ist, die grafischen Verbesserungen fallen natürlich bei Mass Effect 1 am meisten auf. Insgesamt ist alles detaillierter, schärfer, durch volumetrisches Licht und Tiefenschärfe sowie stimmige Lichtreflexionen sehen gerade Zwischensequenzen deutlich besser aus.

Die Vorher-Nachher-Bilder zeigen, was es an grafischen Verbesserungen gibt, darunter auch die Überarbeitung der Schauplätze in Mass Effect 1. (Bild: BioWare)

Im Fall von Mass Effect 1 wurden auch diverse Schauplätze stark überarbeitet, die teils kargen Level gewinnen durch hochauflösende Texturen jedoch nur bedingt. Diese Schauplätze wurden mit verschiedenen Elementen aufgefüllt, um lebendiger und glaubhafter zu wirken, zum Beispiel durch rauchende Gebäude im Hintergrund oder schwelende Feuer auf eurem Weg, wenn ihr euch durch einen Kriegsschauplatz bewegt.

Fast(!) alle Inhalte sind dabei

In der Mass Effect: Legendary Edition bekommt ihr fast alle Inhalte der alten Trilogie, und das vereint in einem einzelnen Launcher. Es ist im Grunde einfacher zu erklären, was nicht bei der Legendary Edition dabei ist, denn das Remaster erscheint mit allen Singleplayer-DLCs, den Waffen- und Rüstungs-Paketen, sowie den Promo-Inhalten.

Den Multiplayer wird es allerdings nicht geben. Der Project Director Mac Walters erklärte, das Team habe es zwar in Betracht bezogen, sich aber dagegen entschieden. Der Aufwand wäre zu groß gewesen und hätte den Fokus zu sehr vom Singleplayer genommen. Und dort lag nun mal das Hauptziel des Remaster. Außerdem waren weitere Fragen schwer zu beantworten: Was passiert mit den Spielern, die aktuell noch den Multiplayer spielen? Wie ließe sich Crossplay realisieren? Unterm Strich wurde entschieden, die vorhandenen Ressourcen anders zu nutzen.

Mehr als genug Inhalt für weitere 600 Stunden Mass Effect:

Spielerische Veränderungen

Klassen, Waffen, Flummiball – durch die Trilogie haben sich Gameplay-Elemente teils stark verändert und gerade Mass Effect 1 fühlte sich im Nachhinein wie ein Bruch an. In der Legendary Edition werden die drei Spiele ein wenig mehr aneinander angeglichen. So gibt es zum Beispiel einen einheitlichen Charaktereditor, der sogar ein wenig mehr Anpassungsmöglichkeiten bietet.

Die Omni-Klinge ist eine der ikonischen Waffen aus Mass Effect. (Bild BioWare)

Außerdem wurde der Standard-Look des weiblichen Commander Shepard über alle Teile hinweg angeglichen. Ebenfalls in die Liste der vielen kleineren Verbesserungen gehören sinnvollere Autosave-Punkte, einheitlichere Tastenbelegung und die Minigames wurden ebenfalls über die Trilogie hinweg angeglichen, außerdem treten sie weniger häufig auf. Aufsehen erregten die Verbesserungen am physikalischen Verhalten des Mako (der legendär schlecht steuerbare fahrbare Untersatz für planetare Einsätze). Mit Physik hatte der Flummi aus Metall nämlich bisher recht wenig am Hut.

Die Waffenbeschränkungen für Klassen wurden aufgehoben, genau wie der Malus auf die Zielgenauigkeit. Eine wichtige Verbesserung betrifft die extrem langen Aufzugfahrten in der Citadel in Mass Effect 1, in deren Wartezeit der Legende nach einige Spieler ein Hochschulstudium abschließen konnten. Die Fahrten können nun übersprungen werden, sobald der Ladevorgang beendet wurde. Ein Beispielvideo zeigte eine Reduzierung von 52 Sekunden auf 14 Sekunden. Falls die Minuten im Aufzug für euch aber zur Spielerfahrung dazugehören: Das Übersprungen ist ja optional.

