Schufa in Bedrängnis: So soll die geheime Formel entschlüsselt werden

Simon Stich

Wie das Scoring-System der Schufa genau funktioniert, weiß niemand außer der Schufa selbst. Jetzt gibt es mit OpenSCHUFA eine neue Kampagne, die genau das ändern möchte. Der Scoring-Schlüssel soll veröffentlicht werden – und dazu wird eure Mithilfe benötigt.

OpenSCHUFA will Schufa-Scores knacken

Jeder kennt sie, kaum jemand mag sie. Die Schufa ermittelt die Kreditwürdigkeit von Personen und Unternehmen und gibt sie an Dritte weiter. Wenn ihr auf Rechnung einkauft oder einen neuen Mobilfunkvertrag abschließen wollt, werden eure Schufa-Daten abgefragt. Ist das Ergebnis negativ, kann der Vertragspartner von einem Geschäft mit euch absehen. Auch bei der Wohnungssuche ist ein negativer Eintrag in der Kartei äußerst lästig. Vermieter könnten davon ausgehen, dass die Miete nicht regelmäßig überwiesen wird.

Wie genau die Schufa euren Score ermittelt, ist ein Geheimnis. Die dahinterstehende Methode zur Berechnung wurde 2014 vom Bundesgerichtshof als „schützenswertes Betriebsgeheimnis“ eingestuft und bleibt demnach im Verborgenen. Jetzt gibt es ein neues Crowdfunding-Projekt namens OpenSCHUFA, das dem Geheimnis der Schufa auf die Schliche kommen möchte. Jeder Nutzer ist aufgerufen, eine kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa zu beantragen. Die so erhaltenen Daten sollen anonymisiert an das Projekt weitergeleitet werden. Ist die Datensammlung erst mal groß genug, lassen sich Rückschlüsse auf die Schufa-Formel ziehen, so die Hoffnung. Im besten Fall kann so ermittelt werden, ob die Schufa zu unrecht negative Einträge gespeichert hat oder eine unvollständige Datengrundlage zur Berechnung einsetzt. Auch mögliche diskriminierende Elemente der Berechnung (wie Herkunft oder Geschlecht) könnten vielleicht gefunden werden.

Crowdfunding für Open-Source-Software

Die Macher hinter OpenSCHUFA möchten in einem ersten Schritt 30.000 Euro sammeln, um eine Open-Source-Software zu entwickeln. Mit dieser sollen die eingesandten Daten automatisiert verarbeitet werden. Bis zum 15. März können Freiwillige eine beliebige Summe spenden. Am ersten Tag sind aktuell bereits über 5.500 Euro von 371 Unterstützern eingesammelt worden. OpenSCHUFA gehört zum gemeinnützigen Verein Open Knowledge Foundation Deutschland und zur nicht-kommerziellen Organisation AlgorithmWatch.

Im Mai soll dann die zweite Phase beginnen, bei der die eingeschickten Daten von der Schufa-Selbstauskunft von Experten ausgewertet werden. Da es sich um äußerst sensible Daten handelt, möchte OpenSCHUFA eine möglichst risikofreie Übertragung der anonymisierten Daten zum Projekt gewährleisten. Genau diesen Punkt hat die Schufa selbst bereits kritisiert. Das Unternehmen hält die Kampagne für „irreführend und gegen Sicherheit und Datenschutz in Deutschland“. Es würde bereits eine intensive Regulierung der Schufa geben. Sollte die Formel zur Berechnung des Schufa-Scores öffentlich werden, könnte das zu Missbrauch führen, heißt es.

Quelle: Startnext via heise online

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