Marvel's Spider-Man im Test: Selten so viel Spaß gehabt

Lisa Fleischer 2

Heutzutage braucht ein Spiel zahlreiche komplexe Gameplay-Mechaniken, um aus der Masse herauszustechen. Oftmals fühlen sie sich deshalb fast wie ein Job an – der Spielspaß bleibt auf der Strecke. Zum Glück bricht Marvel’s Spider-Man aus dem Muster aus.

Der folgende Trailer zeigt dir, was du in Marvel’s Spider-Man alles zu tun hast – und warum es so viel Spaß macht.

Marvel’s Spider-Man: Gameplay Launch Trailer - PS4.

Keine Zeit, den kompletten Test zu lesen? Ganz unten findest du eine Zusammenfassung samt unserer Wertung.

Auch, wenn das Spiel vom älteren Spider-Man erzählt, der schon acht Jahre lang seiner Tätigkeit als Superheld nachgeht, ist Peter Parker immer noch sehr jung. Er ist ein Nerd durch und durch und hat immer einen derben Spruch auf den Lippen, um seine eigentliche Unsicherheit zu verbergen. Außerdem ist er enorm agil, anstatt stundenlang von A nach B zu rennen, schwingt er sich einfach an seinen Netzen durch die Stadt. Genau diese Eigenschaften spiegeln sich eins zu eins im neuen Spiel Marvel’s Spider-Man wieder.

Erzählt wird eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, Peter Parker muss versuchen, sein Leben als Superheld mit seinem Job als Wissenschaftler und seinen sozialen Kontakten unter einen Hut zu bekommen. Immer wieder hetzt er von Tatort zu seinem Labor und dann ins F.E.A.S.T.-Center, in dem seine geliebte Tante May arbeitet. Und natürlich trifft er immer wieder auf seine Ex-Freundin Mary-Jane Watson, die ihn trotz Trennung immer noch in seinen Tätigkeiten unterstützt.

Den roten Faden vor den Augen

Damit du bei so vielen Aufgaben nicht den Faden verlierst, zeigt dir das Spiel zu jeder Zeit an, wo deine Hauptquest weitergeht. Schließlich steht dir die komplette Karte von Manhattan, New York offen. Gäbe es keine markierten Punkte auf der Karte, wärst du so schnell verloren wie ein gewöhnlicher Tourist, der zum ersten Mal in der Metropole zu Besuch ist. So kannst du dich aber ganz entspannt auf das durch die Stadt Schwingen konzentrieren. Und das funktioniert einwandfrei!

Nicht selten habe ich die Hauptquest links liegen gelassen, um einfach durch das erstaunlich realistische Manhattan zu schwingen und Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Es fühlt sich wunderbar an, Geschwindigkeit aufzunehmen, an Wänden hochzurennen oder dich sogar von hohen Gebäuden herunterzustürzen – ohne dass du Gefahr läufst, dich zu verletzen. Schließlich fängt sich Spidey immer ab, egal aus welcher Höhe er fällt – ohne dass du irgendetwas tun müsstest. Du kannst sogar Tricks in der Luft vollführen oder mit Passanten ein Selfie machen – alles wird natürlich mit ein paar EP belohnt.

Ähnlich flüssig steuert sich Spider-Man auch im Kampf. Dein Spinnensinn meldet sich frühzeitig zu Wort, greift dich ein Gegner an, dir bleibt meist genügend Zeit, elegant auszuweichen – oder einen Gegner zwischen dich und die Gefahrenquelle zu stellen. Richtig gehört: Alles was dir schaden kann, kann auch deinen Gegnern schaden, im späteren Spielverlauf ist es sogar möglich, sie mit ihren eigenen Granaten, Raketen und sogar Pistolen zu schlagen – indem du dein Netz nutzt und die Gegenstände auf sie zurückschleuderst.

