HyperX Alloy FPS RGB Gaming-Tastatur im Test: So empfindlich wie ein Schmetterlingsflügel

Robert Kohlick

Dank extrem empfindlichen mechanischen Switches werden die Tastenanschläge der HyperX Alloy FPS RGB besonders schnell registiert. Vor allem Gamer sollen davon profitieren, denn in schnellen Actionspielen, MOBAs und Ego-Shootern kommt es meist auf jede Millisekunde an. Im Test entpuppt sich die angepriesene Stärke jedoch als größter Kritikpunkt. 

HyperX Alloy FPS RGB Gaming-Tastatur im Test: So empfindlich wie ein Schmetterlingsflügel
Bildquelle: Severin Pick @ GIGA.

HyperX Alloy FPS RGB im Test: Unser Urteil

Während sich die Gaming-Tastatur von HyperX bei Verarbeitung, Haptik und Design keinerlei Blöße gibt, lässt sie im wohl wichtigsten Testaspekt viel Potenzial auf der Straße liegen: Dem Schreib- und Tippgefühl. Dank der mechanischen Kalih-Silver-Speed-Switches fallen die Betätigungswege besonders kurz aus: Ein Eindrücken von gerade einmal 1,1 Millimeter reicht bereits aus, um die entsprechende Taste zu aktivieren, auch die Bedienkraft liegt mit 40 Gramm auf einem Rekordminimum. Klingt doch super, oder? Das Gegenteil ist der Fall.

Da die mechanische Gaming-Tastatur ohne Handballenablage ausgeliefert wird, ertappe ich mich oftmals dabei, wie bereits nach kurzer Zeit meine Hand auf der Tastatur ruht. Das Problem: Bereits das Eigengewicht meiner zugegebenermaßen recht großen Finger reicht aus, um einige der Tasten unbeabsichtigt zu betätigen. Statt mit einem simplen Druck auf die W-Taste im Counter-Strike: Global Offensive stur nach vorne zu laufen, entscheidet sich mein Spielecharakter dazu, lieber eine diagonale Route nach links einzuschlagen. Nach einigen frustrierenden Minuten weiß ich, wo das Problem liegt: auf der A-Taste. Ohne es zu wollen, geschweige denn wahrzunehmen, aktiviere ich die vermaledeite Taste alleine durch das Auflegen meines linken Ringfingers. Ein subtiles Zeichen von HyperX, dass ich mal lieber eine Diät machen sollte? Wahrscheinlich ein Problem, dass ich mir nach einer gewissen Eingewöhnungsphase automatisch abtrainieren würde – dachte ich zumindest.

Doch auch nach einem vollen Monat trat das Problem noch immer auf. Dazu gesellen sich weitere schlechte Erfahrungen, mit dem geringen Reaktionsweg der Kalih-Silver-Speed-Switches. Ständig vertippe ich mich selbst bei kurzen Nachrichten, öffne in Spielen aus Versehen mein Inventar oder die Karte, lade ungewollt in Call of Duty nach und stehe dann mit runtergelassenen Hosen da. Jedes Mal rolle ich mit den Augen, beruhige mich wieder und rede mir ein, dass das noch besser wird.

Doch das wird es nicht, es wird schlimmer. Noch öfter vertippe ich mich, weil meine Finger dem Irrglauben verfallen, dass sie den Dreh doch inzwischen raushaben müssen. Immer wieder sehne ich mich nach einer Handballenablage, um den Druck meiner anscheinend zu schweren Finger auf die Tasten zu verringern. Irgendwann resigniere ich. Ich krieche unter den Schreibtisch, ziehe den USB-Stecker ab, packe alles formschön zusammen und lasse die HyperX Alloy FPS RGB in meinem Schrank verschwinden.

Wenige Minuten später habe ich meine inzwischen 12 Jahre alte Logitech G15 mit Rubberdome-Switches wieder in Betrieb. Meine Hand macht es sich auf der entsprechenden Ablage bequem, meine Tippfehler reduzieren sich schlagartig und auch das versehentliche Drücken von Tasten im Spiel gehört der Vergangenheit an. Endlich habe ich wieder die Kontrolle.

Nach der Lektüre meiner kleinen Geschichte könnte man denken, dass ich der Hyper X Alloy FPS RGB nichts Positives abgewinnen kann, doch dem ist nicht so. Die komplette Verarbeitung der Tastatur ist absolute Spitzenklasse. Dank des Vollstahlrahmens wirkt das Eingabegerät sehr robust und hochwertig. Dieser Eindruck wird durch die helle RGB-Beleuchtung verstärkt. Die Farbe jeder einzelnen Tasten kann über die Software kalibriert werden. Mit dieser können auch Macros erstellt, Beleuchtungseffekte geändert und der Gaming-Mode angepasst werden. Der Gaming-Mode sorgt unter anderem dafür, dass die Windows-Taste deaktiviert wird – so landet man nicht aus Versehen auf dem Desktop, wenn man eigentlich gerade seinen Gegner mit einem Dropshot über den Haufen ballern will.