„Ich bin Commander Shepard und das ist mein Lieblingsrollenspiel“

Von der Landung auf Eden Prime bis zur inneren Kontrollkammer auf der Citadel, Fans der „Mass Effect“-Trilogie bekommen alles, was das (Singleplayer)-Herz sich inhaltlich wünschen kann. Dazu kommen diverse Verbesserungen, die alle drei Spiele mehr zu einer gefühlten Einheit zusammenführen. Wer den Multiplayer mochte, muss jedoch bei den Original-Spielen bleiben.

Technisch verbleibt die Legendary Edition in der Unreal Engine 3.  Diese, sowie auch der Code der alten Spiele sind das Gerüst, auf dem das Remaster aufgebaut wurde. Grafisch sind hier einfach keine Wunder zu erwarten. Die Verbesserungen sind aber deutlich zu sehen und sind auch heute noch in Ordnung, um das Hauptaugenmerk für Spieler nicht zu verschleiern. Die Charaktere, was Spieler mit ihnen erleben und die Welten, die sie besuchen, sind nämlich immer noch die gleichen, die sie schon vor 13, elf und neun Jahren so in ihren Bann ziehen konnten.

Ein persönliches Fazit

Da ich bis jetzt nur einer Präsentation beiwohnen und die Mass Effect: Legendary Edition noch nicht spielen konnte, verzichte ich natürlich auf ein konkretes Urteil, wie gut oder wie schlecht das Remaster nun wird. Ein Remaster oder Remake ist in manchen Punkten eine wesentlich undankbarere Aufgabe als ein komplett neues Spiel. Eine Reihe wie Mass Effect hat eine Menge eingefleischter Fans, die die Spiele sehr gut kennen und sehr genaue Erwartungen an ein Remaster haben.

Die Mass Effect: Legendary Edition schickt Spieler erneut in den Kampf gegen die Reaper. (Bild: BioWare)

BioWare kann sich eigentlich inhaltlich auf das Spiel verlassen. Dennoch herrschen zwischen den einzelnen Teilen, was die Gameplay-Elemente betrifft, gewisse Diskrepanzen und somit auch das Potenzial sich für die falsche Variante zu entscheiden. Was die optische Neugestaltung angeht, kommt es noch stärker auf die Erwartungshaltung der Spieler an und was sie von einem Remaster verlangen – ein Wunder sollte es wie gesagt nicht sein.

Ein in der Präsentation häufig thematisierter Aspekt war die Verteilung der Ressourcen für die Arbeit am Remaster. So hat man sich zum Beispiel gegen den Multiplayer entschieden, um Zeit und Geld in andere Dinge stecken zu können. Das wirft die Frage auf, ohne den Einsatz irgendeines Entwicklers anzuzweifeln, wie viel durch BioWare beziehungsweise Electronic Arts am Ende in das Remaster investiert wurde und ob es nicht vielleicht etwas mehr hätte sein können?

Dem gegenüber steht natürlich der angestrebte Preis der Legendary Edition. Alle drei Spiele zu überarbeiten, war sicherlich ein immenses Projekt. Hätte man vieles von Grund auf neu gemacht, wären wesentlich mehr Ressourcen nötig gewesen. Ihr könnte euch ja mal selbst fragen, bis zu welchem Preis ihr für die Legendary Edition mitgehen würdet. 70 Euro? 100 Euro? 150 Euro?

Wie viele Fans erneut auf die Brücke der Normandy zurückkehren werden, entscheidet sich am 14. Mai 2021 auf den Plattformen PS, PS4 und Xbox One. Via Abwärtskompatibilität ist das Remaster auch auf der PS5 und Xbox One X spielbar. Die PC-Version kostet bei Origin 60 Euro, für die Konsolen-Versionen sind 70 Euro fällig. Die nostalgische Reise namens Mass Effect: Legendary Edition ist kein Kurztrip. Die Spieler haben tolle Erinnerungen an das beliebte Rollenspiel, und dementsprechend dürften die Erwartungen ausfallen. Es wird sich zeigen, ob die Realität diese auch erfüllt.

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