Auch die Umgebung lässt sich nutzen, Fässer, Autotüren und Motorräder fängst du mit deinem Netz einfach ein und wirfst sie anschließend mit Schwung auf deine Gegner. In Spider-Man gibt es zudem ein Kombo-System, lässt du dir lange Schlagabfolgen einfallen, gibt das mehr Punkte. Bist du kein Mensch fürs offene Gefecht, kann Spidey genauso gut schleichend vorgehen, auch dafür stehen ihm verschiedene Netz-Gadgets zu Verfügung, die dich Gegner ganz leise ausschalten lassen.

Gerade genug Herausforderung, um spannend zu bleiben

Spider-Man soll dir primär Spaß machen. Deshalb ist das Spiel bei normalem Schwierigkeitsgrad auch gut zu meistern. Das heißt aber nicht, dass das Spiel zu einfach ist. Auch wenn es dich nicht alleine lässt, sondern regelmäßig an die Hand nimmt, gibt es immer noch so Einiges, das du selbst heraus finden musst. So musst du dir erst einmal eine für dich funktionierende Taktik zurechtlegen, willst du Gegner besiegen, unbedachtes Vorgehen endet meistens mit dem Tod.

Außerdem gibt es auch in Spider-Man ein Level-System mit Crafting-Elementen. Es gibt verschiedene Anzüge für den Superhelden, die alle verschiedene Spezial-Fähigkeiten mit sich bringen, du hast zudem einige Gadgets, die im Kampf eingesetzt werden können – hast du genügend Ressourcen, um sie herstellen zu können. Mit jedem aufgestiegenen Level bekommst du zusätzlich einen Fähigkeitenpunkt, den du in deinen Skill-Baum investierst und damit Spider-Man spezialisierst.

Eine richtige offene Welt

Ressourcen findest du übrigens selten in der Hauptquest, sondern in den zahlreichen Nebentätigkeiten, denen du in Manhattan nachgehen kannst. Ja, richtig, kannst! Theoretisch kannst du Spider-Man nämlich auch ohne das Sammeln von Rucksäcken, Knipsen von Fotos oder Lösen von Rätseln durchspielen – dir stehen dann nur weniger Gadgets zu Verfügung.

Das Sammeln in Spider-Man geht aber erstaunlich gut von der Hand. Ich persönlich bin normalerweise gar kein Fan von Sammelaufgaben in offenen Welten – in Spider-Man hingegen bin ich kaum davon losgekommen. Zum einen mag das daran liegen, dass mich das Spiel nicht dazu zwingen wollte – kann ich selbst darüber entscheiden, machen mir solche Aufgabe gleich viel mehr Spaß. Zum anderen boten mir die Nebenquests die Möglichkeit, Manhattan noch ausgiebiger zu erkunden.

Hinzu kommt, dass die Nebenaufgaben sehr abwechslungsreich sind. Während du im Hauptspiel vor allem zwischen Herumschwingen, Kämpfen und Schleichen wechselst, stehen dir in der offenen Welt zahlreiche knifflige Rätsel zu Verfügung, du wirst zu Rennen auf Zeit eingeladen oder musst technische Probleme in der Stadt lösen. In Spider-Mans Manhattan wird dir also nie langweilig – und wenn doch, kannst du dich jederzeit anderen Tätigkeiten in der Stadt widmen.

In Manhattan nichts neues

Auch wenn die Entwickler von Insomniac Games eine Coming-of-Age-Geschichte erzählen möchte, sind ihre Herangehensweisen doch klassisch für das Superhelden-Genre. Wie immer gibt es Superschurken, die aus welchen Gründen auch immer, die Stadt vernichten wollen. Menschen, die tödlichen Gefahren ausgesetzt sind und einen Helden – Spider-Man – der alles ins Lot bringen soll.

Zwar gibt es einige nette Herangehensweisen, du spielst mehr Charaktere als nur Spider-Man und Peter Parker, außerdem gibt es einige Stellen, an denen Spider-Man nicht anderen zur Hilfe kommt, sondern selbst auf Unterstützung angewiesen ist. Trotzdem ist die Geschichte ein einziges Superhelden-Klischee – und an manchen Stellen arg an den Haaren herbeigezogen. Die Motivation einiger Charaktere wird nur kurz angerissen, meistens passiert alles, weil es eben passiert, ohne große Begründung dahinter.