Das relativ hohe Gewicht von 1,1 Kilogramm in Kombination mit den gummierten Füßen an der Unterseite sorgen dafür, dass die Tastatur auch in hitzigen Situationen mit Krafteinwirkung von Händen und Armen an Ort und Stelle bleibt. Das textilummantelte Kabel kann dank einer großzügigen Länge von 1,8 Metern problemlos hinter dem Schreibtisch verlegt werden und lässt sich sogar von der Tastatur trennen.

Die HyperX Alloy FPS RGB bietet neben einem USB-Stecker für die Verbindung von Tastatur und PC auch noch einen zweiten USB-Anschluss. Nur wer auch das zweite USB-Kabel mit an den PC anschließt, kann den USB-2.0-Passthrough für Mobiltelefone verwenden. Ansonsten lässt sich der Anschluss am oberen Ende der Tastatur immerhin noch als Ladekabel nutzen. Auch der fehlenden Handballenablage lässt sich ein postiver Aspekt abringen: Durch deren Verzicht fallen die Abmessungen der Gaming-Tastatur äußerst kompakt aus – trotz separatem Nummernblock.

Auch wenn das Tippgefühl der HyperX Alloy FPS RGB bei mir keine Begeisterung auslöst, sorgt das Geräusch des Tastentackerns für genau den wohlklingenden Sound in meinen Ohren, den ich bei einer mechanischen Tastatur erwarte und dessen Lautstärkepegel definitiv nicht tauglich fürs Großraumbüro ist.

Alles in allem kann mich die HyperX Alloy FPS RGB in vielen Punkten voll und ganz überzeugen: Verarbeitung, Design, Software – hier gibt es kaum etwas zu beanstanden. Doch sowohl Schreiben als auch Spielen ist aufgrund der sehr empfindlichen Tasten dermaßen entnervend, dass mir beide Tätigkeiten während des Tests nur wenig Freude bereiteten. Am Ende des Tages will ich keine Tastatur, die besonders schön leuchtet, robust ist oder viele Zusatzfunktionen bietet, sondern eine, mit der ich mühelos schreiben und zocken kann. Das konnte mir die HyperX Alloy FPS RGB jedoch nicht bieten.

HyperX Alloy FPS RGB im Test: Bewertung

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Das hat uns an der HyperX Alloy FPS RGB gefallen

  • Kompakt und transportabel: Trotz des hohen Gewichts von 1,1 Kilogramm lässt sich die Tastatur dank des abnehmbaren USB-Kabel sehr gut transportieren.
  • Onboard-Profil-Speicher: Dank des internen Speichers der HyperX Alloy FPS RGB könnt ihr insgesamt 3 unterschiedliche Profile direkt auf der Tastatur ablegen und zwischen ihnen per Tastendruck hin- und herwechseln – auch ohne installierte Treibersoftware auf dem angeschlossenen Gerät.
  • Robuste Bauweise: Dank des Vollstahlrahmens versprüht die Optik der HyperX Alloy FPS RGB nicht nur ein gewisses Premium-Feeling, sondern hält auch jedem alltäglichen Belastungstest ohne Probleme stand.

Das hat uns an der HyperX Alloy FPS RGB nicht gefallen

  • Keine Handballenablage: Durch das Fehlen der Handballenablage ist die Tastatur zwar angenehm kompakt, büßt dafür jedoch etwas Komfort ein.
  • Lästiges nachhallendes Geräusch: Jede Tastenabfolge endet mit einem dumpfen, langsam ausklingendem Geräusch, wenn die Tasten auf den Vollstahlrahmen treffen.
  • überempfindlich: Hohe Reaktionsgeschwindigkeit hin oder her – die Switches der HyperX Alloy FPS RGB sind meiner Meinung nach viel zu empfindlich. Manchmal habe ich Angst, dass ich eine der Tasten aktiviere, weil ich sie gerade angucke.

HyperX Alloy FPS RGB im Test: Technische Daten im Überblick

Typ mechanisch
Switches Kalih Silver Speed
Lebensdauer bis zu 70 Millionen Tastenanschläge laut Hersteller
Bedienungsart linear
Bedienkraft 40 Gramm
Betätigungspunkt 1,1 mm
Poll-Rate 1.000 Hz
Anti-Ghosting ja
Gaming-Mode ja
Mediensteuerung ja
Länge des USB-Kabels 1,8 Meter
Gewicht 1,1 Kilogramm
Maße (B x T x H) 44,2 cm x 13,0 cm x 3,6 cm
Besonderheiten
  • RGB-Beleuchtung
  • interner Profilspeicher (3 Profile)
  • USB-Kabel abnehmbar
  • USB-Passthrough für Mobilgeräte

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