Dafür sind die Charaktere an sich gut geschrieben und mehr als nur schwarz-weiß. Besonders gut gefallen hat mir hierbei Schurke Mister Negative, dessen Geschichte am Ende einen ganz neuen Dreh bekommt. Unberührt von dieser Vielschichtigkeit bleibt leider Spider-Man selbst, er ist durch und durch gut, ohne sich auch nur ein einziges Mal zu hinterfragen. Schade, hätte eine Coming-of-Age-Geschichte doch gerade dafür Potential geboten.

Insgesamt wirkt die Geschichte, als hätten sich die Autoren schlicht zu viel vorgenommen – ein Fokus auf Mister Negative und seinen inneren Zwiespalt hätte vollkommen ausgereicht, vom RAFT-Ausbruch hätte auch in einem DLC oder einer Fortsetzung erzählt werden können, dann mit genauso guten Motivationen wie bei Negatives Storyline.

Bilderstrecke starten
37 Bilder
13 Film-Superhelden, die sich im Laufe der Zeit krass verändert haben.

Wenn die Zeit zu knapp für Details ist

Ähnliche Probleme machen sich auch optisch bemerkbar. Zwar ist die Welt insgesamt liebevoll gestaltet, an jeder Ecke finden sich Hinweise auf Spider-Mans Vergangenheit und der Social-Feed, den du über die Karte aufrufen kannst, liest sich wirklich unterhaltsam. Allerdings haben die Entwickler dafür wohl an der Ausgestaltung Manhattans gespart. Beim Schwingen über die Häuserdächer fällt dir das natürlich nicht auf, hältst du irgendwo an und schaust dir Pflanzen, Pfützen und Menschen genauer an, fehlen teilweise die Details, die sie zum Leben erwecken.

Außerdem sind mir an manchen Stellen technische Mängel aufgefallen, die ein PlayStation 4-Spiel definitiv nicht haben sollte. Ein Charakter aus einer Nebenquest hat den Mund beim Sprechen überhaupt nicht bewegt, an anderen Stellen war die Synchronisation zu leise oder unpassend.

Apropos Synchronisation: Spider-Man ist auf Deutsch voreingestellt, die Sprache kann im Spiel selbst nicht geändert werden. Zum Glück ist Spidey selbst auch im Deutschen authentisch synchronisiert worden, andere Charaktere wie Harry Osborn oder Tante May wirken an manchen Stellen aber etwas hölzern. Willst du unbedingt im englischen Original spielen, musst du also die Systemsprache deiner Konsole umstellen. Da Spider-Man bislang noch nicht veröffentlicht wurde, bleibt zu hoffen, dass gerade die großen Schnitzer noch mit dem Release-Patch behoben werden.

Bestelle Spider-Man bei Amazon *

Mein Test-Fazit zu Marvel’s Spider-Man: Spielspaß kommt vor Story

Auch wenn ich normalerweise großen Wert auf eine gute, durchdachte Geschichte in Story-Spielen lege, konnte mich bei Spider-Man das Gameplay locker darüber hinwegtrösten. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß mit einem Spiel wie mit Spider-Man. Zu keiner Zeit wurde ich aus dem Spielfluss gerissen, immer gab es spannende Aufgaben zu entdecken und der Schwierigkeitsgrad motiviert, ohne dabei zu überfordern.

Da kann ich sogar über die grafischen und technischen Patzer hinwegschauen, im Großen und Ganzen hat ja alles funktioniert. Und jetzt schwinge ich mich weiter durch Manhattan – immer noch gibt es Einiges zu entdecken. Im Oktober folgt dann sogar der erste DLC – der Spaß hört niemals auf!

Wird dir gefallen, wenn ein Spiel für dich primär Spaß machen muss, du schon immer wissen wolltest, was Spider-Man privat macht und mit einem relativ derben Humor zurecht kommst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du bei hanebüchenen Geschichten an die Decke gehst, dich grafische oder technische Fehler aus dem Spielfluss reißen oder du enorme Herausforderungen brauchst, um motiviert zu bleiben.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link